Hätten Sie's gewusst? Cashews sind keine Nüsse, sondern Kerne – und sie wachsen auf Äpfeln! Die Tupi-Indianer prägten den Namen Caju, was Niere bedeutet und auf die Form hinweist – und vier junge Linzgauer versprechen mit ihrem Unternehmen „Cashew for You“, Cashewkerne für dich/für Sie.

Während die drei Überlinger Amos Bucher, Julian Bletscher und Mark Schwippert von ihrer Geschäftsidee erzählen, knabbern sie ein Tütchen leer. „Cashews können süchtig machen. Es gibt Leute, die hauen 750 Gramm in drei Tagen weg“, sagen sie. „Aber die Hamsterkäufe der zweiten Runde sind vorbei, jetzt gibt es genug!“

Genug heißt: 88 Kisten. In jeder Kiste sind 15 Kilo. Das ergibt 3700 Tütchen. In jedem Tütchen ruhen 160 Kerne, also wurden für diese Lieferung 592 000 Kerne in ihrer harten Schale über offener Flamme geröstet. Dabei wurden bereits geknackte Schalen zum Anheizen des Feuers genutzt. Nach dem Knacken der Schale wurden die Kerne im Backofen gebacken und schließlich geschält. Das alles ist Handarbeit.

Und wo geschieht das? In Aku, im Süden Nigerias. Es ist das Heimatdorf von Okey Ugwu und ein wahres Cashew-Paradies. Okey Ugwu ist 39, kam als Asylbewerber nach Überlingen, studierte in Weingarten Elektrotechnik und lernte den Owinger Amos Bucher bei der Arbeit kennen. Dessen Bruder Tobias war nach einem Thailand-Urlaub verrückt nach Cashews – und flugs keimte die Firmenidee.

Bald darauf flogen Julian Bletscher, Okey Ugwu und Amos Bucher nach Nigeria. Den winterlichen Bodenseenebel nahmen sie zu ihrer Verblüffung mit. Der Unterschied: Der afrikanische Nebel bestand aus Saharasand und verging nach ein paar Tagen. Doch der Eingang in eine neue Welt stand weit offen. Schnell erkannten sie, dass es zu viele Kerne für den lokalen Markt gibt, dass alles „bio“ produziert wird und dass ein Vertrieb in Europa der lokalen Cashewindustrie zu neuem Aufschwung verhelfen würde.

Der Cashewkern in der Schale, ungeröstet und verzehrbereit.
Der Cashewkern in der Schale, ungeröstet und verzehrbereit. | Bild: Angela Körner-Armbruster

Endlich konnte der Wunsch der freundschaftlich und verwandtschaftlich verbundenen Seehasen nach einem eigenen Unternehmen erfüllt werden. Trotz der vielen „Ratschläge“, dass dies niemals klappen könne, gründeten sie nach der Devise „Mut tut gut“ eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft. „Es war die perfekte Mischung aus träumen, planen und Augen offen halten und es ist einfach toll, wenn man vom eigenen Produkt erzählen kann.“

Sie erzählen nicht nur, sie schwärmen und schwelgen. Lecker, knackig, köstlich, gesund und glücklich machend seien Cashews und Nigeria ein Land voller Überraschungen. Sie sind stolz auf Nachhaltigkeit, Transparenz und Fairness bei „Cashew for You“ und dass sich die Mitarbeiter mit dem Unternehmen identifizieren. Eigentlich gilt das Knacken der Kerne als niederer Beruf, aber die Zusammenarbeit mit den deutschen Geschäftsleuten bringt den Leuten Anerkennung. Okey hat einen tollen Status, weil er dem Land neue Jobs bringt – denn von den Fabriken der nigerianischen Regierung sind nur noch Ruinen übrig.

Zum Alltag der Linzgauer, die alle 27 Jahre alt und im Brotberuf Lehrer und Ingenieure sind, gehören neben dem Karamellisieren der Cashews und Befüllen der Tütchen die Website und die Logistik, Qualitätssicherung und Finanzierung.

Und was bringt die Zukunft? Jährliche Flüge nach Nigeria, neue Mitarbeiter, vielleicht die Zertifizierung nach den Standards von Fairtrade und der ökologischen Landwirtschaft. Der Mund-zu-Mund-Propaganda folgt eine Werbekampagne und Überlingen und Freiburg werden als Standorte aufgewertet. Eine Videoreihe, das Experimentieren mit Gewürzen und die Erweiterung der Rezeptecke stehen an.

Die Cashwes gibt's auf www.cashewforyou.de