Das Bienensterben und der Hitzesommer 2018 waren die zentralen Themen der Jahresversammlung des Obstbaurings Überlingen im Winzerhaus in Hagnau. Vivien von Königslow, Doktorandin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, hielt dazu einen Vortrag mit dem Titel "Bienenschutz im Apfelanbau – Wie naturnahe Vegetationsstrukturen helfen Bestäuber und andere Insekten zu fördern".

Wichtig für Bienen: abwechslungsreiche Nahrung und Nistmöglichkeiten

Es sei ein wichtiges Thema nicht nur in der Landwirtschaft, dem Rückgang der Bienenpopulationen beziehungsweise auch dem Bienensterben Einhalt zu gebieten. Von Königslow gab den Landwirten Tipps, wie sie mit kleinen Maßnahmen den Bienen abwechslungsreiche Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten können. Sie betonte, dass diese Maßnahmen auch jeder kleine Gärtner in seinem häuslichen Garten umsetzen könne.

Thomas Ainser, Obstbauer aus Ittendorf: „Im Lebensmitteleinzelhandel gibt es zu viel günstige ausländische Ware, dabei hätten wir genug regionales Obst.“
Thomas Ainser, Obstbauer aus Ittendorf: „Im Lebensmitteleinzelhandel gibt es zu viel günstige ausländische Ware, dabei hätten wir genug regionales Obst.“ | Bild: Lorna Komm

Es wäre schon ein einfacher Schritt, erst nach der Blütezeit der Pflanzen und Blumen zu mähen. Weiterhin solle die naturnahe Vegetation am Rand der Anlagen, also an Gräben, Böschungen, Hecken oder auch am Gartenzaun gezielt gepflegt werden. Dort sei Platz für einen kleinen Blühstreifen. Es solle nicht bis direkt an die Kante der Hecke gemäht werden, erklärte die Doktorandin, sodass alle Arten von Insekten dort eine Rückzugsmöglichkeit hätten.

Hecken nicht bis auf den Stock zurückschneiden

Kritisch hinterfragte einer der rund 150 anwesenden Obstbauern den Einsatz der steigenden Mähroboter auf privaten Grundstücken. Von Königslow sieht einen permanenten Einsatz dieser automatischen Mäher, die jeden Grashalm bis auf Minimum stutzen, als ungünstig an, wenn auch natürlich der Anteil der Grünflächen in den Siedlungsgebieten im Vergleich zur landwirtschaftlich genutzten Flächen gering sei. Weiterhin empfahl die Doktorandin, Hecken auszulichten und nicht komplett bis auf den Stock zurückzuschneiden und mit neuen Sträuchern ein ganzjähriges durchgängiges Blütenangebot zu bieten.

Viele Ursachen für den Rückgang von Insekten

Auf die Empfindlichkeit der Bienen und anderer Insekten und auch Vögel ging auch Obstbauberaterin Katja Röser in ihrem Vortrag "Überblick über die derzeitigen Bemühungen zur Förderung der Biodiversität im Obstanbau am Bodensee" ein. Lichtverschmutzung, elektromagnetische Wellen durch Mobilfunknetze und den Rückgang der Viehhaltung führte sie zum einen als Gründe für den Rückgang der Insekten an. Zum anderen habe der späte Wintereinbruch viele Honigbienen getötet, während die später schlüpfende Wildbiene von der Kälte nicht betroffen gewesen sei. Auch der Hitzesommer sei im Bodenseegebiet im Vergleich mit anderen deutschen Regionen recht glimpflich gewesen, da leben wir "in einem gesegneten Land, am Bodensee war es noch recht grün", sagte die Diplom-Agrarbiologin.

Vorurteile gegen Obstbauern wegen des Insektensterbens

"Wir tragen zur gesunden Ernährung der Bevölkerung bei – geredet wird über Pestizide", brachte der Vorsitzende des Obstbaurings, Hubert Lehle, die oft geäußerten Vorurteile gegen die Obstbauern wegen des Insektensterbens in seiner Begrüßungsrede auf den Punkt. Er forderte eine "sachliche Diskussion" ein, "Lösungen sollen gesucht werden" und man brauche "pestizidfreie Kommunen, auch auf Friedhöfen und in Kreisverkehren." Die Rahmenbedingungen wie die den Landwirten gezahlten Preise für Äpfel müssten verbessert werden. "Der Verbraucher will ein makelloses Produkt zu niedrigen Preisen", sagte Thomas Ainser, Obstbauer aus Ittendorf auf Nachfrage.