Wie schnell das Corona-Virus Kreise zieht und ganze Betriebe lahm legt, das zeigt das Beispiel der Kurpark-Klinik in Überlingen. Die Fach- und Rehaklinik musste am vergangenen Wochenende schließen. Zwischen Entscheidung und vollständiger Räumung vergingen nur ein, zwei Tage, wie Geschäftsführer Matthias H. Schindler dem SÜDKURIER auf Nachfrage berichtete.

Erst einer, dann drei, dann zehn Fälle

Ende vergangener Woche habe man zunächst einen Corona-Fall unter den Patienten entdeckt: Ein Patient sei bei sich zu Hause positiv auf das Virus getestet worden. „Daraufhin lief die ganze Maschinerie an“, sagte Matthias H. Schindler.

Entsprechend der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) habe man zunächst Kontakte überprüft und mögliche Infektionsketten nachvollzogen, als am Samstag ein zweiter und ein dritter Fall unter den Patienten bekannt wurde. Da war klar, dass das Haus geschlossen werden muss.

Matthias H. Schindler, seit Oktober 2019 Geschäftsführer in der Birkle-Klinik, Nachfolger von Gründer Wolfgang Spang.
Matthias H. Schindler, seit Oktober 2019 Geschäftsführer in der Birkle-Klinik, Nachfolger von Gründer Wolfgang Spang. | Bild: Hilser, Stefan

Unser Haus war bis dahin voll belegt“, sagte Schindler. Doch musste nun aus dem Nichts heraus die Abreise von rund 100 Patienten organisiert werden, was innerhalb von einem Tag erledigt war. Schindler: „Seit Sonntag steht unser Haus leer.“

Viele Kontakte mit Beschäftigten

In den Folgetagen gingen weitere negative Meldungen ein. Mittlerweile liegen laut Schindler die Rückmeldungen von zehn Patienten auf dem Tisch, die alle positiv auf Corona getestet worden seien. Da ein Großteil der insgesamt 90 Beschäftigte in der Klinik irgendwann in den letzten Tagen mit irgend einem der betroffenen Patienten Kontakt hatte, mussten mittlerweile sehr viele der Beschäftigten in Quarantäne geschickt werden.

Umsätze auf 0 eingerochen

„Wir haben seit Montag keine Erlöse mehr“, beschreibt Geschäftsführer Schindler die betriebswirtschaftliche Dramatik. Die Umsätze seien komplett weggebrochen. Ziel sei es, alle Mitarbeiter zu halten. Er sei zuversichtlich, das Schiff sicher durch stürmische See zu führen. Doch gebe es derzeit sehr viele offene Fragen, die angesichts der Dynamik in der Corona-Krise noch niemand beantworten könne.

Solidarität mit anderen Häusern signalisiert

So liegen der Kurpark-Klinik „Unterstützungsanfragen“ vor, wie Schindler sagt. Dabei gehe es um die Bitte, zum Beispiel von Gesundheitsbehörden, Akut-Patienten aufzunehmen, sollten Akutkrankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. „Wir haben grundsätzlich Ja gesagt.“ Doch müssten im Detail viele Fragen geklärt werden, zu Infrastruktur, Schweregrad der Erkrankungen, und vielem mehr.

Überlicherweise wären die Parkplätze vor der Kurpark-Klinik in Überlingen jetzt voll.
Überlicherweise wären die Parkplätze vor der Kurpark-Klinik in Überlingen jetzt voll. | Bild: Kleinstück, Holger

Schindler bat um Verständnis darum, hierzu noch keine Aussagen treffen zu können. Erstens lägen noch keine konkreten Anfragen für die Aufnahme von Akutpatienten vor. Zweitens müsse er sich derzeit auch um seine Mitarbeiter und die Zukunft der Kurpark-Klinik kümmern. Doch versicherte Schindler: „Wir sind grundsätzlich zur Aufnahme bereit. Wir sind solidarisch, und wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst.“

Klinikverbund Dr. Spang

Die Kurpark-Klinik ist eine Fachklinik für ernährungsabhängige Krankheiten, für Innere Medizin, für Diabetologie, Heilfasten sowie Naturheilverfahren. Sie gehört zum Klinikverbund Dr. Spang Reha-Kliniken. Ihr Gründer, Dr. Wolfgang Spang, ist auch Eigentümer des Parkhotels Sankt Leonhard, das extrem unter der Corona-Krise leidet. Konferenzen fanden in dem Hotel schon länger keine mehr statt, bevor der Beherberungsbetrieb in Folge der Corona-Verordnung des Landes weitgehend und vorläufig eingestellt wurde.

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Auch Birkle-Klinik von Umsatzeinbruch bedroht

Eine weitere zum Klinikverbund gehörende Klinik ist die Überlinger Birkle-Klinik. Matthias H. Schindler ist auch hier, in der Fachklinik für Innere Medizin und Orthopädie, Geschäftsführer. Er zeigt die Fragen auf, die sich dem Unternehmen jetzt stellen. Erstens gelte es auch hier zu klären, wie man die Aufnahme von Akut-Patienten bewerkstelligt. Zweitens beschäftigt auch die Birkle-Klinik die Sorge vor massiven Umsatzeinbrüchen. Denn wenn, was absehbar ist, die Akut-Krankenhäuser planbare Operationen verschieben, gibt es keine Reha-Patienten mehr, für die ein Aufenthalt in der Birkle-Klinik infrage käme. Schindler, der die Aufgaben in der Krise entschlossen angeht, schließt mit einer positiven Feststellung: „Wir haben bislang keinen Corona-Fall in der Birkle-Klinik.“