Hässliche Skulpturen, die Touristen beim Eis essen betrachten müssen, ein zu dunkles Münster und eine schlechte Aussicht von den Menzinger Gärten auf die Stadt: An Überlingen gibt es scheinbar mehr auszusetzen, als manch Einheimischer bisher gedacht hätte. Das zeigen Online-Bewertungen zu den Sehenswürdigkeiten in der Stadt – auf Google oder Trip-Advisor halten viele Besucher mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg.

Die meisten Touristen, die nach Überlingen kommen, machen erst einmal eines: Über die Uferpromenade flanieren. Wer dachte, das sorge bei allen Neuankömmlingen für leuchtende Augen, täuscht. Ein Blick auf die Google-Bewertungen zeigt das Gegenteil. „Eine Promenade halt“, schreibt ein Tourist wenig beeindruckt. Viele Besucher stört es im Urlaub auch, auf ihresgleichen zu treffen: „Schön für Menschen, die auf den üblichen Tourismus abfahren. Die anderen sollten einen großen Bogen drum machen.“ Ähnlich sieht das ein anderer Nutzer: „Gastronomie, Eissalons, und auch Unterkünfte sind auf Billigtourismus ausgelegt. Massenpublikum beherrscht die Szene. Überlinger Bürger sind dort selten zu treffen.“

Lenk-Brunnen scheidet Geister

Insgesamt ist die Promenade aber sehr beliebt bei Urlaubern, von allen Online-Bewertungen geben auf der Bewertungsplattform Trip-Advisor 71 Prozent der Nutzer die Wertung „ausgezeichnet“, 21 Prozent sagen „sehr gut“ und lediglich acht Prozent finden die Promenade nur befriedigend. Für Abneigung sorgt bei manchen Besuchern auch der Brunnen mit dem Bodenseereiter. Bei Google gibt ein Nutzer nur einen von möglichen fünf Sternen und schreibt: „Einfach nur hässlich.“ Das sehen andere Touristen ähnlich: „Der Reiter selbst ist klasse dargestellt, auch die Idee, dass er von den Flossen der Nixen gestützt wird, ist super. Aber muss man den Rest der Figuren so hässlich machen? Man isst sein Eis und schaut auf die nackte Rückseite einer steinernen alten Frau. Das gefällt mir nicht.“

Der „Bodenseereiter“ kommt nicht bei allen Urlaubern gut an.
Der „Bodenseereiter“ kommt nicht bei allen Urlaubern gut an. | Bild: Hanspeter Walter

Andere geben sich versöhnlicher: „Naja – also eine Reise nach Überlingen einzig wegen dieses Brunnens lohnt sich wohl kaum. Aber da man sowieso unweigerlich am Landungsplatz landet, kommt man automatisch dran vorbei. Kunst ist halt Geschmackssache und schlimmstenfalls sieht man halt über den Brunnen hinweg.“ Es gibt aber auch Nutzer, die sich für den Brunnen begeistern können: Insgesamt geben die Internetnutzer dem Brunnen auf der Plattform Trip-Advisor vier Sterne. 48 Prozent sagen, er gefalle ihnen ausgezeichnet, lediglich zwei Prozent der Nutzer geben dem Bodenseereiter nur einen Stern. Keinen angenehmen Besuch hatte ein Urlauber im September 2018 im Münster St. Nikolaus. Er schreibt: „Die Kirche an sich bestach zunächst einmal durch wenig Licht in ihrem Inneren. Fazit: Bis auf die südlichen Seitenaltäre war mir alles zu dunkel.“ Die gotische Kirche bleibt aber weitgehend von Kritik verschont, viele Touristen auf Trip-Advisor geben ihr sogar fünf Sterne, 75 Prozent halten das Münster für ausgezeichnet, 25 Prozent für sehr gut. So ergeht es auch einem spanischen Touristen, der angesichts seines Kommentars wahrscheinlich aus einer Millionenstadt kommt: „Schöne Kirche in einem sehr hübschen Dorf.“

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Andere Überlinger Sehenswürdigkeiten bekommen ebenfalls einen ungeschönten Kommentar ab. Zu den Menzinger Gärten schreibt ein Nutzer „Aussicht geht so“ und hängt gleich ein Beweisfoto an. Das Städtische Museum Überlingen ist „nichts Besonderes, wie jedes andere Museum in einer kleinen Stadt“, es bekommt aber immerhin noch drei Sterne dafür. Auch hier wünscht sich manch ein Urlauber eine bessere Aussicht: „Ausblick auf die Altstadt – na ja, nicht der Brüller.“ Die geschichtsträchtige Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen kann nicht auf alle Touristen wirken: „Es gibt darin große, kalte, kahle Räume, die trotz interessanter Führung wenig beeindrucken.“ Ergebnis: zwei Sterne.

Die Teufelstreppe findet ein Nutzer „nett, aber kein Muss“. Die Franziskanerkirche ist zwar „klein aber fein“, mehr als einem Stern gibt der Nutzer trotzdem nicht.

„Klein aber fein“, schreibt ein Tourist über die Franziskanerkirche in Überlingen und gibt trotzdem bei der Bewertung nur einen von fünf möglichen Sternen. Warum es nicht für mehr Sterne gereicht hat, bleibt offen.
„Klein aber fein“, schreibt ein Tourist über die Franziskanerkirche in Überlingen und gibt trotzdem bei der Bewertung nur einen von fünf möglichen Sternen. Warum es nicht für mehr Sterne gereicht hat, bleibt offen. | Bild: Stefan Hilser

Insgesamt kommt Stadt gut weg

Und Überlingen an sich? „Überlingen ist eine wirklich schöne Stadt. Vielleicht ein wenig zu viel ‚Gardasee‘, fast nur italienische Restaurants“, resümiert ein Nutzer. Der Großteil der Urlauber hat allerdings eine bessere Meinung von der Stadt – fast alle Sehenswürdigkeiten bekommen im Internet eine Wertung von 4,5 oder mehr Sternen. Fünf volle Sterne bekommt zum Beispiel das Rathaus samt historischem Ratssaal, mit 4,7 Sternen kommt auch der Badgarten gut bei Touristen an. So schlimm scheint es dann doch nicht um Überlingen gestellt zu sein.

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Wer sich dagegen ernstlich Sorgen machen sollte: die Überlinger Polizei. Sie bekommt im Internet nur 3,2 Sterne zugedacht. Die einen sind mit der Arbeit der Beamten zufrieden: „Sofort erreichbar, sachlich, kompetent. Frei nach dem Motto: Polizei, dein Freund und Helfer.“ Andere sind weniger glücklich: „Dauert ewig, bis die Polizei im Sommer die Ruhestörung am Landungsplatz nach 24 Uhr unter Kontrolle bringt. Es wird toleriert, dass regelmäßig grölende Menschen mit lauter Musik bis 3 Uhr dort sitzen. Als Urlauber hat man in der ersten Reihe zwar Seeblick, kann aber nachts kein Auge zutun.“ Vielleicht sind die Touristen also einfach zu müde und verkennen deshalb die Schönheit der Stadt.