Raten Sie mal, wie viele Sonderbriefmarken im Jahr 2017 auf den Markt gekommen sind? Andere Frage: An welche können Sie sich erinnern? Wer oder was wurde damit gewürdigt? Leichtes Spiel hat, wer hier gleich an Luther denkt. Sogar eine Marke zur deutschen Bibelübersetzung gab es im Januar schon. Auch der Ottifant von Otto Waalkes wurde zum 50. Geburtstag geehrt oder Fix und Foxi oder Heinz Sielmann. Die deutsche G20-Präsidentschaft erschien glücklicherweise schon im März, posthum hätten Merkel und Scholz die Briefmarke wahrscheinlich gleich eingestampft. Bei 50 Sondermarken habe ich aufgehört zu zählen.

Dass der einstige CDU-Stadtrat und Galgenwirt Michael Jeckel schon 2012 eine Sonderbriefmarke zum Überlinger Stadtjubiläum ins Gespräch gebracht hatte, wissen heute nur noch wenige. Nachzulesen im Protokoll zur Ratssitzung vom 7. März 2012, Seite 19 von 19. Dass der Antrag vermutlich nie gestellt und aus dem anvisierten Termin 2017 nichts wurde, ist vielleicht gut so. Denn es wäre schwierig gewesen, die korrekte Jahreszahl draufzuschreiben.

In die Fußstapfen Jeckels begab sich nun CDU-Stadtrat Jörg Bohm und regte erneut eine Sonderbriefmarke 2020 an. Wer dabei allerdings gleich an den Jubiläumsnarrentag dachte, den der Viererbund dann feiern darf, lag falsch. Nein, zur Landesgartenschau Überlingen würde Bohm gerne eine Briefmarke in Umlauf bringen.

Ja, dazu habe er schon im Berliner Büro Riebsamen recherchieren lassen, tat Jörg Bohm kürzlich am Ratstisch kund. Da hätten sich zwei Optionen herauskristallisiert. Die Stadt könne kostenpflichtig eine selbst gestaltete Sonderbriefmarke in Auftrag geben. 1400 Euro zusätzlich zum Porto koste dies. Billiger käme eine Bewerbung beim Bundesfinanzministerium. Am weitesten oben platzieren könne sich, wer Prominenz in der Sache und/oder bei den Unterstützern vorweisen könne. Da sieht Bohm Überlingen gut aufgestellt, empfiehlt jedoch, am besten beide Wege parallel zu beschreiten. Über den Etat der Landesgartenschau, um sie 2019 in Umlauf zu bringen, oder eine Bewerbung beim Ministerium bis September 2018, um die Sondermarke bis 2020 realisieren zu können.

Nicht vergessen: Am heutigen 7. Dezember erscheint Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll mit gezacktem Rand. Doch wo bleibt Walser? Warum kümmert sich keiner um eine Walser-Briefmarke? Doch was soll's? In Zeiten von Twitter und Facebook, SMS und WhatsApp, E-Mail und Messenger sind Briefe und Postkarten deutlich im Ansehen gesunken. Allenfalls wäre es angezeigt, eine twitter-taugliche Uhu-Marke zu schaffen, die man sich aus der Cloud nach Belieben downloaden und einrahmen könnte. Digito ergo sum... Überlingen ist doch schon eine Marke!