Der erste Spatenstich wurde gesetzt, die Arbeiten am künftigen Landesgartenschaugelände im Überlinger Westen sind in vollem Gange. Zeit, sich auch ein touristisches Konzept für das Ausstellungsjahr 2020 und die Zeit danach zurechtzulegen, dachte sich die Kur und Touristik GmbH (KuT) und stellte das fünfte Überlinger Tourismusforum unter den Themenschwerpunkt LGS. "Tourismus ist ein wichtiger Bestandteil der Landesgartenschau", sagte LGS-Geschäftsführer Roland Leitner und versuchte die Hoteliers, Ferienwohnungsvermieter, Gastronomen und touristischen Anbieter im voll besetzten Konferenzsaal im Parkhotel St. Leonhard für das Großprojekt zu begeistern.

Auch Oberbürgermeisterin Sabine Becker betonte die rosigen Aussichten für die Fremdenverkehrsbetriebe: "Die Ausrichtung der Gartenschau wird ein Kraftakt, aber sie wird den Tourismus voranbringen." Ziel sei es, das Thema Natur und Gärten auch über die LGS hinaus zum Kernpunkt des Überlinger Tourismuskonzepts zu entwickeln.

Welche Auswirkung eine Gartenschau auf eine Region haben kann, erzählte Christine Bardon von der Touristikgemeinschaft Hohenlohe, die von ihren diesjährigen Erfahrungen mit der LGS in Öhringen berichtete. An Spitzentagen hätten 20 000 bis 30 000 Gäste das Gartenschaugelände besucht, insgesamt waren es 1,3 Millionen – und ein Großteil sei anschließend in den regionalen Gaststätten eingekehrt. "Die Gastronomen sind teilweise an ihre Grenzen gekommen." Auch die Hoteliers hätten stark von der LGS profitiert: Im Umkreis von 15 Kilometern sei der Besuch der Gartenschau als einer der häufigsten Übernachtungsgründe angegeben worden.

"Wir werden unsere Hausaufgaben machen"

Kein Wunder also, dass sich auch die Überlinger Touristiker auf 2020 freuen – und das, obwohl die Bilanz schon jetzt nach oben zeigt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Übernachtungen im Zeitraum von Januar bis Juli um 4,4 Prozent gestiegen, die der Anreisen um 3,5 Prozent (Campingplatz und Jugendherberge herausgerechnet). Auch wenn noch keine genauen Zahlen für August bis Oktober vorliegen, sei der Trend vielversprechend, sagte KuT-Geschäftsführer Jürgen Jankowiak. Bei der jetzt schon guten Lage, seien "die Potenziale nicht extrem, aber es ist wichtig, auf die lange Schiene zu schauen", sagte Gottfried Mayer, Lippertsreuter Ortsvorsteher und selbst Zimmervermieter: "Gerade wenn es gut läuft, darf man nicht vergessen, an die Zukunft zu denken."

Das sieht auch Andreas Liebich, Vorsitzender der Dehoga-Ortsgruppe, so. Die Hoteliers seien bereit, zu investieren. "Wir werden unsere Hausaufgaben machen." Er warnte mit Blick auf die Zahlen aber auch davor, den Bürgern zuviel zuzumuten, sieht die Gartenschau dennoch als große Chance. "Die Überlinger Gastronomen können ihre Leistungsfähigkeit demonstrieren", sagte der Wirt des Johanniter-Kreuzes. Zugleich forderte er aber auch einen externen Anbieter für das Ausstellungsgelände: "Der Ruf nach Currywurst und Pommes wird nicht abzustellen sein."

Externe Unterstützung wird die LGS 2020 auch von prominenter Seite bekommen: Die Blumeninsel Mainau will mit Überlingen kooperieren, wie deren Marketingleiter Franz Petzold erklärte. Wie die Zusammenarbeit im Detail aussehen wird, lasse sich heute noch nicht sagen. "Wir sind sehr früh dran", sagte Petzold. Denkbar wären Kombi-Angebote, etwa ein Zwei-Tages-Ticket, das an einem Tag den Eintritt auf die Mainau ermöglicht und am zweiten Tag auf das Gartenschaugelände in Überlingen. Davon würden dann auch die Schiffsbetreiber profitieren, sowohl die privaten als auch die BSB. Zusätzlich sei angedacht, dass es ein Stück Mainau in Überlingen geben wird sowie ein Stück LGS auf der Blumeninsel. Geht es nach Petzold, soll mit der LGS in Überlingen eine Initialzündung für den ganzen Bodenseeraum ausgehen. "Unser Anliegen ist es, dass die Gartenkultur auf die ganze Region ausstrahlt."


Ausgezeichneter Tourismus

Gleich zwei Mal wurde die Kur und Touristik Überlingen GmbH in den vergangenen Wochen ausgezeichnet. Der Deutsche Tourismusverband e.V. (DTV) hat die Tourist-Information Überlingen zum wiederholten Male mit der i-Marke ausgezeichnet. Das rote Hinweisschild mit dem „i“ belegt, dass die Tourist-Information in Überlingen eine geprüfte und vorbildliche Informationsstelle ist. Kontrolliert wurden unter anderem die Wegbeschreibung, die Barriefefreundlichkeit, die Qualität der Mitarbeiter sowie die touristischen Angebote.

Zudem wurde die Stadt Überlingen zum vierten Mal im Landeswettbewerb "Familien-Ferien" als besonders für Familien geeigneter Urlaubsort ausgezeichnet. Ausschlaggebnd hierfür waren verschiedene Angebote, wie beispielsweise der Haustierhof Reutemühle und das Kinderferienprogramm. Auch sechs Überlinger Anbieter von Ferienwohnungen, der Landgasthof Zum Adler in Lippertsreute und die Bodensee-Therme wurden als besonders familienfreundlich eingestuft.