Indische Tantralehre, Geisterbeschwörungen, unnütze Erfindungen, Computer-Wahnsinn und heimliche Leichentransporten: Darum dreht es sich in „Für die Familie kann man nichts“, eine rabenschwarze Komödie in drei Akten von Hans Schimmel, die sich die Theatergruppe Nesselwangen für dieses Jahr ausgesucht hat. Bei der Premiere im Dorfgemeinschaftshaus erlebte das Publikum einen Theaterabend voller Frohsinn und Heiterkeit. Es war die 27. Aufführung der Nesselwanger Laiendarsteller, die erstmals 1992 die Bühne betreten hatten.

Um was geht es in dem Lustspiel? Friedhelm Beierle hat einen anständigen Beruf und ein stets ordentliches Zuhause. Selbst bei seiner Steuererklärung ist immer alles korrekt. Nach jahrelanger Suche hat er seine Traumfrau gefunden, die seine Familie endlich kennenlernen möchte. Das ist jedoch alles andere als ein einfaches Unterfangen, denn die Familie ist in der Tat ungewöhnlich, ja katastrophal, für Chaos ist ständig gesorgt. „Ich bin der Einzige unseres Stammbaums, der ein normales Leben führt“, sagt Friedhelm, sozusagen das weiße Schaf.

"Das ist meine Verlobte", scheint Friedhelm Beierle (Hubert Kuczowski) über seine Auserwählte Doris Stüber (Ute Jäger, links) zu sagen. Daneben Willi Beierle (David Tylla) mit der "Leiche" Albert (Dieter Maike).
"Das ist meine Verlobte", scheint Friedhelm Beierle (Hubert Kuczowski) über seine Auserwählte Doris Stüber (Ute Jäger, links) zu sagen. Daneben Willi Beierle (David Tylla) mit der "Leiche" Albert (Dieter Maike). | Bild: Holger Kleinstück

Seine drei Geschwister treiben ihn regelmäßig an den Rand des Wahnsinns: So ist Hubbi ein nicht sehr begnadeter Erfinder mit einem Sprachfehler, der sich oft fatal auswirkt. Er erfindet Dinge, die niemand gebrauchen kann. Willi ist ein talentierter Computerspezialist, der sich auch mal in die PCs der Bundesregierung einhackt. Seine Schwester Hermine schwebt in übersinnlichen Sphären: Seit ihrem Indienurlaub stinkt sie dem Rest ihrer Familie ganz gewaltig, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie scheut das Waschwasser, sowohl für ihre Kleidung als auch für sich selbst. „Sie stinkt nicht, sondern produziert Pheromone“, drückt es Friedhelm aus. Hubbi sieht in dem Gestank den Vorteil, dass alle Fliegen des Hauses im Zimmer von Hermine sind, und erfindet einen Geruchsneutralisierer.

Hermine unternimmt im Übrigen nichts, ohne vorher die Karten, die Sterne oder den Kaffeesatz zu befragen. Bei einer Séance versucht sie, das Liebesleben ihrer Freundin Gundula und von Hausbesitzerin Gertrud Wollensiek vorauszusagen. „Geister der Unterwelt, kommt zu uns“, beschwört sie. Die ganze Situation eskaliert schließlich, als Willi einen Nebenjob als Leichenwagenfahrer annimmt und sein Fahrzeug durch eine Panne lahmgelegt wird. Da sich die Werkstatt weigert, das Fahrzeug mit „Inhalt“ zu reparieren, wird die Leiche kurzerhand in der Wohnung der Familie zwischengelagert. Da Friedhelm auf keinen Fall von dieser Aktion erfahren darf, wird die "Leiche" durch Stromstöße einfach zum „Leben“ erweckt...

Die "Leiche" Albert (Dieter Maike) wird abtransportiert, um sie vor dem Hausherrn zu verstecken.
Die "Leiche" Albert (Dieter Maike) wird abtransportiert, um sie vor dem Hausherrn zu verstecken. | Bild: Holger Kleinstück

Das Publikum belohnte die Laiendarstellen mit vielfachem Szenenapplaus und am Ende mit lang anhaltendem Beifall.

Verein und Akteure

  • Der Verein: 1991 wurde in Nesselwangen eine Theatergruppe ins Leben gerufen. Die Laiendarsteller traten erstmals 1992 mit „Der störrische Brautvater“ im damals neuen Dorfgemeinschaftshaus auf. 1998 wurde der Verein Theatergruppe Nesselwangen gegründet. Zuletzt überzeugten die Akteure mit „Die Moral ist beim Teufel“ und „Endlich sind die Weiber fort“. Die Gruppe hat das Glück, auch Nebenrollen gut besetzen zu können; viele der Darsteller sind bereits seit Jahren aktiv dabei.
  • Die Akteure: Friedhelm Beierle (Hubert Kuczkowski), Hermine Beierle (Beate Frei), Willi Beierle (David Tylla), Hubert „Hubbi“ Beierle (Johannes Schlaak), Doris Stüber (Ute Jäger), Gundula Strauß (Petra Bischoff), Gertrud Wollensiek (Sandra Bischoff), Traudel Siebert (Martina Huber), Gerd Hollerbichl (Jörg Kossin), die Leiche Albert (Dieter Maike). Souffleurin: Eva Maria Straub; Bühnen- und Kulissenbau: Edwin Bischoff; Technik: Hans Peter Straub; Bühnengestaltung: Heinz Auferodt.