An die Ursprünge des Christentums als Städtereligion erinnerte der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel bei seiner Ansprache, die er am Sonntag beim ökumenischen Gottesdienst im Münster anlässlich des 1250. Stadtjubiläums hielt. Dessen Thema lautete „Suchet der Stadt Bestes“, ein Satz aus dem alttestamentlichen Buch Jeremia. Den Gottesdienst gestalteten, neben dem „Hausherrn“, dem katholischen Stadtpfarrer Bernd Walter, die evangelische Dekanin Regine Klusmann, Pastor Rouven Bürkle von der evangelisch-methodistischen Kirche, Pastor Daniel Plessing von der Freikirche Lindenwiese und Karl-Heinz Hübner von der neuapostolischen Kirche.

Stadtpfarrer Walter: in „ökumenischer Verbundenheit“ feiern

Diese Glaubensgemeinschaften werden sich auch auf dem ökumenischen Kirchenschiff präsentieren, das während der diesjährigen Landesgartenschau in Überlingen vor Anker liegen wird.
Stadtpfarrer Bernd Walter sagte, er freue sich, dass man in „ökumenischer Verbundenheit“ feiere – und zwar „im Münster als Wahrzeichen der Stadt“.

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Letzteres war gut besucht, auch wenn einige Plätze frei blieben. Für die musikalische Begleitung zeichneten sich die katholische Kirchenmusikdirektorin Melanie Jäger-Waldau an der Orgel und der evangelische Bezirkskantor Thomas Rink verantwortlich.

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„Ja, im Münster spricht heute der Teufel“, kündigte Pfarrer Walter launig den ehemaligen Ministerpräsidenten an. Von diesem Teufel jedoch, der bis 2008 Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken war und nach seiner Amtszeit einige Semester in München an der kirchlichen Hochschule für Philosophie studierte, ging natürlich keine Gefahr fürs Seelenheil aus. Teufel spannte einen weiten Bogen. Zuerst zollte er den vergangenen Generationen Respekt, die die Stadt aufgebaut und immer wieder verteidigt hatten. Bei seinem Blick in die Geschichte erinnerte Teufel, Jahrgang 1939, besonders an die Opfer der beiden Weltkriege und die Entwicklung der Demokratie in Deutschland sowie die europäische Einigung nach 1945.

Erwin Teufel: „Verantwortung vor den Mitmenschen und Gott“

Die Präambel des deutschen Grundgesetzes halte fest, „dass wir eine Verantwortung haben vor den Mitmenschen und eine Letztverantwortung vor Gott“. Teufel betonte, ihm seien drei Dinge ganz wichtig: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Subsidiarität. Das Subsidiaritätsprinzip, das besagt, dass eine Aufgabe zunächst von der kleinsten Einheit übernommen und nur, wenn nötig, an eine höhere übertragen wird, sei erstmals 1931 in einer päpstlichen Enzyklika erwähnt worden. So lautet auch Teufels Credo: „Man baut den Staat von unten nach oben auf und nicht umgekehrt!“ Das gilt dann natürlich ebenso für die Europäische Union, die laut Teufel Nationalstaaten nicht überflüssig macht. „Europa ist für mich zuerst eine Friedensgemeinschaft“, sagte er und betonte: „Das müssen wir bewahren.“

Das Überlinger Münster war beim Gottesdienst, der die Jubiläumsfeierlichkeiten 2020 einläutete, gut besucht, auch wenn einige Plätze frei blieben.
Das Überlinger Münster war beim Gottesdienst, der die Jubiläumsfeierlichkeiten 2020 einläutete, gut besucht, auch wenn einige Plätze frei blieben. | Bild: Baur, Martin

Kirchen sollen in Städten bleiben und offen zugänglich sein

Teufel schaute aber auch ganz weit zurück in die Historie und hob hervor, dass sich das Christentum zuerst in den Städten des Mittelmeerraums ausgebreitet habe. „Die Sorge um die Armen bleibt eine ganz wichtige und zentrale christliche Aufgabe in der Stadt“, unterstrich Teufel besonders. Eine Stadt müsse ihren Bürgern auch Heimat bieten, das gelte insbesondere für die Kirchengemeinden. Das Münster sei „ein großartiger Mittelpunkt dieser Stadt“ und ein „Erinnern an Gott“. Teufel appellierte, Kirchen müssten in den Städten bleiben – und tagsüber offen zugänglich sein.