Realschule

Schulleiterin Karin Broszat hält es für "wünschenswert, dass junge Menschen sich für gesellschaftliche Fragestellungen interessieren und Mittel und Wege finden, sich für eine ihnen wichtige Angelegenheit zu engagieren." Dazu gehöre auch die Möglichkeit zur Demonstration. "Zum Problem wird es jedoch, wenn Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden", so Broszat. Für sie sei aus zwei Gründen klar, dass die Demos außerhalb der Unterrichtszeit und außerhalb der Schule stattfinden müssten: "Zum einen besteht die Schulpflicht und die ist nicht verhandelbar", so Broszat. "Zum anderen besteht für Schulen das Neutralitätsgebot. Die Schulleitung darf nicht einerseits die Teilnahme an einer Demonstration während der Schulzeit für Klimaschutz erlauben, um dann die Teilnahme an einer anderen, deren Intention ihr nicht so gefällt, zu verbieten." Die Schulleiterin wundere sich auch, "wie bei klarer und verständlicher Rechts- und Gesetzeslage viele Erwachsene, gerade auch in verantwortlichen Positionen und die es eigentlich besser wissen müssten, sich quasi aus Furcht vor Auseinandersetzungen wegducken und die Klarstellung scheuen". Wer die Schule schwänzt, um zu protestieren, muss an der Realschule nachsitzen und den Unterrichtsstoff nachholen. "Darüber hinaus hat wiederholt unerlaubtes Fernbleiben vom Unterricht seit jeher weitere und dann auch schwerwiegendere Konsequenzen."

Karin Broszat, Schulleiterin der Realschule: "Zum Problem wird es, wenn Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden."
Karin Broszat, Schulleiterin der Realschule: "Zum Problem wird es, wenn Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden." | Bild: Erwin Niederer
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Gymnasium

Schulleiter Hans Weber betont, dass er das "demokratische politische Engagement" der Schüler sehr begrüße. Die politischen Entscheidungsträger müssten verbindliche effiziente Maßnahmen zum Klimaschutz beschließen. "Ansonsten werden sie künftige Wählerinnen und Wähler verlieren und unseren Planeten weiter gefährden." Um etwas an der aktuellen Situation zu ändern, reichten Demonstrationen aus seiner Sicht nicht aus. "Daneben wird es weiterer Maßnahmen bedürfen, allen voran das eigene beispielgebende Verhalten. Den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, dient der Glaubwürdigkeit und dem Klimaschutz." Weber erhofft sich, dass sich seine Schüler selbst in politischen Parteien und Verbänden engagieren, um an Lösungen mitzuarbeiten. "Auch vom Jugendgemeinderat erwarte ich mir Vorschläge für unsere Stadt Überlingen." Dass die Schüler während der Unterrichtszeit auf die Straße gehen, sieht er ambivalent: "Einerseits bringt ihnen genau dies eine erhöhte Aufmerksamkeit, die sie und das Thema offenbar benötigen. Andererseits gilt selbstverständlich die Schulpflicht und ich kann niemand für die Demonstration beurlauben." Auch wenn er die demonstrierenden Schüler bislang als "sehr verantwortungsbewusst" erlebt habe, müssen diese mit Konsequenzen rechnen, wenn sie den Untericht schwänzen: Es gibt einen Eintrag im Tagebuch und der Unterrichtsstoff muss nachgeholt werden. Außerdem: "Sollte eine Klassenarbeit versäumt werden, führt dies zur Note „ungenügend“. Sollten Schülerinnen und Schüler mehrfach oder gar regelmäßig freitags während der Unterrichtszeit demonstrieren, bedürfte es weiterer pädagogischer Maßnahmen."

Hans Weber, Schulleiter am Gymnasium: "Den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, dient der Glaubwürdigkeit und dem Klimaschutz."
Hans Weber, Schulleiter am Gymnasium: "Den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, dient der Glaubwürdigkeit und dem Klimaschutz." | Bild: Hilser, Stefan
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Wiestorschule

"Grundsätzlich finden wir es absolut richtig und wichtig, dass junge Menschen sich bei einem derart existenziellen Thema lautstark zu Wort melden", sagen Schulleiter Jürgen Mattmann und Konrektorin Irmgard Maier. "Falsch läuft unseres Erachtens, dass in der Öffentlichkeit die Diskussion um die Schulpflicht und die Demonstrationsfreiheit zunehmend den größeren Raum einnimmt als die eigentliche, unsere Zukunft bedrohende Problematik." Bislang habe man sich noch keine Gedanken über Sanktionen gemacht, da die Schule noch keine Fehlzeiten von Schülern registriert habe. Das Thema Klimaschutz werde sowohl im und auch außerhalb des Unterrichts ausgiebig besporchen. "Allerdings muss eine Diskussion auch selbstkritisch erfolgen, also mit der Fragestellung: Was können wir alle – jeder Einzelne und nicht nur die Politiker – zur Gesundheit unseres Planeten beitragen?" Außerdem sehen Mattmann und Maier weniger die Schulen, als die Eltern in der Pflicht. Zuhause müsste die Thematik besprochen werden. Und vor allem wünschen sich die Schulleiter, von den Eltern informiert zu werden, wenn deren Kinder während der Unterrichtszeit demonstrieren gehen. Wenn diesen nämlich etwas zustoße, "dann beginnen die rechtlichen Diskussionen um Aufsichtspflicht, Verantwortlichkeiten und Haftung – und auch dies würde von der eigentlichen Thematik und Problematik ablenken."

Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule: "Falsch läuft unseres Erachtens, dass in der Öffentlichkeit die Diskussion um die Schulpflicht und die Demonstrationsfreiheit zunehmend den größeren Raum einnimmt als die eigentliche, unsere Zukunft bedrohende Problematik."
Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule: "Falsch läuft unseres Erachtens, dass in der Öffentlichkeit die Diskussion um die Schulpflicht und die Demonstrationsfreiheit zunehmend den größeren Raum einnimmt als die eigentliche, unsere Zukunft bedrohende Problematik." | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Waldorfschule

Aufgrund einer schulinternen Konferenz konnte die Schule die Fragen bis Redaktionsschluss nicht beantworten.