Überlingen/Salem – Warum klappern Störche mit dem Schnabel? Das ist doch klar, denken wir Erwachsene. Sie begrüßen sich mit dem Geklapper. Das ist richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Sie klappern auch, um Feinde abzuwehren. Das berichtete Sylvia Altheimer, Mitarbeiterin am Affenberg Salem, die dort für die Betreuung der Weißstörche zuständig ist.

Die Biologin steht bei einem Interview mit Kindern des Heims Linzgau Rede und Antwort. Das Interview, das auch auf Video aufgezeichnet wurde, findet an einem besonderen Ort statt, einem Segelboot auf dem Bodensee, auf der „Seemops“. Und es sind eben diese Kinderfrage, die das Interview so lebhaft machen.

Die elfjährige Jessica, die diesmal als Chefreporterin fungieren darf, löchert ihre Gesprächspartnerin Altheimer mit vielen Fragen rund um den großen Vogel. Wie weit können Störche fliegen, was fressen sie, und wie erkennt sie, ob es sich bei einer besonders großen Feder, die Jessica auf der Straße gefunden hat, um eine Storchenfeder handelt?

Das Interview ist Teil der Serie „Seegespräche“, das in Zusammenarbeit von Linzgau, Verein „Rückenwind“ und SÜDKURIER-Redaktion in unregelmäßigen Abständen auf dem See stattfindet. Bisherige Gesprächspartner waren Oberbürgermeister Jan Zeitler und Gastwirt Michael Reutlinger. Die Idee dahinter lautet, den Kindern, die nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens stehen, Aufmerksamkeit auf einer sonnenbeschienenen Bühne zu bieten und zugleich Medienkompetenz zu vermitteln.

Altheimer ist Diplom-Biologin, sie wuchs in Meersburg auf und studierte in Konstanz. Nach dem Studium arbeitete in und reiste durch Australien, bevor sie ab 2020 mit ihrer Arbeit am Affenberg begann. Auf die Frage der elfjährigen Jessica, ob es sich bei den Störchen um ihre Lieblingstiere handle, antwortete Altheimer, dass sie alle Tiere liebe, jedes wegen seiner ganz besonderen Eigenschaften. Aber ihre beiden Hunde, verriet die Biologin, hat sie noch ein bisschen lieber, „weil sie mich jeden Tag zum Lachen bringen“.

Anhand der Form des Federkiels analysierte Altheimer, dass es sich bei der von Jessica gefundenen Feder nicht um eine Schwungfeder, sondern um eine weiter hinten am Körper anliegende Feder handelt. Mit großer Wahrscheinlichkeit handle es sich tatsächlich um eine Storchenfeder. Sie ist schwarz gefärbt, denkbar sei es deshalb auch, dass es sich um eine Feder des hierzulande selteneren Schwarzstorchs handelt. Die Weißstörche, berichtete Altheimer, waren in Baden-Württemberg in den 70-er Jahren fast ausgestorben. 1975 habe es nur noch 15 Brutpaare gegeben. Nicht zuletzt wegen des Aufzuchtprogramms am Affenberg leben mittlerweile wieder über 800 Brutpaare in Baden-Württemberg. Das entspreche zwar noch nicht dem früheren Bestand. „Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Jessica wollte wissen, warum der Schnabel eines jungen Storchs nicht rot, sondern schwarz ist. Das, antwortete Altheimer, werde von der Natur hormonell gesteuert, um Signalfarben von den nicht wehrhaften Jungvögeln fern zu halten. Erst mit der Geschlechtsreife verfärbe sich der Schnabel, so dass man einen einjährigen und bereits ausgewachsenen Storch immer noch gut von den Altvögeln unterscheiden könne. Altheimer schwärmte davon, wie gut die Störche segeln können. Eigentlich ginge ihnen nach maximal 20 Minuten im Flatterflug die Kraft aus. „Das ist sehr anstrengend.“ Doch im Aufwind schwingen sich die Vögel in Höhen von 2000 Metern und segeln von einem Thermikschlauch zum nächsten. „So können sie fast den ganzen Tag fliegen.“

Die Kinder vom Kinder- und Jugendhilfeverein Linzgau haben das Interview gefilmt. Einfach hier klicken.