Diesmal am und nicht im Kapuziner, im eigens dafür errichteten Glaspavillon. Von Weigelt wird Sulke an diesem Abend als eine der Musiklegenden Deutschlands vorgestellt. Auf der Bühne zeigt sich Sulke dann ganz bescheiden – trotz aller Erfolge, bedankt sich links und rechts fürs Kommen. Der 74-Jährige muss angesichts des anhaltenden Applauses schmunzeln. Bei seinem Publikum, das teils aus der Schweiz für dieses Konzert angereist ist, darf er sich wieder reichlich Vorschusslorbeeren abholen – wie schon in den Jahren zuvor.

Auf der Bühne im Glaspavillon stehen schon Flügel, Keyboard und Gitarre bereit. Sulke setzt sich an das Keyboard und stimmt "Du lieber Gott/ Komm doch mal runter..." an. Der 74-Jährige ist der große Poet der 70er- und 80er-Jahre. Über die Jahrzehnte haben seine Lieder Kultstatus erlangt. Künstler wie Herbert Grönemeyer wollen sie unbedingt singen. Sulke spricht in Überlingen über die Titel, die bei Konzerten immer wieder von ihm verlangt werden. Eine Dame aus der Schweiz hatte vor dem Abend extra eine E-Mail an ihn geschrieben. "Bist wunderbar" wünschte sie sich von ihm. Liedermacher Sulke kommt dem Bitten der Besucherin gerne nach. Der 74-Jährige ist einerseits ausgelassen, wenn er Amüsantes erzählt, oder einen seiner neueren Songs präsentiert: beispielsweise "Edelmetallalter" vom Album "Liebe ist nichts für Anfänger" aus dem Jahr 2017.

Anderseits wirkt Sulke nachdenklich und voller Schmerz in Anbetracht von Textzeilen wie "Wann wird die Farbe meiner Haut nicht mehr zum Grenzstein aufgebaut...". Dann sprechen nicht nur seine weise gewählten Sprachbilder, sondern auch sein Körper vermittelt eine Botschaft. Sulke verzieht das Gesicht, seine Gliedmaßen wirken schlaff. Gegen die Scheiben des Glaspavillons prasseln passend Regentropfen. "Es gibt Dinge, die mich immer wieder beschäftigen", sagt der 74-Jährige. Das Publikum geht diese Reise mit. Immer wieder wird geseufzt oder Zwischenapplaus für Sulke gespendet. Bei "Uschi (mach kein Quatsch)" singt eine Gruppe Frauen lautstark mit. Wer sich Videos von Auftritten aus den 70ern und 80ern anschaut, merkt, dass sich Sulkes Stimme verändert hat. Das R rollt er immer noch so stark. Aber die hohen Töne sind anders geworden – ganz kommt er nicht mehr hin. Andere Bereiche haben dafür an Tiefe gewonnen. Für den Liedermacher gehören diese Veränderungen aber dazu. Immer wieder spricht er über sein Alter. Ein Problem hat er damit augenscheinlich nicht. Mit den Zugaben "Lotte" und "Der Mann aus Russland" verabschiedet sich Sulke aus Überlingen. Bis nächstes Jahr, mag man sagen.