Ein Freitagnachmittag Anfang Mai. Das Wetter ist sonnig, aber kühl. Es sind weder Ferien noch ein langes Wochenende. Trotzdem ist der Wohnmobilstellplatz am Überlinger Krankenhaus bereits am frühen Mittag gut belegt, am Abend gänzlich voll. Spät anreisende Mobile weichen auf den angeschlossenen Parkplatz aus. Die angrenzende große Wiese, die bisher als Ausweichstellplatz für Wohnmobile diente, ist komplett eingezäunt und abgesperrt. Dort türmen sich riesige Erdhaufen und ein einsamer Bagger zieht laut scheppernd seine Runden. Überall weisen Schilder daraufhin, dass ein neuer Lebensmittelmarkt entstehen soll und dass Mitte Juni ein neuer Reisemobilhafen zur Verfügung stehen werde.

Der bestehende Stellplatz zeigt sich karg und ungemütlich. Schattenspendende Bäume fehlen. "Wo sind denn die Bäume hin?", fragt Sylvi Engel, gleich nachdem sie und ihr Mann Billi ihr Wohnmobil geparkt haben. Das Ehepaar aus Reutlingen war schon öfters für kurze Auszeiten auf dem Stellplatz. Nachdem sie erfahren haben, dass hier ein Einkaufsmarkt gebaut wird, äußern sie sich kritisch. Sie befürchten einen erhöhten Lärmpegel – sowohl durch den Straßenverkehr als auch durch Jugendliche, die dort nachts eventuell betrunken ihr Unwesen treiben könnten. Schon vergangenes Jahr hatten sie Gerüchte über den Neubau gehört. "Früher war es hier richtig idyllisch", beschreiben sie den vorherigen Zustand. "Überall standen Bäume und der Ausblick auf die Obstbäume und Wiesen hat uns gut gefallen."

Billi und Sylvi Engel kommen öfter nach Überlingen. Momentan vermissen sie die fehlenden schattenspenden Bäume. Bild: Lorna Komm
Billi und Sylvi Engel kommen öfter nach Überlingen. Momentan vermissen sie die fehlenden schattenspenden Bäume. Bild: Lorna Komm

Ihr Wunsch an die Stadt ist es, dass auf dem neuen Platz auch bald wieder große, schattenspendende Bäume gepflanzt werden. Sie akzeptieren den momentanen Zustand zwar, wundern sich aber doch darüber, dass sie den vollen, höheren Preis für die Saisonzeit entrichten müssen. Zudem befürchten sie, dass der neue Reisemobilhafen zu klein wird. Oft waren sie in der Hochsaison in Überlingen und wissen, dass zu den Zeiten auch die Wiese voll belegt war.

Sie werden sich das Areal ansehen, wenn alles fertiggestellt ist und dann entscheiden, ob sie weiterhin Stammgäste in Überlingen sein werden. Im Gegensatz zu dem Reutlinger Ehepaar, das es "grausig" findet, dass ein großer Supermarkt direkt neben dem Stellplatz entstehen soll, freut sich das Biberacher Ehepaar Walter und Ute Vonier sehr darüber. Die beiden sind ebenfalls Stammgäste auf dem Überlinger Wohnmobilstellplatz. Den Rentnern käme es sehr gelegen, wenn sie ihre Einkäufe vor Ort erledigen könnten und sie würden sich freuen, wenn auch ein kleiner Imbissstand angeschlossen wäre. In ihrem VW Bus kochen sie nicht groß und wenn sie nur übers Wochenende unterwegs seien, würden sie gerne kostengünstige Kleinigkeiten in örtlichen gastronomischen Betrieben essen. Obwohl sie schon mehrmals in Überlingen waren, ist ihnen nicht aufgefallen, dass die "Härlen-Stube" im Krankenhaus mit einem Aushang im Kassenhäuschen dafür wirbt, auch für die Wohnmobilfahrer offen zu stehen. Ansonsten sind sie mit dem Platz und seinen Gegebenheiten sehr zufrieden. Insbesondere die neu erstellte Toilettenanlage gefällt ihnen sehr gut. Selbstverständlich hätten sie eine Toilette an Bord, doch da der Platz in ihrem Bus nicht so üppig sei, griffen sie gerne mal auf die öffentliche Möglichkeit zurück.

Das Ehepaar Walter und Ute Vonier aus Biberach genießt die Sonne auf dem Stellplatz in Überlingen. Bild: Lorna Komm
Das Ehepaar Walter und Ute Vonier aus Biberach genießt die Sonne auf dem Stellplatz in Überlingen. Bild: Lorna Komm | Bild: Lorna Komm

Einig waren sich beide Ehepaare über die gute Anbindung des Platzes an den Stadtbus. Mit Erwerb des Parktickets haben die Urlauber die Möglichkeit, kostenlos mit dem Bus an den Landungsplatz und zurück zu fahren. Billi Engel betonte dabei, dass er Überlingen in dieser Beziehung Meersburg vorzöge, da der Überlinger Bus bis etwa 22 Uhr fahre, während in Meersburg schon um 19 Uhr Schluss sei.

Negativ äußerte sich ein Wuppertaler Wohnmobilfahrer, der nicht namentlich genannt werden möchte, über die Entsorgungsstation. Diese ist direkt an dem Verbindungsweg zwischen den Parkplätzen gelegen. Beim Wasser tanken und Schmutzwasser entsorgen stehe man auf der Straße. Mit seinem großen Mobil könne er schlecht ranfahren. Manchmal blockierten parkende Autos die Zufahrt. Aus diesem Grund nutze er Überlingen nur als Tagesparkplatz, wenn er am Bodensee sei. Sollte sich die Stadt bei dem neu zu erstellenden Stellplatz eine bessere Möglichkeit einfallen lassen, könne er sich vorstellen, durchaus länger in Überlingen zu verweilen.

Neuer Womo-Stellplatz

Innerhalb der nächsten vier Wochen wird ein neuer Wohnmobil-Stellplatz mit 42 Stellplätzen auf der bisherigen Ausweichfläche gebaut. In den Plänen sind großkronige Bäume eingezeichnet, aber auch eine Entsorgungsstation mitten im Gelände. Dirk Diestel, Reisejournalist aus Überlingen, auf dessen Anregung hin ein Platz vor 17 Jahren gebaut wurde, warnt davor, die Entsorgungsstation mitten im Gelände zu platzieren, wegen Geruch und Lärm. 42 Plätze seien zu wenig, eine Ausweichfläche sei auch künftig nötig mit dann bis zu 100 Plätzen, die bisher zeitweise schon nicht gereicht hätten. Diestel bot der Stadtverwaltung seine Beratung und Unterstützung als erfahrener Wohnmobilist und Platz-Tester an, bislang ohne Reaktion, wie er feststellt. (shi)

Wegen der Vorbereitungen für den zukünftigen Lebensmittelmarkt, ist die Zufahrt auf die Wiese gesperrt. Bild: Lorna Komm
Wegen der Vorbereitungen für den zukünftigen Lebensmittelmarkt, ist die Zufahrt auf die Wiese gesperrt. Bild: Lorna Komm