Die Apfelernte beginnt – und das deutlich früher als normalerweise. "Wir sind der üblichen Erntezeit knapp zwei Wochen voraus", sagt Egon Treyer, Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Bodensee in Friedrichshafen. In ihr sind viele Obsterzeuger am Bodensee organisiert und koordinieren Reife- und Erntezeitpunkte. Während die Frühsorten schon seit zwei Wochen geerntet werden, beginnt die Haupternte am Montag und dauert vermutlich bis Ende Oktober oder Anfang November – auch das wäre früher als sonst.

Klaus Schäfler, Obstbauer aus Uhldingen-Mühlhofen, baut auf 33 Hektar Äpfel an und erwartet "eine gute Ernte" – wenn auch mit Abstrichen. Je nach Standort hat die Dürre diesen Sommer der Größe der Früchte geschadet: Hauptsächlich Böden, durch die Kiesadern verlaufen, sind betroffen, da sie viel weniger Wasser speichern können. Die Bäume dort hätten eigentlich bewässert werden müssen – doch durfte wegen der Trockenheit dazu kein Wasser aus den Leitungen entnommen werden. Aus Quellen auf den eigenen Grundstücken konnte Schäfler immerhin ein Drittel der Pflanzen bewässern.

Prognosen mehrfach korrigiert

Die Experten der Marktgemeinschaft Bodensee sind zur Zeit den ganzen Tag unterwegs bei den Erzeugern, um Äpfel zu vermessen und deren Umfang zu bestimmen, damit möglichst genaue Prognosen über die Erntemenge erstellt werden können. Diese Prognosen mussten in den vergangenen Wochen immer wieder etwas nach unten korrigiert werden. "Die Früchte wachsen allein im August normalerweise um vier bis fünf Millimeter", erklärt Klaus Schäfler. Dieses Jahr seien es lediglich ein bis zwei Millimeter gewesen, was die Erntemenge um einige Prozent verringert.

Die Prognosen sind wichtig zur Abstimmung zwischen verschiedenen Anbaugebieten in ganz Europa. Viele erwarten laut Treyer eine "üppige Ernte" – was wiederum für die Erzeuger am Bodensee bedeutet, nur die besten Früchte als Tafelobst auszuweisen, um gegen die internationale Konkurrenz bestehen zu können. Alle anderen Äpfel, rät Treyer, sollten zum Beispiel an Kellereien zur Saftproduktion verkauft werden.

Anpassung an Umweltereignisse

Gemeinsam mit seinem Sohn Claudio, der gerade die Ausbildung zum Obstbauern abgeschlossen hat, blickt Klaus Schäfler immer mehr in die Zukunft: "Man macht sich Gedanken aufgrund des Klimawandels. Deswegen hat die Suche nach weiteren Wasserquellen auf unseren Grundstücken Priorität." Generell wird die Vorbereitung auf neue Wetterverhältnisse für die Obstbauern der Region immer wichtiger. "Seit vielen Jahren ist unser gesamter Bestand von Hagelnetzen geschützt", erzählt Schäfler. Aber auch die müssen irgendwann ausgetauscht werden. Und besonders problematisch wird es, wenn es zum falschen Zeitpunkt Frost gibt – wie vergangenes Jahr. Damals konnte Schäfler nur ein Drittel der üblichen Menge ernten.

Obstbauer Klaus Schäfler und Sohn Claudio treffen die letzten Vorbereitungen.
Obstbauer Klaus Schäfler und Sohn Claudio treffen die letzten Vorbereitungen. | Bild: Andreas Strobel

Dieses Jahr sieht es dagegen deutlich besser aus. Denn zumindest einen Vorteil hat die Trockenheit mit sich gebracht: "Durch die Wärme sind die Zuckerwerte sehr gut", sagt Schäfler und Egon Treyer bestätigt: "Die Früchte haben einen außergewöhnlichen Geschmack." Und auch die Farbe der Früchte, die lange schwach war, hat sich in den zurückliegenden Tagen gut entwickelt.

Hoffnung auf faire Preise

Klaus Schäfler hofft jetzt darauf, dass die Preise nicht zu niedrig ausfallen. Egon Treyer ist zuversichtlichf, dass sich die Supermärkte nicht auf einen Preiskampf einlassen: "Wir sehen da inzwischen eine große Vernunft, was Lebensmittel betrifft." Die Nachfrage könnte aber auch aus einem ganz anderen Grund geringer ausfallen. Einen frischen Apfel müssten die Menschen dieses Jahr nicht unbedingt kaufen, sagt Treyer: "Durch das Wetter gibt es jetzt, anders als im letzten Jahr, ein viel größeres Angebot in den eigenen Hinterhöfen."

Dieser Apfel wird es nicht in den Supermarkt schaffen: Er hat einen Sonnenbrand.
Dieser Apfel wird es nicht in den Supermarkt schaffen: Er hat einen Sonnenbrand. | Bild: Andreas Strobel

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