Wie Kulturamtsleiter Michael Brunner bei der Pressekonferenz im Rathaus betonte, habe es in Baden-Württemberg seit 1989 keine große Ausstellung über Leben und Werk von Salvador Dalíi mehr gegeben. Die Sonderschau über "Monster und Geister vom Mittelalter bis heute" zeige mit einer Vielzahl an Bildwerken und Dokumenten die höchst rätselhafte und durchaus etwas unheimliche Geschichte von Poltergeistern, Werwölfen, Teufelserscheinungen und anderen übersinnlichen Erscheinungen auf, historisch dokumentiert und aktuell wissenschaftlich aufgearbeitet. Peter Graubach, Leiter des Städtischen Museums, setze wieder alles daran, die historischen Gemächer dem Thema entsprechend atmosphärisch zu verändern. Auch habe ihm ein Schweizer Parapsychologe versichert, dass sich dort eh schon einige Geister herumtrieben, gutmütige allerdings, was sich sicherlich auf die Authentizität der Sonderschau "begeisternd" auswirken wird! Auch die Räumlichkeiten der Städtischen Galerie Fauler Pelz seien für die Dalí-Ausstellung mit großem Aufwand völlig neu gestaltet worden, so Michael Brunner. Regionaldirektor Reinhard Haas von der Sparkasse Bodensee zeigte sich von den beiden Ausstellungen begeistert und sagt, dass man sich wieder als Sponsor einbringe.

Nosferatu, 1924: Szenenfoto aus Murnaus „Symphonie des Grauens“.
Nosferatu, 1924: Szenenfoto aus Murnaus „Symphonie des Grauens“. | Bild: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden / Städtisches Kulturamt Überlingen

400 Exponate von Salvador Dalí

Mit insgesamt 400 Ausstellungsstücken, Grafiken, Skulpturen, Fotos, Objekten, Kleidungsstücken, Dokumenten, einem Film und einer überlebensgroßen Figur, der Meister thronend auf einem Sessel, wolle man Dalí umfassend präsentieren, Leben und Werk transparent machen, vor allem das biografische Moment in den Mittelpunkt stellen, so der Kulturamtsleiter Michael Brunner. Als schillernde Künstlerpersönlichkeit, provokant, egozentrisch und mit einem maßlosen Sendungsbewusstsein ausgestattet ist er die schillernde Gallionsfigur des Surrealismus. Seine Bilder zeigen skurrile Traumwelten voller wundersamer Fantasiegestalten und symbolhafter Szenerien sind handwerklich virtuos gearbeitet. Er selbst bezeichnet sich als der größte Maler aller Zeiten. Der zweite: Velázquez. Dalís Gesamtwerk bewegt sich zwischen Kunst, Kommerz und Kitsch, eine Fundgrube für jeden Kunstliebhaber. 25 großformatige Infotafeln leiten den Besucher durch die Ausstellung. Es wird pro Woche mindestens vier Führungen geben. Kuratiert wurde die Ausstellung von Michael Imhof, Kunsthistoriker aus Fulda, Sammler und fundierter Dalikenner. Die Herausgabe eines Ausstellungskataloges scheiterte an rechtlichen Auflagen.

Michael Brunner mit dem historischen Werk über außergewöhnliche Phänomene aus dem Jahre 1670.
Michael Brunner mit dem historischen Werk über außergewöhnliche Phänomene aus dem Jahre 1670. | Bild: Erwin Niederer

Neben Bregenz und Lindau reihe sich nun auch Überlingen ein in die höchst attraktive Kunstmeile entlang des Bodensees mit spektakulären Events von progressiv bis klassisch, so Oberbürgermeister Jan Zeitler. Schließlich müsse man den 700.000 Gästen jährlich hier in unserer Stadt etwas bieten, der "Faule Pelz" und das Museum seinen äußerst attraktive Adressen.

Glaube an Dämonen weit verbreitet

Wenn man weiß, dass heute noch in 30 Ländern dieser Erde Menschen als Hexen verfolgt werden, dass der Glaube an Geister und Dämonen weit verbreitet ist, auch hierzulande, und dass die katholische Kirche aktuell noch Exorzisten ausbildet, Satan als real existierenden Antichristen und die Verkörperung des Bösen nach den Vorgaben aus dem Jahre 1614 bekämpft, so Michael Brunner, verliert die Ausstellung im städtischen Museum Überlingen schnell ihren schaurig anmutenden Anstrich einer harmlosen "Geisterbahn". Etwa 100, teils zeitgenössische Gemälde, Skulpturen, Fotografien, magische Objekte und Dokumente aus privaten und öffentlichen Sammlungen sind zu sehen, teilweise Darstellung aus historischen Büchern, wie einem Werk aus dem Jahre 1670 über "die außergewöhnlichen Phänomene unserer Welt", übrigens in Besitz der Leopold-Sophien-Bibliothek Überlingen.

Einblicke in ein Buch mit Monsterdarstellungen aus dem Jahr 1670.
Einblicke in ein Buch mit Monsterdarstellungen aus dem Jahr 1670. | Bild: Erwin Niederer

Mehrere Experten haben sich darum bemüht, das Thema aus heutiger Sicht aufzuarbeiten aus der Perspektive der Parapsychologie, Theologie, Kunstgeschichte und Quantenphilosophie. Übrigens sind lediglich 70 Prozent aller dokumentierten, übersinnlicher Erscheinungen mit wissenschaftlichen Methoden erklärbar, der Rest bleibe spekulativ, so die Kunsthistorikerin Claudia Vogel aus Überlingen, die zusammen mit Michael Brunner die Ausstellung kuratiert hat.

Michael Brunner mit der aktuellen Anleitung der katholischen Kirche zur Durchführung von Exorzismen (2016).
Michael Brunner mit der aktuellen Anleitung der katholischen Kirche zur Durchführung von Exorzismen (2016). | Bild: Erwin Niederer

 

Eintrittspreis

  • Die Dalí-Ausstellung mit 400 exklusiven Exponaten im Städtischen Museum Fauler Pelz beginnt mit der Vernissage am 16. März und läuft bis zum 11. November 2018. Eintritt: Erwachsene 6,50 Euro; Schüler/Studenten: 1 Euro, Familien: 10,50 Euro
  • Die Ausstellung "Monster und Geister, vom Mittelalter bis heute" eröffnet mit einer "langen Nacht der Geisterseher" am 28. März von 16 bis 23 Uhr mit unterschiedlichen Beiträgen und einer "Henkersmahlzeit" im Museumsgarten. Das Begleitprogramm zur Ausstellung bietet eine Tagung zum Thema, ein Buch zur Ausstellung, Vorträge und Führungen. Die Schau läuft bis 15. Dezember.