Sammlungen mit Werken von Dichterinnen fallen meist klein aus, musste die Schauspielerin und Sängerin Birgit Nolte feststellen. Denn Literatur von Frauen wurde in den vergangenen Jahrhunderten oft vergessen, unterdrückt – oder gar nicht erst geschrieben, weil Männer den Frauen dafür keinen Raum, keine Zeit und keine Freiheit ließen.

Ausverkaufte Uraufführung

Birgit Nolte verleiht in ihrem Programm „Die Welt hochwerfen – Starke Frauen, Starke Lyrik!“, das am Samstag im ausverkauften Noltes Theater Uraufführung gefeiert hat, einer Reihe großer Dichterinnen ihre Stimme. Denn Birgit Nolte liest nicht nur aus ihren Werken – sie hat etliche von ihnen auch vertont.

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Liebeslieder, Blues und Befreiungshymnen

Das Poem „Ist Lieb ein Feur“ von Sibylla Schwarz, die 1738 mit nur 17 Jahren starb, verwandelt sie in ein leidenschaftliches Liebeslied, den „Luftschiffer“ von Karoline von Günderrode in einen gewaltigen Blues, Annette von Droste-Hülshoffs berühmtes Gedicht „Am Turme“ in eine wilde Befreiungshymne – mit leisem Ausklang.

Schließlich konnte das 1848 verstorbene Freifräulein nur davon träumen, zu ringen, zu jagen, das Ruder zu ergreifen. Denn sie war nun mal kein Mann, sondern „muss sitzen so fein und klar, gleich einem artigen Kinde“.

Unterdrückung über viele Jahrhunderte

Das war die Rolle der Frau: beten, schreiben, singen, das Hauswesen versehen. Was Johann Michael Moscherosch im 17. Jahrhundert festhielt, galt auch in Deutschland noch bis weit ins 20. Jahrhundert. Selbst ein Dichter wie Friedrich Hebbel, der Protagonistinnen in den Mittelpunkt seiner Stücke stellte, sprach Frauen dichterische Kompetenz ab.

Michael Lauenstein begleitet virtuos

Gegen so viel Frauenfeindlichkeit hilft: „Die Welt hochwerfen, dass der Wind hindurchfährt.“ Diese Zeile aus einem Gedicht Hilde Domins ist das Leitmotiv des Abends. Er wird virtuos begleitet von Pianist Michael Lauenstein.

Material für Fortsetzungen gäbe es in Hülle und Fülle, noch mehr, zählte man die Frauenwerke hinzu, die Männern zugeschrieben wurden. So wie vielleicht auch das mittelalterliche Gedicht „Du bist min, ich bin din“, aus dem Birgit Nolte und Michael Lauenstein einen veritablen Ohrwurm gemacht haben.