„Es war der Hammer. Unglaublich.“ Musikdirektor Ralf Ochs brachte es beim Jahreskonzert von Stadt- und Jugendkapelle im großen Konzertsaal der Freien Waldorfschule auf den Punkt: Das, was seine 75 Musiker der Jugendkapelle (Juka) gerade geleistet hatte, rief bei nicht wenigen feuchte Augen der Begeisterung und ungläubiges Kopfschütteln hervor. „Das ist ja schon ein semiprofessionelles Orchester“, raunte Oberbürgermeister Jan Zeitler dem SÜDKURIER in der Pause zu.

Insbesondere nach dem mehr als eine Viertelstunde dauernden „The Ghost Ship“ , ein Werk voller Energie, mystischer Atmosphäre und Intensität, in dem der spanische Komponist Jose Alberto Pina die Schicksalsgeschichte des Kreuzfahrtschiffs American Star erzählt, wollte der Applaus für die „Juka“ nicht enden. Das war auch bei der Stadtkapelle so, als sie „Praise Jerusalem“ des US-amerikanischer Komponisten Alfred Reed zum Besten gegeben hatte. Der überwältigende Schluss, bei dem der feierliche Klang eines zusätzlichen sechsstimmigen Blechbläsersatzes mit dem Blasorchesterklang verschmolz, „ist sicherlich einer der beeindruckendsten Schlusspassagen der Blasorchesterliteratur“, wie Moderatorin Katharina Kitt es ausdrückte. 

Die Jugendkapelle I Überlingen mit MD Ralf Ochs beim Jahreskonzert in der Waldorfschule
Die Jugendkapelle I Überlingen mit MD Ralf Ochs beim Jahreskonzert in der Waldorfschule | Bild: Kleinstück, Holger

Ochs dankte dem zahlreich erschienen Publikum für deren Applaus. „Für das arbeitet man als Orchester als Musiker, um das zurückzubekommen. Es geht runter wie gutes Öl.“ Es sei ein tolles Jahr für beide Orchester gewesen, sagte er, wobei der Dirgent an das für die Stadtkapelle erfolgreiche Bundesmusikfest in Osnabrück und an den ersten Platz der Juka beim Wertungsspiel beim Jugendblasorchesterwettbewerb der Bundeswehr BW-Musix in Balingen erinnerte. „Diese Leistung ist natürlich auch nur dann möglich, wenn die Musiklehrer an einem Strang ziehen“, dankte er zum einen seinem Kollegium, zum anderen auch dem Gemeinderat für die fortwährende Unterstützung.

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Erfolg der Kapellen liegt an erfolgreicher Ausbildung

Jan Zeitler, der von einem „fulminanten Konzert“ sprach, führte den Erfolg beider Kapellen auf die Städtische Musikschule zurück. „Wir alle können feststellen: Wir sind begeistert von unserer Stadt- und Jugendkapelle. Das, was wir heute gehört haben, ist außerordentlich. Ich bin unendlich stolz.“ Das Klangbild und die dargebotene Vielfalt könne in einer Stadt wie Überlingen nur entstehen, wenn man eine erfolgreiche Ausbildung bieten könne. „Und das tun wir“, sagte Zeitler. Kommendes Jahr ansprechend sagte der OB, beide Kapellen könne man bei einer Vielzahl an Veranstaltungen wieder erleben, wobei er an das Landesmusikfestival Baden-Württemberg und an das Internationale Blasmusikfestival in Überlingen erinnerte.

Beim Weihnachtsmarkt spielt die Juka zur Eröffnung am Donnerstag, 12. Dezember, 18 Uhr, und die Stadtkapelle am Freitag, 20. Dezember, 19 Uhr.

Die Stadtkapelle Überlingen beim Jahreskonzert in der Waldorfschule von der Tribüne aus gesehen.
Die Stadtkapelle Überlingen beim Jahreskonzert in der Waldorfschule von der Tribüne aus gesehen. | Bild: Kleinstück, Holger

„Ein voller Erfolg auf allen Ebenen“

Musikdirektor Ralf Ochs über das Jahreskonzert

Wie beurteilen Sie das zweite Konzert von Stadt- und Jugendkapelle in der Waldorfschule?

Für mich persönlich war es ein voller Erfolg auf allen Ebenen. Die Orchester konnten in diesem Saal deutlich hörbar machen, welche instrumentale und musikalische Qualität sie besitzen. Ich denke, es war nicht nur eine Augenweide, die Orchester auf der Bühne besser sehen zu können als im Kursaal, sondern man konnte die in unseren Proben erarbeiteten Nuancen viel besser hören. Es stellte sich das Gefühl ein, auf einer richtigen Konzertbühne zu musizieren.

Dem Applaus des Publikums war zu entnehmen, dass es mehr als zufrieden war. Gibt es eine Wiederholung in der Waldorfschule im nächsten Jahr?

Aus meiner Sicht gab es nur Pro! Unser Jahreskonzert der beiden Orchester sollte in der weiteren Zukunft immer dort stattfinden. Für nächstes Jahr steht der Termin mit Samstag, 5. Dezember, schon fest.

Hat es außer dem Vorteil des besseren Klangs gegenüber dem Kursaal auch Nachteile für die Kapellen in der Schule gegeben?

Nein, auf keinen Fall. Wir wurden seitens der Freien Waldorfschule unglaublich herzlich und freundlich aufgenommen. Transport und der Bühnenaufbau waren anders als gewohnt, aber auch hier gab es großartige Unterstützung von der Schule. Für das Publikum gab es ein äußerst liebevoll gemachtes Buffet und Getränke.

Und wie sieht es mit den Kosten aus, muss die Stadt eine Miete an die Waldorfschule zahlen?

Die Stadtkapelle Überlingen trägt die Kosten für Werbung, Bus-Transfer und Saalmiete.

Holger Kleinstück