Die Sicherheit für öffentliche Veranstaltungen hat spätestens seit dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 auch hierzulande eine größere Bedeutung bekommen. Im Juli 2017 ließ die Stadt beim Gassenfest Betonbarrieren aufstellen, deren Wirkung später nicht nur in Frage gestellt, sondern die als potenzielle Zusatzgefahr gesehen worden waren.

Stadt zur Gefahrenabwehr verpflichtet

Nun will sich Überlingen mit neuen Systemen wappnen, damit Besucher getrost feiern können. Nach dem Ortspolizeigesetz sei die Stadt verpflichtet, sich über eine Gefahrenabwehr ernsthaft Gedanken zu machen, erklärte OB Jan Zeitler jetzt im Gemeinderat.

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Lösung 1: Fest installierte Poller, einige absenkbar

Als Alternativen erläuterte Helmut Köberlein von der Abteilung Tiefbau ein System mit vielen festen und einigen versenkbaren Pollern und stellte es einer Lösung mit flexiblen Gusseisenelementen gegenüber. Die fest installierten Hochsicherheitspoller hielten nach Köberlein einem Lastwagen mit 6,8 Tonnen stand, der die Abschrankungen mit 50 Stundenkilometern zu durchbrechen versuche.

Teils tiefe und breite Fundamente nötig

Um den Landungsplatz mit einer derartigen Dauereinrichtung zu sichern, braucht es mit den Zufahrten über die Promenade 13 versenkbare und 62 feste Poller. Teilweise müssten die 80 Zentimeter tiefen Fundamente 3,20 Meter lang sein, dies sei kaum umzusetzen. Vorteil wäre die geringe „Eindringtiefe“ eines Fahrzeugs, doch neben der Installation wären auch hohe Unterhaltskosten für die beweglichen Poller erforderlich.

Lösung 2: Flexible Barrieren aus Gusseisen

Flexibler, schnell aufzubauen und preiswerter sind Citysafe-Barrieren aus Gusseisen. Sie hielten einem Zehntonner mit 55 Stundenkilometern stand, erklärt Köberlein, bräuchten allerdings einen größeren Sicherheitsabstand. Die schweren Barriere kippen bei einem Aufprall um und blockieren das Fahrzeug, das darüber hinwegfährt.

Problemlos zu lagern und zu transportieren

Als weiteren großen Vorteil sieht Köberlein, dass die Barrieren variabel verwendbar sind. „Ich kann sie einsetzen, wo ich sie benötige“, da die Elemente problemlos gelagert und transportiert werden könnten. An Ort und Stelle lassen sich laut Köberlein nach Bedarf schnell Durchfahrtsmöglichkeiten für Einsatzfahrzeuge schaffen.

1 Million Euro gegen 52 000 Euro

Während die Variante mit festen und versenkbaren Pollern für den Landungsplatz nach aktueller Kalkulation bei mehr als 1 Million Euro liegen würde und derzeit nicht zu finanzieren wäre, kämen zehn mobile Barrieren der alternativen Lösung auf rund 52 000 Euro. Dafür will die Verwaltung ausgewiesene Mittel für den Ersatz „Bunte Villa“ (100 000 Euro) umbuchen. „Eine Refinanzierung der Barrieren durch Verrechnung an die Veranstalter ist auf Grund der Gesetzeslage nicht möglich“, betont die Verwaltung.

Ulf Janicke: Mobile Lösung auch in Nachbarschaft einsetzbar

Stadtrat Ulf Janicke (LBU/Grüne) empfahl, sich mit anderen Gemeinden zusammenzutun. Dafür seien gerade die Elemente der mobilen Lösung geeignet. Eine mögliche Dienstleistung sieht OB Zeitler insbesondere für die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft – also Sipplingen und Owingen. Doch auch für die eigenen Teilorte wären sie bei Bedarf aus seiner Sicht gut einsetzbar. Tiefbauamt und Landesgartenschau seien auch aufgefordert, sich Gedanken über den Bedarf im kommenden Jahr zu machen. Schließlich liege der Haupteingang zur Landesgartenschau am Ende einer Straße, die zumindest Anwohnerverkehr aufnehmen und befahrbar bleiben müsse.

Reinhard Weigelt: "Vorgegaukelte Sicherheit"

„Totale Sicherheit“ gebe es nicht bei Veranstaltungen, gab Reinhard Weigelt (FDP) zu bedenken und sah bei der präferierten Lösung Probleme mit der Umsetzung der erforderlichen Sicherheitsabstände von 17 Metern. „Da bleibt ja auf dem Landungsplatz nicht mehr viel übrig“, sagte er. Zum anderen böten derlei „hyperaktive Sachen“ im Grunde nur „vorgegaukelte Sicherheit“, daher votierte er als einziger im Gremium gegen diese Anschaffung.

Günter Hornstein: Stadt bislang "hemdsärmlig" vorgegangen

Günter Hornstein (CDU) plädierte für den Vorschlag, da derlei Maßnahmen leider nach Vorkommnissen der vergangenen Jahre geboten seien. Bislang sei die Stadt eher „hemdsärmlig“ vorgegangen. Doch gerade diese vermeintlich pragmatischen Lösungen seien bisweilen nicht zu Ende gedacht gewesen und hätten möglicherweise Zusatzgefahren heraufbeschworen. Der aktuelle Vorschlag biete zumindest eine „zertifizierte Sicherheit“. Die Mobilität der Elemente ist auch für Lothar Thum (ÜfA/FWV) ein Plus. „Wir brauchen es einfach“, sagte er und wünschte sich noch einige Erfahrungswerte.