Die Bürgergemeinschaft für Überlinger Bäume (BÜB) berichtete von zugetragenen Gerüchten, dass Oberbürgermeisterin Sabine Becker einen Eilantrag im Gemeinderat stellen wolle, der angeblich das Umpflanzen der Alleebäume zum Inhalt hat. Aus diesem Verdacht heraus hat die BÜB die Fragestellung für das Bürgerbegehren geändert und fordert den Erhalt der Allee am jetzigen Standort. Auch von Geheimgesprächen war die Rede. "Sinnvoll wäre es, wenn Stadt und LGS der BÜB offene Gespräche anbieten würden. Dazu sind wir von der BÜB jederzeit gerne bereit," wie ihr Sprecher Dirk Diestel erklärte.

Am 17. Juni trafen sich in der Geschäftsstelle der LGS die OB, LGS-Geschäftsführer Roland Leitner, die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats sowie Vertreter des Vereins Futur. Thema war unter anderem die mögliche Versetzung der Platanen. Statt zu fällen sollen die Bäume ausgegraben und an neuer Stelle wieder eingegraben werden.

Schon fünf Tage später fand das nächste Treffen statt: Roland Leitner, ein Vertreter eines auf die Verpflanzung von Großbäumen spezialisierten Unternehmens und der Leiter der städtischen Abteilung für Grünflächen, Rolf Geiger, begutachteten jeden einzelnen Baum. Das Ergebnis ist zweigeteilt: Die Bäume zwischen der Straße und dem See könnten nicht versetzt werden, die Bäume am nördlichen Straßenrand seien durchaus versetzbar und damit zu retten. "Einige der auf der Nordseite stehenden Kopfbäume sind auf Grund ihrer starken Vorschädigungen nicht verpflanzbar," ergänzt Baumexperte Geiger. Die Erfolgsaussichten seien daher ungewiss. Eine Garantie gibt er eigentlich nur für die sieben jungen Platanen im östlichen Teil der Straße.

Zudem stellt sich die Frage, wohin die Bäume versetzt werden sollen. Eine Option für Roland Leitner wäre, die Bäume innerhalb des Uferparks zu versetzen. Rolf Geiger verwies diesbezüglich auf ein anderes Problem: Die Bäume müssten zunächst in ein Zwischenquartier und könnten erst nach den Baumaßnahmen an den neuen Standort verpflanzt werden. Geiger hatte auf diese Problematik auch schon bei der Bürgerversammlung der BÜB hingewiesen. "Ob die Bäume diese Prozedur zweimal hintereinander überstehen, ist doch mit einem großen Fragezeichen verbunden."

Roland Leitner formuliert weitere Bedenken: Es muss "in jedem Fall in das planerische Konzept passen." Die Planerin des Uferparks, Marianne Mommsen, sieht das gesamte Verfahren als gescheitert an, wenn von der ursprünglichen Entscheidung abgewichen wird. Der Abbruch der Platanenallee ist gemäß einer aktuellen Veröffentlichung der LGS eine "notwendige Maßnahme zur Realisierung" ihres Konzepts. Damit gibt es vonseiten der Planerin eigentlich keinen Verhandlungsspielraum.

 

 

 

 

Worüber stimmten die Überlinger beim Bürgerentscheid 2013 ab?

 

Zunächst nur über die Frage, ob Landesgartenschau Ja oder Nein. Zugrunde lag jedoch der Siegerentwurf von Relais Landschaftsarchitekten, der Mommsen-Plan.

Wie lauteten die Grundlagen des Mommsen-Plans?

 

Schaffung eines Bürgerparks mit landschaftlich geprägtem Gelände, Wechsel von steilen und flachen Uferzonen. Die Ufermauer soll beseitigt werden.

Was ist aus heutiger Sicht umstritten?

 

Ob verständlich genug kommuniziert wurde, dass die Platanenallee zwischen Campingplatz und Wohnbebauung gefällt werden soll. Die BÜB sagt, dass das ganze Ausmaß erst jetzt bekannt geworden sei. Die LGS verweist auf Broschüren, Flyer und Veranstaltungen, in denen nie ein Hehl daraus gemacht worden sei, dass die Bäume fallen, um Platz für ein neues Ufer zu schaffen.

Wie kann es zu so unterschiedlichen Bewertungen kommen?

 

Beide Seiten zitieren aus einer Informationsbroschüre der LGS von 2013. Hier steht: "Ergänzung der Platanenallee im bestehenden Verlauf sowie entlang der neuen Trasse." Die BÜB unterstellt, dass damit suggeriert worden sei, dass die Allee "bestehen" bleibt. Die LGS verweist dagegen auf in der Broschüre ergänzende Skizzen, die das neue Ufer ohne Allee zeigen. Und betont, dass mit „bestehender Verlauf“ der Teil gemeint sei, auf dem die Platanenallee weiter stehen bleibt. In der Broschüre ist dieser Teil aus Sicht der LGS präzise genug beschrieben und erlaubt den Umkehrschluss, dass die restliche Allee fällt: "Erhalt der Platanenallee entlang der Bahnhofstraße vom Stadteingang bis zur Wohnbebauung westlich des Bahnhofs Therme". Im Bereich der neuen Trasse, also einer neuen Allee südlich der verlegten Bahnhofstraße, sollen heimische Gehölze gepflanzt werden. (shi/dle)