Einen Vaterunser-Erlebnisweg hat die Freikirchliche Gemeinde der Lindenwiese als sogenanntes LGS-Plus-Projekt zur Ergänzung der Landesgartenschau 2020 gestaltet.

Einzelne Stationen mit kurzen Hinweistafeln

Der Wanderweg, der auf dem Gelände nahe Bambergen beginnt und durch den Wald auf eine kleine Anhöhe beim ehemaligen Wasserhochbehälter führt, ist als Rundweg angelegt und thematisiert die verschiedenen Elemente des zentralen christlichen Gebets an einzelnen Stationen mit kurzen Hinweistafeln. Wer etwas mehr darüber wissen will, findet im Internet Hintergrundinformationen, zu denen jeweils ein QR-Code über das Smartphone führt.

Gewachsen wie ein Samenkorn: Landwirt Thomas Bacher (recht) über die Vision vom Vaterunser-Erlebnisweg. Er überreicht Pastor Daniel Plessing ein gebackenes Kreuz und zwölf Brote. Im Hintergrund die erste Station des Weges.
Gewachsen wie ein Samenkorn: Landwirt Thomas Bacher (recht) über die Vision vom Vaterunser-Erlebnisweg. Er überreicht Pastor Daniel Plessing ein gebackenes Kreuz und zwölf Brote. Im Hintergrund die erste Station des Weges. | Bild: Hanspeter Walter

Im Beisein von Oberbürgermeister Jan Zeitler und dem Kirchenbeauftragten für die Landesgartenschau Jean-Pierre Sitzler wurde der Vaterunser-Erlebnisweg jetzt offiziell eingeweiht. Die Pastoren Daniel Plessing und Thomas Dauwalter skizzierten die Idee hinter dem Projekt und dankten insbesondere den ehrenamtlichen Helfern und Wilfried Prescha, der das Konzept ausgearbeitet hatte. Respekt zollte auch Landwirt Thomas Bacher der Lindenwiese und überreichte Plessing ein großes gebackenes Kreuz und zwölf verschiedene Brote.

Mehr als 60 Helfer waren beteiligt

„Ein großes Privileg“ nannte es Daniel Plessing, dieses Projekt nun realisiert zu haben. Schon seit längerer Zeit habe sein Kollege Thomas Dauwalter mehrfach Anläufe unternommen, so eine Idee umzusetzen. Die Stadt als Partner bei einem LGS-Plus-Projekt im Hinblick auf die Landesgartenschau habe nun den entscheidenden Impuls gegeben, das Vorhaben anzupacken.

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Der bewilligte maximale Zuschuss für dieses Projekt in Höhe von 5000 Euro decke zwar nur einen kleinen Teil der Kosten. Doch dank des enormen ehrenamtlichen Engagements von mehr als 60 Helfern und zahlreichen Spendern habe man den Weg nun realisieren können, ohne das Budget der Gemeinde über Gebühr zu strapazieren. Der Erlebnisweg verbindet für Pastor Plessing drei wichtige Dinge: „Das Gebet – die wunderbare Landschaft – und Gott.“

Unser tägliches Brot gib uns heute – am Wegesrand laden Tisch und Bänke zum Verweilen ein. Annette Stoll-Zeitler von der LGS GmbH prüft das Tonmaterial.
Unser tägliches Brot gib uns heute – am Wegesrand laden Tisch und Bänke zum Verweilen ein. Annette Stoll-Zeitler von der LGS GmbH prüft das Tonmaterial. | Bild: Hanspeter Walter

Wie andere LGS-Plus-Projekte zeige auch dieser Vaterunser-Erlebnisweg, dass eine Landesgartenschau weit mehr sei als eine Blümchenausstellung, erklärte Oberbürgermeister Jan Zeitler. „Innovativ, aber auch mutig“ nannte er es, so ein Vorhaben in Angriff zu nehmen, und erklärte: „Das ist ein wichtiges Thema, das die Menschen berührt.“ Vor allem sei es eine große Herausforderung, sagte Zeitler, hier mit dem kleinen städtischen Obolus von 5000 Euro auszukommen.

Projekt mit großer Gemeinschaftsleistung gemeistert

Umso größer sei die Gemeinschaftsleistung der Lindenwiese gewesen, betonte der Oberbürgermeister. Quasi als Erfolgsgarantie bezeichnete er es, dass der Verschönerungsverein Überlingen mit dem früheren Gartenchef Thomas Vogler das Vorhaben begleitet habe. Gemeinsam mit der Stadt ist bei der Lindenwiese auch noch eine Übersichtstafel mit dem Überlinger Wanderwegenetz geplant, in das auch der neue Erlebnisweg eingebunden ist.

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Dazu habe es langer Verhandlungen mit dem Land und seiner Forstverwaltung bedurft, erinnert sich Daniel Plessing. „Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig ist, einen Wanderweg anzulegen.“ Schließlich habe das Land einige Teilflächen zur Verfügung gestellt, zum Beispiel bei der ersten Station für eine große Holzliege, die einen Blick in den Himmel gewährt.

„Das Gebet der Christen schlechthin“

Als „LGS-Pfarrer“ lasse sich Jean-Pierre Sitzler nur ungern bezeichnen, stellte Plessing den Kirchenbeauftragten für die Gartenschau vor. „Das Vaterunser“ nannte Sitzler „das Gebet der Christen schlechthin“. In Verbindung damit eröffne der neue Erlebnisweg neue Dimensionen und spirituelle Erfahrungen mit allen Sinnen, so der Kirchenbeauftragte.

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„Faszinierend“ nannte es auch der Bambergener Landwirt Thomas Bacher, „was hier entstanden ist“. Man könne diesen Weg auch als neue Brücke zwischen Landschaft und Landwirtschaft verstehen, erklärte Bacher. Vorausgegangen sei dem ganzen Projekt allerdings eine „Vision in der Stille“, die in der Natur mit einem Samenkorn verglichen werden könnte. Auch dieses brauche zunächst Ruhe, bis es keime, sich verwurzle, den Weg zum Licht suche und dann Früchte trage.