Draußen gibt es Bewirtung, inklusive der klassischen Kino-Nervennahrung Popcorn. Im Museumssaal begrüßt Oberbürgermeister Jan Zeitler die Gäste. Der Initiator und Gastkurator Hansjörg Straub nimmt sie mit auf eine kleine Reise durch die Kinogeschichte und die Sängerin und Pianistin Kathrin Feldmann auf einen musikalischen Parforceritt durch die Jahrhunderte, mit dem sie die Verführungskraft des Kinos unterstreichen will, unter anderem mit Liedern wie „Summertime“, „La vie en rose“, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n“.

Historische Geräte, wie dieser 35-mm-Projektor, sind Teil der Ausstellung.
Historische Geräte, wie dieser 35-mm-Projektor, sind Teil der Ausstellung. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Zeitler äußert Stolz über die 100-jährige Kontinuität der Kinokultur in Überlingen, die, mit zwei Häusern und fünf Sälen, bis heute anhalte. Die Kinobetriebe Lailach, die auch maßgeblich zur Ausstellung beigetragen hätten, böten ein anspruchsvolles Programm. Zeitler schiebt auch einen Werbeblock ein: „Nutzen Sie dieses Kino mit seinem einzigartigen Ambiente.“ Außerdem dankt er Straub und allen Unterstützern und Leihgebern der Ausstellung, darunter das Film- und Kinomuseum Biberach, Foto Lauterwasser und die Sammlung Peter Forster.

Kathrin Feldmann unterstreicht die Verführungskraft des Kinos musikalisch.
Kathrin Feldmann unterstreicht die Verführungskraft des Kinos musikalisch. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Straub startet seine Ansprache ebenfalls mit Anerkennung, an erster Stelle für Museumsleiter Peter Graubach und seine Frau Bozena, „diese Juwelen der Überlinger Kultur“, die die Schau in wochenlanger Arbeit installiert hätten, außerdem dankt er Ulrike und Tom Braun sowie dem Werkhof, „allen voran Armin Klotz“.

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Dann knipst Straub bei seinen Zuhörern das Kopfkino an, indem er Filmklassiker wie „Casablanca“ heraufbeschwört. Seine eigene Verführungsgeschichte habe einst mit dem französischen Streifen „Die Reise im Ballon“ von 1960 im Freiburger „Filmpalast“ begonnen, der längst einem Kaufhaus weichen musste. Die Lust, Bilder anzuschauen und Geschichten zu hören, begleite die Menschen. Und dann, Ende des 19. Jahrhunderts, begannen die Bilder zu laufen. Straub erinnert an Technikpioniere wie die Brüder Lumière, die 1895 erstmals ihren Cinématographen präsentierten.

Zwei Jahre nach der Erfindung

Bereits 1897 warb die Überlinger Bierbrauerei Waldschütz für Vorstellungen mit einem Kinetographen. Am 21. Juni 1919 eröffneten dann drei Geschäftsleute das erste Kino im Gasthof Adler, wo sich heute noch das „Kammer“-Kino befindet. Der Antrag war bei den Behörden zuerst auf Misstrauen gestoßen, hielten sie Kino doch in zweierlei Hinsicht für brandgefährlich: Zum einen entzündete sich das damalige Filmmaterial sehr leicht, zum anderen befürchtete die Obrigkeit einen Verfall von Sitte und Moral.

Der von Museumsleiter Peter Graubach nachgebaute Eingang der Überlinger Kammer-Lichtspiele zieht die Ausstellungsbesucher in die magische Welt des Kinos.
Der von Museumsleiter Peter Graubach nachgebaute Eingang der Überlinger Kammer-Lichtspiele zieht die Ausstellungsbesucher in die magische Welt des Kinos. | Bild: Sylvia Floetemeyer

Machten dem Kino in seinen ersten Jahrzehnten Restriktionen und Zensur zu schaffen, war es ab den 1960-er Jahren zunehmend das Fernsehen. Und heute seien es TV-Filme und -serien, die in cineastischer Qualität gedreht würden wie „Babylon Berlin“. Das Kino, so Straub, sei immer gefährdet gewesen und brauche Unterstützung. Aber, betont er: „Kultur gibt immer viel mehr zurück“, als sie koste.