Überlingen – Zumindest der Termin steht schon fest: Von 30. August bis 16. September wird das Sommertheater Überlingen in diesem Jahr stattfinden. Der Spielort ist hingegen noch unklar – die Kapuzinerkirche wurde im Dezember aufgrund von Schäden am Dach für Veranstaltungen bis auf Weiteres gesperrt. Die wichtigste Nachricht jedoch ist: Nach der einmaligen Lösung im vergangenen Jahr hat der Förderverein Sommertheater für 2018 einen neuen Regisseur samt Ensemble und Programm gefunden – unter der Voraussetzung, dass noch offene Fragen wie Spielort und Kosten geklärt werden.

Den Partner für das Sommertheater Überlingen 2018, Regisseur und Ensemble samt Programm, fanden die beiden Vorsitzenden des Fördervereins, Thomas-Michael Becker und Oswald Burger, in Wangen im Allgäu. Ein Besuch der dortigen Festspiele, die dort seit 2010 etabliert sind, gab laut Becker sozusagen einen Geistesblitz. „Die Festspiele in Wangen sind dem Überlinger Sommertheater ähnlich“, sagt Becker und meint damit die Größe und den Charakter. Das Konzept hingegen sei ein anderes als beim bisherigen Sommertheater, „aber für unsere Zukunft genau das Richtige“: Es wird ein Abendstück und ein Familienstück geben, letzteres von Regisseur Peter Raffalt. Es soll Unterhaltungswert für alle Generationen haben. Das könne er persönlich bestätigen, sagte Thomas Michael Becker, nachdem er im vergangenen Jahr mit Kindern und Enkelkindern das Familienstück „Der gestiefelte Kater“ angeschaut hatte. Die Zahlen sprechen für sich: Die Auslastung der Festspiele lag bei über 90 Prozent, beim Familienstück gar bei knapp 100 Prozent.

Die Stadt Wangen und der Festspielverein seien von der Idee sofort angetan gewesen, in Überlingen zu spielen. Fast ebenso schnell war klar, wann die Wangener in Überlingen spielen werden. „Bis Mitte Juli ist die Fußball-Weltmeisterschaft, dazu treten wir nicht in Konkurrenz; am Wochenende drauf ist das Promenadenfest und dann bleibt im Juli schon nicht mehr viel. Im August spielen die Wangener bei ihren eigenen Festspielen, in Überlingen findet zu der Zeit aber auch Kultur im Kapuziner statt. Ergo: Es bleibt der 30. August bis 16. September. Es gibt keine Alternative.“ Simeon Blaesi freut sich über den Termin: „Da nehmen wir zwei Wochen der Sommerferien mit und die erste Schulwoche. Da in das Familienstück auch Kinder aus der Region mit eingebunden werden sollen, ist es gut, dass es in den Ferien beginnt.“

„Wir bekommen eine bewährte, eingespielte Produktion und können uns das schon vorher in Wangen anschauen. Wir müssen uns um die Proben keine Gedanken machen oder wie im letzten Jahr täglich die Probebühne auf- und abbauen. Und durch den nach hinten verschobenen Termin haben wir mehr Zeit für die Vorbereitungen“, freut sich Becker. Das Programm stellte Oswald Burger bei der Hauptversammlung des Sommertheatervereins im Café im Rathaus vor: Das Abendstück ist „Volpone. Der Fuchs“, eine in Italien angesiedelte Komödie um die Habgier des Menschen. Das Familienstück ist „Aladin und die Wunderlampe“, eine Geschichte aus „Tausendundeine Nacht“.

Jetzt ist da noch die Sache mit dem Spielort. Eine Sorge, die sich das Sommertheater mit Reinhard Weigelt teilt, der jedes Jahr im August das Kleinkunstfestival „Kultur im Kapuziner“ ausrichtet. Dabei sind sich sowohl der Sommertheaterverein als auch Weigelt über den perfekten Ausweichplatz einig: südlich der Kapuzinerkirche im Badgarten, wo sich eine Freiluftbühne errichten ließe. Ebenso einig sind sie sich darüber, dass Überlingens Facility Management bislang keine vernünftige Erklärung liefern konnte, warum die Stadt dem bislang nicht zugestimmt hat – zumal Oberbürgermeister Jan Zeitler in einem Schreiben an Oswald Burger diesen Ort selbst vorgeschlagen hatte. Sollte es um den Schutz der alten Bäume im Park gehen, wofür er größtes Verständnis habe, so Weigelt, sei die Sorge unbegründet – sei doch dieser Baumbestand nicht von der Fläche betroffen, die die Veranstalter brauchen. Auch das Argument, dass die Wiese Schaden nehme, stößt bei Verein und Weigelt auf Unverständnis: Die Kapuziner-Baustelle werde im laufenden Jahr einen Zufahrtsweg brauchen und eine Wiederherstellung des Umfelds der Kirche sei ohnehin nötig.

Allerdings stocherten die Kulturvertreter mit diesen Vermutungen bei der Hauptversammlung des Sommertheatervereins im Dunkeln. Der anwesende Sprecher der Stadt Überlingen, Raphael Wiedemer-Steidinger, wusste nur zu berichten, dass er von Baubürgermeister Längin nicht informiert wurde, was gegen den Spielort spreche. Becker fasste zusammen: „Wir machen das ehrenamtlich, wir machen sehr viel für die Stadt. Man kann uns so nicht hängen lassen.“ Er hoffe, dass die Kommunikation zwischen Stadt und Verein besser werde.

Bilanz 2017 und Finanzierung 2018

Der Gesamtetat des Sommertheaters 2017 betrug laut Vorstand rund 135 000 Euro. Finanziert wurde es unter anderem durch den Zuschuss der Stadt Überlingen von 30 000 Euro, eine Spende des Fördervereins über 30 600 Euro sowie die Einnahmen aus dem Kartenverkauf von rund 63 500 Euro. „Dadurch, dass die Stadt das Sommertheater für 2018 erstmals in den Haushaltsplan aufgenommen hat, werden wir, was die Unterstützung durch die Stadt angeht, in diesem Jahr von einer größeren Flexibilität profitieren“, sagt Thomas Michael Becker vom Sommertheaterverein. „Eine große Unbekannte haben wir jedoch noch, die uns Sorgen macht: Die Übernahme der Kosten, die uns für den neuen Spielort entstehen, zum Beispiel für ein Zelt, wurde uns von der Stadt Überlingen noch nicht zugesagt. Wir hoffen, dass sich das bald klärt.“