Wo er sich wohlfühlt, da läuft Adolf Wolfensperger gerne mal barfuß. Wo er sich wohlfühlt, das ist daheim in seinem Wohnzimmer und auch draußen auf der Straße vor seinem Haus. Der Aufkircher Straße. Denn die ist ebenso sein Zuhause wie das Wohnzimmer, schließlich hat Adolf Wolfensperger hier einen großen Teil seines Lebens verbracht. Und sein Leben, das währt schon 80 Lenze. Erst hat er oben am Hänselebrunnen am Eck gewohnt, das war das Haus seiner Oma. Und 1988 hat er dann das Haus etwas weiter unten gekauft, in dem er heute noch lebt. Gemeinsam mit seinem Sohn hat er es renoviert.

Dazwischen lagen etliche Jahre im Pfarrzentrum St. Nikolaus, denn Adolf Wolfensperger war Münster-Mesner. „Aber es war immer mein Wunsch, wieder hierher zurückzukommen“, sagt er. Das lag vor allem am Hänselebrunnen: „Ich war ja zehn Jahre lang Hänselevater und am Hänselebrunnen beginnen die Fastnachtsumzüge.“ Im Hänselebrunnen hat Adolf Wolfensperger schon als Kind gebadet, mit Siggi Heudorf zusammen, ebenfalls ein stadtbekanntes Original. „Wir sind im Dorf aufgewachsen und haben manches angestellt“, erinnert sich der Alt-Überlinger.

Adolf Wolfensperger liebt die Aufkircher Straße – auch wenn ihn der viele Verkehr schon etwas stört.
Adolf Wolfensperger liebt die Aufkircher Straße – auch wenn ihn der viele Verkehr schon etwas stört. | Bild: Eva-Maria Bast

Wie hat sich die Aufkircher Straße in all den Jahren verändert? „Der Verkehr ist sehr laut und sehr viel geworden, wir schlafen inzwischen alle nach hinten raus, da hören wir gar nichts von den Autos.“ Zur Straße hin befindet sich nun das Wohnzimmer und jeden Samstag kommen alle Enkel zum Frühstück. „Dann sind wir zwölf Leute“, sagt Opa Wolfensperger und fügt schmunzelnd hinzu: „Laut genug, um den Verkehr zu übertönen.“

Sonstige Veränderungen in der Aufkircher Straße? „Es wohnen mehr Ausländer als früher hier im Dorf“, sagt Wolfensperger. „Wir haben ein gutes Verhältnis, alle sind sehr nett und freundlich.“ Näher kenne man sich aber nicht, „man sagt halt Grüß Gott zueinander.“ Anders als früher, da habe jeder jeden gekannt und am Samstag wurde die Straße gekehrt. Grundsätzlich. Vor jedem Haus. „Heute bin ich einer der wenigen, die am Samstag die Straße fegen“, stellt Wolfensperger fest. Wer alteingesessen ist in der Aufkircher Straße, das sehe man genau daran: wer samstags und vor allem vor der Schwedenprozession die Straße kehrt. Und wer sein Haus zu diesem für Überlingen so wichtigen Ereignis mit Maien, also Zweigen oder Bäumchen, schmückt. „Früher landeten drei bis vier Lastwagen voller Maien in der Aufkircher Straße, heute ist es nur noch ein halber“, bedauert er.

Paul Elster, 28 Jahre, Heilerziehungspfleger: "Was ich schön an unserer Straße finde, ist, dass so viele unterschiedliche Menschen hier wohnen, auch wirklich altersdurchgemischt. Und das Ganze in einem respektvollen Umgang miteinander."
Paul Elster, 28 Jahre, Heilerziehungspfleger: "Was ich schön an unserer Straße finde, ist, dass so viele unterschiedliche Menschen hier wohnen, auch wirklich altersdurchgemischt. Und das Ganze in einem respektvollen Umgang miteinander."

Sonst könne er sich nicht beklagen, sagt Adolf Wolfensperger. Die Enkel wohnen im Haus, bringen die Schulfreunde mit, es ist immer Leben in der Bude. Einen schönen Hof hat Adolf Wolfensperger auch, samt Parkplatz. Und einen großen und schmucken Balkon obendrein. „Da sind wir ganz stolz drauf, hier machen wir schöne Grill-abende mit der ganzen Familie“, freut er sich.

Adolf Wolfensperger weiß sich mit dem Verkehr zu arrangieren. Dennoch sagt er: „Der Einbahnverkehr stört mich schon, früher war nichts los, heute fährt ein Lastwagen nach dem anderen hier lang.“ Umgekehrt sei man mit den Fahrzeugen der Anwohner aber streng: „Wenn man mal mit dem Auto vor dem Haus hält, um Einkäufe abzuladen, kommen gleich die Ordnungshüter.“

Etwas wehmütig denkt Wolfensperger an seine Schulzeit zurück. „Da sind wir mit dem Schlitten die Aufkircher Straße runtergefahren, zu acht mit dem Bob bis zum Landungsplatz runter. So wenig Verkehr gab es damals. Und der Milchwagen von Aufkirch hat uns hochgezogen.“

Diese Zeiten sind wohl ein für allemal vorbei, bedauert Wolfensperger. Er würde sich freuen, wenn seine Enkel in der Aufkircher Straße in den Genuss des Schlittenfahrens kämen. Er ergänzt: „Das ändert nichts daran, dass ich mich sehr wohl fühle. Ich lasse mich hier erst im Sarg raustragen.“

Andrea Potes, 23 Jahre, Heilerziehungspflegerin: "Es ist toll, so zentral zu wohnen. Wir sind sehr schnell an der Seepromenade und auch in der Therme. Es gibt tolle Geschäfte in der Nähe und wir sind nah an der Natur. Wir haben eine wunderbare Nachbarschaft."
Andrea Potes, 23 Jahre, Heilerziehungspflegerin: "Es ist toll, so zentral zu wohnen. Wir sind sehr schnell an der Seepromenade und auch in der Therme. Es gibt tolle Geschäfte in der Nähe und wir sind nah an der Natur. Wir haben eine wunderbare Nachbarschaft."

Blick in die Geschichtsbücher

Woher die Aufkircher Straße ihren Namen hat, ist leicht zu erraten, schließlich führt sie vom Franziskanertor aus Richtung Aufkirch. Ab Höhe des Aufkircher Tors hieß die Straße Anfang des 20. Jahrhunderts noch Aufkircher Landstraße. Ohnehin war die Aufkircher Straße über Jahrhunderte sehr landwirtschaftlich geprägt: Noch Anfang des 20. Jahrhunderts befanden sich hier rund 20 landwirtschaftliche Betriebe.

Mit der Errichtung des Aufkircher Tors im 14. Jahrhundert wurde das zwischen Franziskaner und Aufkircher Tor gelegene "Dorf" in die Stadtbefestigung einbezogen. Der heutige Bau wurde um 1450 errichtet, im 19. und 20. Jahrhundert entstanden zahlreiche An- und Umbauten. Bei seiner Entstehung hieß das Tor noch Mitteltor, lag es doch zwischen dem Gallertor am Blatterngraben und dem Scherrentor im Bereich der Friedhofstraße.

Ebenfalls im 15. Jahrhundert wurde die kleine Kirche St. Jodok errichtet, gestiftet von dem Überlinger Burkhart Hipp. Auch heute ist St. Jodok ein wichtiger Punkt der Pilger auf der Via Beuronensis Richtung Santiago de Compostela.

Viele geschichtsträchtige Häuser säumen die Aufkircher Straße: zum Beispiel das der 1360 erstmals erwähnten Rebleutezunft in der Aufkircher Straße 5. Über dem hinteren rundbogigen Haustor ist ein steinerner Wappenschild mit einer Traube und der Jahreszahl 1582 angebracht.

Geschichtsträchtig ist auch die Gunzoburg gleich zu Beginn der Aufkircher Straße am Franziskanerkreisel. Hier soll Herzog Gunzo gelebt haben – was aber falsch ist. Gunzo wurde Anfang des 7. Jahrhunderts urkundlich genannt, damals gab es Überlingen noch gar nicht. Die Stadt wurde erst mehr als 100 Jahre später als Iburinga erstmals erwähnt. Die Gunzoburg heißt so, weil 1732 ein Eigentümer das Haus "die burg genannt, in den Graben gehend" nannte, wie Alois Schneider im archäologischen Stadtkataster erklärt.

Höhepunkte in der Aufkircher Straße sind der Hänselejuck, der am Hänselebrunnen beginnt und auf der Hofstatt endet, und das Gassenfest, zu dem die Stadtkapelle Überlingen alljährlich Anfang Juli einlädt.

 

Zahlen, Zahlen, Zahlen...

1194 Meter ist die Aufkircher Straße lang

113a ist die höchste Hausnummer

68 Höhenmeter muss man von unten nach oben überwinden

333 Bewohner sind hier zu Hause

1964 war der erste Hänselejuck

 
Ingrif Pfeifer, 51 Jahre, Sekretärin: "Es ist wunderbar, es ist lebendig hier. Wir wohnen schon das fünfte Jahr hier und haben in unserer Nachbarschaft ein sehr gutes Miteinander. Wir genießen das Leben hier, gehen gerne am See spazieren und fühlen uns im Feierabend wie im Urlaub."
Ingrif Pfeifer, 51 Jahre, Sekretärin: "Es ist wunderbar, es ist lebendig hier. Wir wohnen schon das fünfte Jahr hier und haben in unserer Nachbarschaft ein sehr gutes Miteinander. Wir genießen das Leben hier, gehen gerne am See spazieren und fühlen uns im Feierabend wie im Urlaub."

Was fehlt in meiner Straße

  • Die Einhaltung von Verkehrsregeln: Häufig wird hier zu schnell gefahren. Viele Autofahrer ignorieren auch, dass sie vom Krankenhaus kommend nicht links in die Friedhofstraße abbiegen dürfen.
  • Parkplätze in der Nähe, damit auch Besucher einen Platz findet.
  • Eine Eisdiele. Dann könnte man sich den Weg zur Eisdiele in die Stadt – und vor allem zurück – ersparen.

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