Sommer, Sonne, Blechlawine: Vor allem an warmen Tagen ächzt Überlingen unter den vielen Autofahrern, die sich durch die Stadt quetschen – und das schon seit Jahrzehnten. Die Frage, wie man das hohe Verkehrsaufkommen in den Griff bekommt, beschäftigt die Politik seit vielen Jahren. Eine Lösung ist bis heute nicht gefunden. Auch das neue Verkehrskonzept, das der Gemeinderat im Juli 2015 einstimmig beschloss, hat kaum Verbesserungen gebracht. Von den Maßnahmen wurden bis heute nur wenige umgesetzt: Das Tempo wurde von 30 auf 20 km/h reduziert, einige Buslinien steuern nicht mehr den Landungsplatz an und der Felderhausparkplatz sowie andere Parkplätze in der Altstadt wurde geschlossen. Das seit langem versprochene Parkleitsystem fehlt hingegen noch immer, genauso wie die Fahrradstraße in der Hafenstraße.

Wie wollen die künftigen Gemeinderäte das Problem der Verkehrsbelastung zu lösen? Wir haben den Kandidaten folgende Fragen gestellt:

1. OB Zeitler strebt eine temporäre Innenstadtsperrung an. Halten Sie eine derartige Sperrung für sinnvoll?

2. Wie stellen Sie sich eine Verbesserung des ÖPNV vor und welche Rolle spielt die Anbindung der Teilorte?

3. Beim Fahrradklimatest des ADFC 2016 landete Überlingen auf dem letzten Platz im Land. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um Überlingen fahrradfreundlicher zu gestalten?

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Wie schwer es ist, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, zeigen die Anliegen verschiedener Gruppen: Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlingen Tourismus und Marketing GmbH (ÜMT), betrachtet die Verkehrsdebatte aus Sicht des Touristen. Generell, so Jankowiak, stelle der Individualverkehr eine Belastung der Innenstadt dar, „die sich negativ auf die Aufenthaltsqualität auswirkt“. Das spiegle sich in einer Gästebefragung wieder. Das Thema stehe an erster Position, vonseiten der Gäste werde der Verkehrslärm in der Altstadt bemängelt. Zwar verstehe er auch den Wunsch vieler Busgesellschaften, ihre Gäste direkt bis zum Landungsplatz zu fahren, dennoch sagt Jankowiak: „Das Ziel sollte schon sein, dass man den Verkehr einschränkt.“ Diesen Zielkonflikt könne man entschärfen, indem man den Schiffsanleger, der zur LGS im Westen der Stadt angelegt wird, auch künftig nutzt. „Gerade für die Schifffahrtsunternehmen sind Busgesellschaften ein wichtiges Klientel und eine direkte Anfahrtsmöglichkeit (an den Landesteg) für sie wichtig.“

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Mit dem Ausbau der B31 neu wird derzeit zumindest die überregionale Anbindung Überlingens verbessert. | Bild: Joachim Mahrholdt

Auch Reinhard Haas, Vorsitzender des Wirtschaftsverbunds Überlingen (WVÜ), wünscht sich für die Kunden eine bessere Aufenthaltsqualität. Deshalb sei der Handel bereit, an einer Reduzierung des innerstädtischen Verkehrs mitzuwirken. „Aber: Es darf keine komplette Sperrung des innerstädtischen Verkehrs geben.“ Auch brauche es nach wie vor Parkplätze in der Stadt. Er plädiere „für eine optische Aufwertung der Straßen und Gehwege mit dem Ziel, ein gleichberechtigtes Nebeneinander aller Verkehrsteilnehmer zu ermöglichen“. Was die überörtliche Verkehrsanbindung Überlingens betrifft, zeigt sich der WVÜ-Chef angesichts des derzeitigen B31-Ausbaus zufrieden.

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Seit Jahren wird über die Umwandlung der Hafenstraße in eine Fahrradstraße diskutiert. Umgesetzt wurde bislang noch nichts. | Bild: Deck, Martin

Anders sieht das Bernhard Glatthaar, Vorsitzender des ADFC Bodenseekreis. Für die Radfahrer gebe es kein durchgängiges Netz an Radwegen – weder in die Teilorte noch zu den Nachbargemeinden. „Und ich sehe von der Stadt auch kein Engagement, daran etwas zu ändern.“ Die jahrelange Diskussion um die Fahrradstraße lenke von vielen weiteren Problemen ab. Generell plädiert Glatthaar dafür, bessere Bedingungen für Radler zu schaffen: „Es braucht ein Budget für den Radwegebau und einen Kümmerer für die Pflege.“ Dies sei ein wichtiger Schritt für die Zukunft: „Eine Stadt, die sich entwickeln will, setzt auf den aktiven Verkehr.“

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