Die Zahlen klingen beeindruckend: Mehr als 700 000 Gästeübernachtungen im Jahr 2017, 2,1 Millionen Tagestourist, Platz vier unter den beliebtesten Urlauberorten am Bodensee. Überlingen ist bei Touristen so beliebt wie noch nie. Doch das hat auch seinen Preis: "Die Gäste, die zu uns kommen, erwarten auch eine gewisse Infrastruktur", sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler und richtete sich an die Mitglieder des Arbeitskreises Wirtschaft, Infrastruktur und Tourismus von CDU und Grüne im Landtag, die gestern in Überlingen tagten.

Deutlich weniger Einnahmen durch Gewerbesteuer

Zeitler nannte ein Beispiel: Um das "Alleinstellungsmerkmal" als Gartenstadt am See zu erhalten, beschäftigt die Stadt Überlingen 26 Gärtner. In Horb am Neckar, wo Zeitler bis zu seiner Wahl zum Überlinger OB als Baubürgermeister tätig war, seien es bei einer vergleichbaren Einwohnerzahl gerade einmal fünf oder sechs gewesen. "Das ist ein immenser Kostenfaktor." Zugleich sei Überlingen aber kein großer Wirtschaftsstandort. Rund 11 Millionen Euro habe die Stadt im vergangenen Jahr an Gewerbesteuern eingenommen. Die 22 500-Einwohner-Stadt Nagold im Vergleich habe mit 25 Millionen Euro mehr als das Doppelte eingestrichen. "Wir müssen unseren Blick auf die örtliche Wirtschaft richten", räumte Zeitler ein, ein großer Industriestandort werde Überlingen aber nie werden.

Jankowiak: Gastgewerbe muss investieren

Deshalb sei der Tourismus sehr wichtig für die hiesige Wirtschaft. Dieser soll in den kommenden Jahren sogar noch weiter wachsen. Wie eine interne Analyse ergeben habe, brauche Überlingen in den nächsten Jahren ein Drei-Sterne-Hotel und moderne Ferienwohnungen, sagte Zeitler. Aber auch das bestehende Gastgewerbe müsse sich attraktiver aufstellen und investieren, sagte Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH. "Hier haben mir einen Investitionsstau."

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Um den "Qualitätstourismus", wie es Jürgen Jankowiak nennt, aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen, sei Überlingen auf Fördergelder von Land und Bund angewiesen. "Die Leute kommen mit der Erwartung, sich hier erholen zu können. Das macht es nötig, dass wir über strukturpolitische Programme unterstützt werden", sagte OB Zeitler. Auch der Landtagsabgeordnete Martin Hahn (Grüne), der selbst lange im Überlinger Gemeinderat saß und nach wie vor einen Platz im Kreistag hat, erklärte seinen Kollegen aus dem Landtag, das die Kommunen am Bodensee eine besondere Tourismusförderung bräuchten.

Das erkannten auch die Vertreter von CDU und Grünen: "Es ist wichtig, zu sehen, wie existenziell diese Landesmittel für Überlingen sind", sagte etwa Susanne Bay (Grüne). Die Abgeordneten brachten aber auch mögliche Einnahmequellen wie Zweitwohnungssteuer und Einkommenssteuer ins Spiel.