Sie kennen die Historie und die Veränderungen im IBC seit vielen Jahren. Ist der Gründungsimpuls des IBC von 1950 heute noch zu spüren und wie hat sich die Arbeit des IBC auf die Kultur in der Region ausgewirkt?

Kornelius Otto: Wir verstehen uns als Lobbyist der regionalen, aktuellen Kunst rund um den See. Den Gründern des IBC ist es zu verdanken, dass sich die kreativen Köpfe damals wie heute zu einer Bewegung zusammenschlossen und für die Region kulturell maßgeblich etwas bewirkt haben. Schon im ersten Jahr nach der Gründung 1950 wurden 72 Veranstaltungen abgehalten, davon vier Konzerte, und der Club hatte bereits 450 Mitglieder. Überlingen war zwar Gründungsort, in Konstanz, Ludwigshafen, Meersburg und Markdorf wurden aber bald Ortsgruppen gebildet mit unterschiedlichem kulturellem Schwerpunkt. Im damaligen Bodensee-Club waren 86 Bildende Künstler, 60 Schriftsteller, 50 Musiker und 17 Schauspieler vertreten. Erst 1989 wurde der Club in Internationaler Bodensee-Club (IBC) umbenannt, um auch die Schweiz und Österreich mit ins Boot zu holen. In St. Gallen, Thurgau und Bregenz wurden Clubs gegründet. Der Gesamtclub bereichert auch heute noch durch Ausstellungen, Lesungen und Konzerte das kulturelle Geschehen in der Region.

Wie hat sich der IBC entwickelt, wo steht man heute?

Kornelius Otto: Im Jahr 2010 haben sich die einzelnen Regionalclubs als eingetragene Vereine selbstständig gemacht mit gleichlautender Satzung. Aktuell hat der IBC Überlingen 203 Mitglieder, der Konstanzer Club etwa dieselbe Anzahl. Dort wird der Schwerpunkt auf Literatur und Musik gelegt. Wir hier in Überlingen sind weitgehend auf die Bildende Kunst ausgerichtet. Derzeit gehören 99 ausstellungsberechtigte Künstler dem Verein an, die über ein Bewerbungsverfahren ausgewählt werden. Wir haben eigene Ausstellungsräume angemietet, die Galerie Gunzoburg in der Aufkircher Straße, wo wir auch Gastkünstlern die Möglichkeit zur Präsentation ihrer Arbeiten anbieten. Zum Jahreswechsel gibt es immer eine große Mitgliederausstellung in der städtischen Galerie Fauler Pelz und in Ludwigshafen veranstalten wir jährlich eine Kunstmesse im Zollhaus, dazu überregionale Ausstellungen an wechselnden Orten. Die Musiker Bernhard Rißmann und Ulrike Hethey bereichern in der Sparte Musik mit Konzerten und experimentellen Aktionen die Bestrebungen des IBC, kulturell erweiternd auf die Region einzuwirken. Die Regionalclubs in Österreich und der Schweiz ruhen derzeit.

Frau Klakla, als neue Leiterin der Sektion Bildende Kunst sind sie ordentlich gefordert mit Organisationsaufgaben. Wie möchten Sie auf die weitere Entwicklung einwirken?

Joanna Klakla: Die Organisation von großen Ausstellungen und vor allem der Kunstmesse in Ludwigshafen stemmen wir im Team. In erster Linie möchte ich mittels kooperativer Projekte Kunst und Kulturschaffende zusammenführen, ganz nach dem Gründungsimpuls des IBC. Auch suchen wir mit dem Kulturamt der Stadt nach weiteren Möglichkeiten, auf das kulturelle Leben der Region einzuwirken. Und natürlich bauen wir unseren Stamm an professionell arbeitenden Künstlern aus und können einen steten Zuwachs auch aus der jüngeren Generation verzeichnen.

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Was plant der IBC zur Landesgartenschau?

Joanna Klakla: Begleitend werden sich in der Gunzoburg je drei IBC-Künstler in monatlichem Wechsel mit dem Thema Landschaft und Natur auseinandersetzen. Auf dem Gelände der Gartenschau hat die Stadt uns einen Bereich zur Verfügung gestellt für Skulpturen. Auch sind einige unserer Künstler bei den offiziellen Ausstellungen mit Skulpturen, Malerei und Fotografie vertreten.

Was ist zur Feier des 70. Geburtstags seitens des IBC geplant?

Kornelius Otto: Unter dem Motto „Der Aufbruch“ veranstalten wir in der Galerie Gunzoburg eine große Gedächtnisausstellung mit Künstlern, die beigetragen haben, den IBC über die Grenzen der Region hinaus bekannt zu machen. In den letzten Wochen und Monaten haben wir über 60 Arbeiten von 40 verschiedenen Künstlern zusammengetragen, meist aus Privatbesitz, aus Nachlässen oder öffentlichen Sammlungen. Wir öffnen damit ein Fenster in die Geschichte des IBC, bis heute lebendig in modernen, zeitgenössischen Konzepten unserer aktuellen Künstler.

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