Kurz nach dem dem ehemaligen Eingang zum Campingplatz bleibt Roland Leitner stehen. "Das ist einer meiner Lieblingsplätze", sagt der Geschäftsführer der LGS GmbH. "Von hier können Überlinger zum ersten Mal den ganzen Überlinger See bis Bodman sehen." Dies sei nur durch die Ummodellierung des Geländes möglich geworden. Stolz führt Leitner durch den Uferpark, der nach und nach Gestalt annimmt. Während der erste Bauabschnitt zwischen Bahnübergang und Goldbacher Kapelle schon zu weiten Teilen bepflanzt ist, sind die Bagger im zweiten Bauabschnitt noch mit den Erdarbeiten beschäftigt.

Im Schatten der alten Weide lässt sich der Blick über den Sere genießen
Im Schatten der alten Weide lässt sich der Blick über den See genießen

Die drei Terrassenstufen, die auf die unterschiedlichen Wasserstände des Bodensees abgestimmt wurden, sind jedoch schon klar erkennbar. Selbst wenn es zu einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser kommen sollte, bleibe der oberste Bereich des Parks nutzbar, sagt Leitner: "Wenn es nicht ganz katastrophal kommt, ist der Weg immer trocken."

Besonders ins Auge fällt gleich zu Beginn der rund fünf Meter hohe Erdwall im östlichen Eingangsbereich. Auch wenn zuletzt im Internet Kritik an der Höhe und Länge des Walls aufkam, betont Roland Leitner, dass dieser von Anfang an in diesem Ausmaß geplant war. Der Hügel erfülle zwei wesentliche Funktionen: Einerseits eine gestalterische, da er dem Gelände etwas die Enge zwischen Wohnbebauung und Bahnlinie nehme. Anderseits ein bauliche, da in diesem Bereich die Erdmassen, die durch die Abflachung des Ufers angefallen sind, ohne Abtransport wieder verbaut werden konnten.

Staudenpflanzungen vor der Goldbacher Kapelle
Staudenpflanzungen vor der Goldbacher Kapelle

Eigentlich war die Bepflanzung der Erhebung bereits für das Frühjahr geplant, wegen des unerwartet hohen Wasserstands mussten die Kräfte jedoch im Uferbereich konzentriert werden, sagt Leitner. Um den Gärtnern Arbeiten wie Mähen und Unkrautjäten zu ersparen, wird der Wall in den kommenden Wochen mit einer schwarzen Folie überzogen. Mit der Beplanzung mit Stauden soll dann im Herbst begonnen werden.

Zumindest an einer Stelle wird es einen Barrierefreien Zugang in den See geben
Zumindest an einer Stelle wird es einen Barrierefreien Zugang in den See geben

Gepflanzt wurde hingegen bereits eine Strandrasenpopulation im Flachuferbereich, die an der Uni Konstanz gezüchtet und von der Stadtgärtnerei großgezogen worden war. Doch auch hier hat der hohe Wasserstand im Frühjahr für Probleme gesorgt. Zwar habe man die Pflanzen mit Kokosrollen vor dem Wellenschlag zu schützen versucht. "Das hat aber nicht den erhofften Erfolg gebracht", erklärt Leitner. Deshalb müssen die Gärtner auch hier nochmals nachpflanzen. Dennoch ist der LGS-Geschäftsführer schon jetzt sehr zufrieden, da das am Bodensee einmalige Projekt gut angelaufen sei. "Wenn man es nicht versucht, weiß man nie ob es funktioniert."

Versuchen wollen die LGS-Planer auch nochmals, das Stellwerk der Bahn in den Uferpark zu integrieren. Ursprünglich sollte es zu einem Café umfunktioniert werden. Klar ist aber, dass die Bahn weiterhin den Bedarf für das Stellwerk hat, solange die Gürtelbahn nicht automatisiert ist. Da dies mit Sicherheit nicht mehr vor der Gartenschau geschehe, gehe es nun um die Frage eines Kompromisses. "Uns würde jeder Quadratmeter guttun", sagt Leitner, der verrät, dass noch im Laufe des Sommers ein abschließendes Gespräch der LGS GmbH und der Stadtspitze um OB Zeitler mit den Verantwortlichen der Bahn stattfinden soll.

Die Pflanzung einer Strandrasenpopulation im Flachuferbereich ist ein einmaliges Projekt am Bodensee.

Sollte es keine Einigung gebe, wäre das Stellwerk neben dem Höhensteg durch den Ochsengraben, der – wie Leitner zugibt – wohl nicht kommen wird, das zweite größere Projekt, das nicht realisiert werden kann. Für Leitner jedoch kein Drama. "Man weiß schon vorher, dass man nicht alles umgesetzt bekommt." Dennoch sei es wichtig, alles zu versuchen. Noch offen ist beispielsweise, ob die Seebühne und die schwimmenden Gärten tatsächlich umgesetzt werden können. "Technisch ist das machbar, aber finanziell eine große Herausforderung." Und das nur für ein halbes Jahr. Denn eines sei klar: Alle Bauten im See sind nur temporär, nicht aber langfristig, erlaubt. Deshalb werde es auch keine Schiffanlegestellen geben.

Eine ungewisse Zukunft hat auch die markante Trauerweide am westlichen Kopf des Geländes. Mehrere benachbarte Bäume seien vom Hallimasch-Pilz befallen gewesen. "Wir müssen davon ausgehen, dass auch diese Weide nicht ewig stehen wird", sagt Leitner. Als Ersatz wurden bereits vorsorglich zwei Eichen mit einem Stammumfang von 45 Zentimetern in direkter Nachbarschaft gepflanzt. "Für die Bäume haben wir viel Geld ausgegeben", sagt Leitner, wohl wissend, dass es erneut Kritik geben wird, sollte die Weide fallen – so wie vor der Fällung zahlreicher Platanen im Februar 2017. Als Ersatz wurden und werden im Park rund 60 neue Bäume gepflanzt. Leitner hofft, das es bis zur Ausstellungseröffnung im April 2020 nicht mehr so emotionale Debatten geben wird, wie wegen des Campingplatzes und der Platanen. Leitner: "Man muss sich bei solchen Großprojekten davon verabschieden, jeden mit ins Boot holen zu können. Aber insgesamt nehme ich die Stimmung sehr positiv wahr."

Im zweiten Bauabschnitt laufen noch die Erdarbeiten
Im zweiten Bauabschnitt laufen noch die Erdarbeiten