Am Ende wird Uwe Setzer, der Vorsitzende der gastgebenden Badischen Böllerschützen Nußdorf, hoch zufrieden sein: "Es war ein tolles Publikum, wir hatten herrliches Wetter, es gab keine Verletzungen. Das hätte nicht besser laufen können", lautete sein Fazit des 16. Silvesterböllerschießen, zu dem der Verein nach Alt-Birnau eingeladen hatte.

Bei sonnigen Wetter waren 18 Mannschafte und Einzelschützen angereist. Angefangen von zwei Kilogramm schweren Handböllern bis hin zu originalgetreuen Nachbauten von Kanonen und Haubitzen vergangener Jahrhunderte gab es allerhand Schießwerkzeuge zu bestaunen. Zu dem Ohren betäubenden Spektakel fanden sich auch über 200 Zuschauer ein. Für sie lagen Ohrstöpsel bereit, denn ein Knall aus der Kanone kann 120 Dezibel laut sein, so laut wie ein startender Düsenjet in 100 Metern Entfernung.

Die Brüder Uwe und Erich Setzer leiteten das Böllerschießen. Eine Viertelstunde, bevor um 14 Uhr das vom Ordnungsamt bewilligte Zeitfenster von 90 Minuten begann, bekamen die Teilnehmer noch die letzten Ansagen. Wobei die Sicherheit an oberster Stelle stand. Denn geschossen wird mit Schwarzpulver. Während Erich Setzer die Moderation übernahm, gab Uwe Setzer die Kommandos zum Laden, Zünder einsetzen und Feuern. Diszipliniert setzten die Schützen die Anweisungen um. Geböllert wurden langsame und schnelle Reihen, sowie in Salven. Die Zuschauer waren begeistert und honorierten jeden Durchgang mit Applaus.

Württembergische Gardeuniform

Franz Xaver Klöble kam mit seinem Kameraden Gerhard Zimmermann aus dem oberschwäbischen Maselheim bei Biberach angereist. Beide erschienen in originalgetreuer königlich-württembergischer Gardeuniform aus der Zeit des letzten württembergischen Königs Wilhelm II. Klöble ist Vorsitzender des Krieger- und Soldatenvereins von 1884, deren Gründung auf Veteranen des Preußisch-Französischen Krieges von 1870/71 zurückgeht. Heutzutage hat sich sein Verein der Pflege der christlichen und oberschwäbischen Heimatbräuche verschrieben. Er feuerte mit einem Handböller, dem kleinsten Gerät beim Silvesterschießen.

In originalgetreuer württembergischen Uniform trat Franz Xaver Klöble auf.
In originalgetreuer württembergischen Uniform trat Franz Xaver Klöble auf.

Schaftböller mit 18 Kilo Gewicht

Alfred Moosmann aus dem Schramberger Stadtteil Tennenbronn ist ein alter Bekannter beim Silvesterschießen. Das Gründungsmitglied der Tennebronner Böllergruppe kommt seit zehn Jahren zu seinen Nußdorfer Kameraden. Sein Verein veranstaltet das Neujahrsböllern im Schwarzwaldort. So sind oft Nußdorfer Böllerschützen am Folgetag ihres Silvester-Böllerschießens auf Gegenbesuch in Moosmanns Heimat. Mit seinem 18 Kilogramm schweren Schaftböller mit bayerisch-österreichischer Tradition, zieht Moosmann auf den Böllertreffen die Blicke schnell auf sich. Der Böller ist ein Eigenbau, den er günstig erwerben konnte.

Der Schaftböller von Afred Moosmann wiegt 18 Kilogramm.
Der Schaftböller von Afred Moosmann wiegt 18 Kilogramm.

Festungskanone aus Malta

Alfred Walser ist Gründungsmitglied des Böllervereins in Nußdorf. Beim Silvesterschießen seinen Vereins böllerte er mit einem originalgetreuen Nachbau einer Festungskanone aus Malta aus dem 15. Jahrhundert. Vereinschef Uwe Setzer hatte bei einem Maltabesuch Zeichnungen der Kanone erstellt und in Nußdorf mit dem Vereinskollegen Rolf Auer vor drei Jahern eine kleine Version nachgebaut. Das Festungsgeschütz hat ein Kaliber von 62 Millimeter und das Rohr ist etwa 70 Zentimeter lang. Daneben besitzt Walser einen Handböller, wie auch alle NußdorferBadischen Böllerschützen, die sie bei der Gründung ihres Vereins 1994 gebaut haben.

Alfred Walser mit dem Nachbau einer maltesischen Festungskanone.
Alfred Walser mit dem Nachbau einer maltesischen Festungskanone.

Europameister der Feldartillerie

RolfAuer von den Badischen Böllerschützen fasziniert der Nachbau von Geschützen, die tatsächlich existierten, und deren realistische Darstellung im Einsatz. Auer ist amtierender Europameister der Feldartillerie im 200 Meter Scharfschießen. Er besitzt mehrere selbstgebaute Geschütze. Sie ist ein Nachbau im Maßstab von 1:3 mit einem 80 Zentimeter langen Rohr. Die Originale waren von 1780 bis 1820 im Einsatz, um Geschosse über Mauern zu schießen oder Tore aufzubrechen. Seine Haubitze wir liebevoll "Kleines Erdbeben" genannt. Und tatsächlich ging über den ganzen Veranstaltungsort eine beeindruckende Druckwelle, wenn Auer seine Kanone abfeuerte.

Rolf Auers Haubitze, ein Nachbau in 1:3, sorgte für eine mächtige Druckwelle.
Rolf Auers Haubitze, ein Nachbau in 1:3, sorgte für eine mächtige Druckwelle.