"Man lernt so viel. Und man verliert die Angst vor dem eigenen Lebensende", sagt Hannelore Hübner, die jüngst ihren viermonatigen Vorbereitungskurs bei der Hospizgruppe Überlingen abgeschlossen hat. "Was mir sehr geholfen hat, war die Aussage eines Palliativmediziners, dass man heute ohne Schmerzen sterben kann."

Der Grund, warum sich Hannelore Hübner dafür entschieden hat, in der Hospiz zu arbeiten? "Ich habe gerne mit Menschen zu tun, ich bin christlich und auch religiös und wollte im Ruhestand was Sinnvolles tun und ein bisschen was zurückgeben", erklärt sie. "Denn uns geht es ja gut, da ist mir das ein Bedürfnis."

Mitarbeiter schlüpfen in die Rolle von Patienten

Sehr wichtig im Vorbereitungskurs sei der Selbsterfahrungsteil, sagt Koordinatorin Cornelia Haag und Hübner bestätigt das: "Die Rollenspiele waren für mich sehr wichtig. Wir schlüpfen in die Rolle des Patienten und bekommen dann ein Gefühl dafür, wie es eigentlich ist, gefüttert zu werden oder hilflos wo zu liegen und sich nicht ausdrücken zu können."

Oder etwas zu vergessen – beim Rollenspiel Demenz. Die Auszubildenden machten eine Übung, die darauf abzielte, dass sie sich Dinge nicht merken können. "Die Übung war so aufgebaut, dass man sich so fühlt wie jemand, der dement ist und Aspekte von sich selbst verliert", sagt Haag.

Auch das Feedback in der Gruppe sei sehr wichtig, findet Hannelore Hübner. "Die Teilnehmer sprechen über ihre Erfahrungen im Rollenspiel und in ihrem jeweiligen Praktikum. Das führt oft zu lebhaftem Austausch."

Damit der Mensch in Frieden gehen kann

Thema in der Ausbildung war auch die Zeit nach dem Tod und die Begleitung der Angehörigen, ebenso wie ein rechtlicher Teil, bei dem es um Patientenverfügungen und Vollmachten geht. "Die Angehörigen sind oft sehr erleichtert, wenn man das im Vorfeld klärt", sagt Haag, "denn sie sind verunsichert und hilflos."

Oft gehe es aber um viel mehr als "nur" um Patientenverfügungen: "Häufig haben wir Begleiter einen anderen Zugang als die Angehörigen, die Patienten können sich uns eher öffnen", sagt Brunhilde Feiler, die seit zehn Jahren bei der Hospiz arbeitet. "Alles Ungeklärte ist am Schluss präsent. Wichtig ist, wenn wir helfen können, Dinge zu klären, sodass der Mensch in Frieden gehen kann. Oft gibt es am Lebensende auch noch einmal eine Versöhnung."

Es geht darum, für den Sterbenden da zu sein

Und warum hat sich Brunhilde Feiler entschieden, in die Hospizarbeit zu gehen? Ihr Grund für diesen Weg war, dass sie eine schwerkranke Freundin bis zu deren Tod begleitete. "Ich habe für mich einen Sinn gesucht, warum sie sterben muss und dabei habe ich gemerkt, dass ich einen Zugang dazu habe, mit einer solchen Situation umzugehen. Ich habe die Liebe dazu."

Das Schwerste? "Das Schwerste ist das Aushalten, nichts tun zu können", sagt Brunhilde Feiler. "Aber eigentlich geht es ja darum, einfach nur da zu sein. Ich versuche zu erspüren, was braucht dieser Mensch jetzt und mich in diesem Moment ganz auf ihn einzulassen."

Und wie ist es, wenn ein Mensch, den man lange Zeit begleitet hat, dann gehen muss? Kann man sich ans Sterben gewöhnen? "Nach einer langen Begleitung vergieße ich schon ein paar Tränen – aber es ist wichtig, mitzufühlen, jedoch nicht mitzuleiden", sagt Brunhilde Feiler. "Man ist aber nicht ständig in Trauer, ich kann das bewusst ablegen, das muss man lernen. Wichtig ist, dass man auch psychisch stabil ist und sich mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzt."

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