Was, um Himmels willen, treibt Johann Senner an? So lautete die oft gestellte Frage am Freitagabend während des von seinem Verein Futur organisierten Spaziergangs. Senner, der es versteht, Gemeinderäte im ganzen Bodenseegebiet und darüber hinaus für seine Ideen von Landschaftsarchitektur zu begeistern, ist bekannt für seinen zwar stets empathischen, aber nie emotionalen Vortrag. Am Freitag stand ein anderer Senner vor dem Publikum, er war nervös, seine Stimme zitterte, Nebengeräusche würgte er barsch ab, und als seine Berufskollegin Marianne Mommsen, deren Arbeit er quasi in der Luft zerriss, nur einen Satz klarstellen wollte, ließ er sie nur unwillig zu Wort kommen.

Wenn es Johann Senner darum ging, die Bäume auf dem Landesgartenschaugelände zu erhalten, dann hätte er den politischen Weg bemühen können. Seit dreieinhalb Jahren müsste ihm, dem Profi, klar sein, dass das Gelände so stark modelliert werden soll, dass ein Großteil der Bäume fällt. Wenn ein Dirk Diestel als landschaftsarchitektonischer Laie seit Jahren darauf hinwies, welcher kulturhistorisch bedeutende Teil Überlingens dem Strandboden gleichgemacht werden soll, dann wusste der Landschaftsarchitekt Johann Senner schon zweimal, was da vor sich geht.

Der Stadt und der Landesgartenschau GmbH ist der Vorwurf zu machen, dass sie mit ihrem Wissen nicht offensiver an die Öffentlichkeit gingen. Sonst wäre das Entsetzen bei Futur-Mitgliedern, die am Freitag den bevorstehenden Kahlschlag in der Platanenallee betrachteten, nicht so groß gewesen. Wobei die Vielen, die sich zu Recht auf den neuen Uferpark freuen, an dieser Stelle nicht ungehört bleiben sollten. Dennoch: Es ist zu erwarten, dass die Wucht des Senner'schen Vortrags ein Erdbeben auslösen wird, weil Bäume die Emotionen der Menschen berühren.

 

Ist es das, was Senner antreibt? Der Wunsch, ein Erdbeben zu entfachen? Bei einem Beben würden die Schranktüren der Landesgartenschau GmbH aufschwingen. Es würde sich zeigen, was in den von Senner im Interesse der Öffentlichkeit angemahnten Plänen steht. Auch, ob mit der Genehmigungsplanung die der Honorarordnung entsprechende Kostenfeststellung vorliegt. Oder ob es das noch gar nicht alles gibt. In jedem Fall hätte Senner sein Ziel erreicht.