Wer seine Kinder aus der Kernstadt oder einem anderen Teilort in die Nußdorfer Montessori-Grundschule schicken wollte, der musste bisher beim Schulamt beziehungsweise beim Schulträger einen Schulbezirkswechsel förmlich genehmigen lassen. Längere Kontroversen hatte es im Frühjahr 2015 gegeben, da einigen Eltern die Zusage zunächst nicht erteilt worden war. Die Stadt hatte damals auf das Schulamt als zuständige Institution verwiesen, das Schulamt allerdings eingeräumt, von der Stadt um Aufschub bei den Genehmigungen gebeten worden zu sein.

Hartnäckigkeit von Uta Heuser macht sich bezahlt

Klarheit soll nun eine spezielle Öffnungsklausel in der Allgemeinverfügung der Stadt als Schulträger über die Einzugsbereiche der Grundschulen bringen. Sie gilt in Nußdorf für Eltern, die für ihre Kinder eine ausgewiesene Montessori-Grundschule wünschen, jedoch „maximal bis zum Erreichen der vom Gemeinderat 2015 beschlossenen Aufnahmekapazität der Grundschule Nußdorf von 75 bis 79 Schülern“. Dies entschied der Ausschuss für Bildung und Kultur auf Empfehlung des Staatlichen Schulamts jetzt einstimmig. Noch im Januar 2018 hatte das Gremium einen entsprechenden Antrag der Nußdorfer Schule abgelehnt. Umso mehr zeigte sich Schulleiterin Uta Heuser erfreut, dass ihre Hartnäckigkeit nach einem Vermittlungsgespräch im Verlauf des Sommers nun belohnt worden war und dankte dem Kulturausschuss für den mehrheitlichen Beschluss zugunsten Nußdorfs. „Unser Schulbezirk ist sehr eng gefasst“, erklärte sie zum einen. Zum anderen könnten es sich auch aufgrund der Preise immer weniger Familien mit Kindern leisten, in Nußdorf zu wohnen. "Sie sitze zwischen zwei Stühlen", sagt Heuser. Sie verstehe, dass andere Bezirke nicht gerne Schüler abgeben, doch wolle sie auch ihre Schule mit dem von der Stadt beschlossenen Profil sichern.

Schulbezirke sichern Existenz von Kleinschulen

Schulbezirke sollen Familien einen möglichst wohnortnahen Schulbesuch mit kurzen Schulwegen garantieren und zugleich den Bestand einer Grundschule sichern. Deshalb war der Vorstoß aus Nußdorf bislang auf die Skepsis anderer Schulen gestoßen. „Wir brauchen Schulbezirke“, sagt Stadtrat Ulf Janicke (LBU/Grüne). „Nur so können wir die kleinen Schulen erhalten und eine Planbarkeit sichern.“ 2017 waren die Schulbezirke dahingehend geändert worden, dass Kinder aus dem Teilort Bambergen seit diesem Schuljahr nicht mehr der Burgbergschule zugewiesen sind, sondern der aufgrund rückgängiger Schülerzahlen gefährdeten Grundschule in Lippertsreute, die seit Sommer mit Carmen Kindler nun auch wieder eine eigene Schulleiterin und nahezu 40 Schüler hat.

Montessori-Profil macht Nußdorfer Grundschule so populär

Im Vorfeld der jüngsten Beratungen hatte das Staatliche Schulamt nun zum einen auf das begrenzte Schülerpotenzial für die Nußdorfer Grundschule innerhalb der aktuellen Einzugsbereiche verwiesen. Allenfalls fünf bis sechs Schüler pro Jahrgang kämen derzeit aus dem eigentlich Schulbezirk. Eine dauerhafte Veränderung der Grenzen wollte die Stadt als Schulträger hier allerdings nicht vornehmen, da Familien ihre Kinder vorwiegend aufgrund des Montessori-Profils nach Nußdorf schicken. „Das Schulprofil alleine ist jedoch kein hinreichender Grund, um rechtlich einen Anspruch auf den Schulbezirkswechsel geltend zu machen“, betont Wolfgang Panzner, Rektor der Burgbergschule. Als geschäftsführendem Überlinger Schulleiter obliegt ihm die Erstbearbeitung der Anträge auf Schulbezirkswechsel. Erst bei Widersprüchen der Eltern ist das Staatliche Schulamt im Boot. „Wir hatten Anträge bisher vereinzelt auch abgelehnt“, erklärt Panzner. Meistens seien sie dann vom Schulamt genehmigt worden.

Schulleiterin Uta Heuser mit einigen ihrer Schützlingen.
Schulleiterin Uta Heuser mit einigen ihrer Schützlingen. | Bild: Hanspeter Walter

Das pädagogische Profil Nußdorfs nun als Grund für einen Schulbezirkswechsel in diesem speziellen Fall unmittelbar gelten zu lassen, ist nun als Ausnahmetatbestand in der Verfügung des Schulträgers verankert und soll die Entscheidungswege pragmatisch abkürzen, ohne dauerhafte Veränderungen vorzunehmen. Ansonsten sollen Schulbezirkswechsel „die Ausnahme bleiben“, wie Adelheid Hug von der Stadtverwaltung ausdrücklich betont. Das Gros der jüngsten Anträge sei von Bewohnern des Strandwegs und der Nußdorfer Straße sowie von Familien gekommen, deren Kinder schon das Montessori-Kinderhaus besucht hatten. Doch sowohl Burgberg- als auch Wiestorschule seien zuletzt von Abwanderern nach Nußdorf betroffen gewesen, sagt Wolfgang Panzner. Die Stadt rechnet zumindest im Zentrum mittelfristig wieder mit Schülernachschub aus den neuen Wohngebieten am Turmgartenweg und am Hildegardring. „Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt“, betont Panzner, „und werden das gut beobachten.“

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