Stirnrunzeln beim Oberbürgermeister. Per Facebook schickte Jan Zeitler eine Bitte um Aufklärung hinaus in die Welt. "Ich verstehe es wirklich nicht!" schrieb er zu einem Foto, auf ihm waren abgelegte Müllsäcke vor der Rathaustüre zu sehen.

Absender am Müllsack

Auf den ersten Blick wirkte es wie ein Anschlag mit Müll. Bei genauer Betrachtung waren die Absender der Säcke erkennbar: Die Kinder-Demonstranten von "Friday for Future". Nicht nur Schule schwänzen könnten sie, sondern auch Müll einsammeln, so ihre Botschaft, mit der sie sich auf einem Pappschild neben den Säcken outeten.

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Dem OB erschloss sich die Aussage nicht, er titulierte die Aktion als "Protestaktion vor dem Rathaus Überlingen durch Ablagerung von Müllsäcken" und richtete seine Frage an die Netzgemeinde: "Was möchte man uns als Stadtverwaltung damit sagen? Ich verstehe es wirklich nicht!"

Die erwartbare Empörung bei seinen Facebook-"Freunden" erntete er. Eine "Unverschämtheit" sei so ein Verhalten und "traurig", ja, man müsse froh sein, "wenn nichts in die Luft fliegt", schrieben diese.

Ein Fall für Narrenpolizist Andreas Taglang.
Ein Fall für Narrenpolizist Andreas Taglang. | Bild: Kleinstück, Holger

Narrenpolizist ermittelt

Andreas Taglang, immerhin ist er Narrenpolizist, bewies den richtigen Riecher. Er klärte auf der Zeitler'schen Facebook-Seite auf. Denn das Thema der letzten Schüler-Demo lautete "Müllvermeidung und Plastikmüll in den Weltmeeren". Das war ein erstes Indiz, aus dem der Narrenpolizist den richtigen Schluss zog, wonach die Säcke nur symbolhaft vor dem Rathaus abgelegt wurden und sie sich mitnichten gegen das Rathaus richten.

Die Schüler nach der Demo beim Müllsammeln.
Die Schüler nach der Demo beim Müllsammeln. | Bild: Giada Marino

Demnach nahmen die Schüler-Demonstranten dem Werkhof sogar die Arbeit ab. Giada Marino vom Organisationsteam der Überlinger Klima-Demos: "Gemäß des Leitfadens der Bewegung, dass jeder Einzelne etwas tun und bewegen kann, haben die Schüler selbst Müll aufgelesen."

Dem Werkhof die Arbeit abgenommen

Ein von Giada Marino an unsere Redaktion geschicktes Foto zeigt die Schüler, wie sie im Stadtgraben Müll aus dem Bach fischen. Bevor der Abfall seinen Weg Richtung Weltmeere fortgesetzt hätte, landete er dort, wo er jetzt die größtmögliche Aufmerksamkeit erregte – bei Jan Zeitler vor der Rathaustüre.

Und was lernen wir daraus? Dass Fastnacht ganzjährig sein sollte: Der Narrenpolizist als Symbol für den gelassenen Umgang miteinander. Auf dass der harmlose Müllsack nicht virtuell als Kofferbombe explodiert.