Deutlich weniger Teilnehmer als in den Wochen zuvor: Rund 50 Schüler und einige Erwachsene nahmen am Klimastreik in der Überlinger Innenstadt teil. Karol Roller hat die Demonstration angemeldet. Natürlich wären mehr Teilnehmer besser gewesen. Aber nach den großen Demonstrationen in Friedrichshafen zum weltweiten Aktionstag und der Aktion in Ravensburg, zu der mehr als 1500 Demonstranten kamen, sei ein kleiner Hänger schon verständlich.

Einige Schüler kommen regelmäßig zur Demonstration. Konsequenzen mussten sie bislang noch nicht spüren, wenn sie unentschuldigt im Unterricht fehlten. Es gibt zwar einen Eintrag ins Klassenbuch – aber solange keine Prüfung versäumt wurde und die Anzahl der Fehlstunden nicht zu hoch sei, würde ein Auge zugedrückt. „Bei uns ist das kein Massenphänomen“, sagt Hans Weber, Schulleiter des Gymnasiums. „Mir ist kein Fall bei uns bekannt, dass eine Klassenarbeit versäumt wurde“, so Weber. „Deswegen besteht auch kein Leidensdruck.“ Am Gymnasium wird das Thema regelmäßig im Fach Gemeinschaftskunde behandelt. Auch andere Fachlehrer greifen das Thema auf, so die 14-jährige Vivian. Manche würden das Fehlen allerdings kritisch sehen. „Die Schule geht vor, heißt es dann.“

Karol Roller (links) spricht nach dem Demonstrationszug am Hofstatt.
Karol Roller (links) spricht nach dem Demonstrationszug am Hofstatt. | Bild: Matthias Eckmann

Sie hätte eigentlich eine Doppelstunde Sport gehabt. „Auch im Konfirmandenunterricht haben wir darüber gesprochen.“ Die Kirche steht den Demonstrationen offener gegenüber, findet sie. Aber insgesamt werde der Klima-Thematik an der Schule schon gut behandelt. Auch Taila besucht das Gymnasium und engagiert sich dort bei der Schülermitverantwortung. Mit ihrem Schulleiter hat sie sich schon über den Klimastreik ausgetauscht, „aber privat“ und nicht in ihrer Funktion. Sie hat den Eindruck, dass er sie bei ihren Anliegen unterstütze. Hans Weber zeigt sich über den Einsatz seiner Schüler erfreut. „Der nächste Schritt wäre, das tägliche Handeln umzustellen. Auch bei uns Erwachsenen.“

Nicht mit der Sanktionskeule schwingen

Weber macht aber auch deutlich, dass ein unentschuldigtes Fehlen auch Konsequenzen haben kann: Wenn eine Prüfung oder Klassenarbeit versäumt wird, habe das die Note sechs, ungenügend zur Folge. Auch ein Eintrag ins Zeugnis oder das Nachsitzen könnten Folgen von zu häufigem Fehlen sein. „Ich möchte nicht mit der Sanktionskeule schwingen“, sagt Weber. „Ich habe die Aufgabe, die Schulpflicht aufrechtzuerhalten.“ Auch Karin Broszat, Rektorin der Realschule, zeigt sich Erfreut über das politische Engagement ihrer Schüler. Auch sie verweist im selben Atemzug auf die Schulpflicht. Die Teilnahme an Demonstrationen erfülle allerdigns keinen in der Schulbesuchsverordnung aufgezählten Ausnahmetatbestand. Außerdem verweist sie auf das Neutralitätsgebot an Schulen, welches die Kinder vor Instrumentalisierung und Beeinflussung schütze. „Insofern behandeln wir die Teilnahme wie unentschuldigtes Fehlen.“

Zum Abschluss gibt es eine Kundgebung vor dem Rathaus.
Zum Abschluss gibt es eine Kundgebung vor dem Rathaus. | Bild: Matthias Eckmann

Die meisten Teilnehmer der Fridays-for-future Demonstration besuchen allerdings die Freie Waldorfschule. Ruben (16) versäumt durch seine Teilnahme den Matheunterricht und seinen Russisch-Kurs. Carlota (14) hätte eine Doppelstunde Sport gehabt. „Wenn die Schüler ein oder zwei Stunden fehlen, dann reagieren die Lehrer nicht großartig drauf.“ Der 15-jährige Simon hätte Deutsch-, Technik- und Kunstunterricht gehabt. Eine Lehrerin würde sein Fehlen bestimmt missbilligen, sagt er. Die anderen Beiden unterstützten die Demonstrationen. „Unser Mathelehrer hebt den Daumen, wenn er mit dem Fahrrad an der Demo vorbeifährt.“ Und eine Lehrerin hat teilgenommen. Tsenala Paul, Englischlehrring an der Freien Waldorfschule ruft die Slogans mit. „Ohne den Druck auf der Straße, würde die Politik sich nicht so oft mit dem Thema beschäftigen.“