Zum 26. Mal sind Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule für zwei Wochen in ein osteuropäisches Land gereist, um sich mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen.

Lois Marjutov (links) mit Elisabeth Lang und Ramona Jakob bei der Arbeit an Holzschildern für den Friedenspfad.
Lois Marjutov (links) mit Elisabeth Lang und Ramona Jakob bei der Arbeit an Holzschildern für den Friedenspfad. | Bild: Schule

Unter dem Motto „Arbeit für den Frieden“ pflegten 21 junge Menschen im Rahmen einer internationalen Jugendbegegnung Soldatenfriedhöfe bei Sandanski im Südwesten von Bulgarien nahe den Grenzen zu Griechenland und Mazedonien – und das bereits zum zehnten Mal. Mit dabei waren auch acht Jugendliche aus Sandanski am Fuße des Piringebirges. Die zweiwöchige Aktion erfolgte wie in den Vorjahren in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Baden-Württemberg des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK).

Hier entstehen Freundschaften

Mit der Jugendbegegnung wurde die Gewerbeschule erneut ihrem Auftrag als Unesco-Projektschule gerecht. Hubert Gobs, der die Jugendlichen seit vielen Jahren begleitet, erläuterte, dass der Nachwuchs sich mit der Geschichte vor Ort auseinandergesetzt habe, die ein Unterricht nicht vermitteln könne. Dass der Ausflug von Erfolg gekrönt gewesen sei, habe man beim Abschied gemerkt. „Es waren herzergreifende Szenen mit vielen Tränen und Umarmungen. Es sind richtige Freundschaften entstanden“, sagte Gobs. „Alles in allem war es wieder eine tolle Geschichte zur Völkerverständigung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unterstützung erhielt die Besuchergruppe in Sandanski von Lussy Karaivanova, der lokalen Repräsentantin der Kriegsgräberfürsorge, die seit 1998 die Jugendbegegnung betreut und seit mehr als 20 Jahren in Bulgarien letzte Ruhestätten im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallener deutscher Soldaten in gutem Zustand hält. Im Mittelpunkt der Arbeit der Jugendlichen standen Arbeiten auf Soldatenfriedhöfen. Beispielsweise in Sandanski, wo 19 deutsche Tote des Ersten und 16 Tote des Zweiten Weltkrieges bestattet sind, oder in Marino Pole, wo es Steinplatten mit den Namen von 369 deutschen Toten gibt.

Das könnte Sie auch interessieren

Besucht wurde auch das Fliegergrab Roshen, benannt nach der nächsten Ansiedlung im Gebirge. Auf einem Gedenkstein stehen hier die Namen von vier deutschen Soldaten – die Besatzung eines Bombers vom Typ Junkers JU 88, der am 16. April 1941 auf dem Rückflug von einem Angriff auf Griechenland wenige Meter oberhalb des heutigen Grabes abgestürzt war. Das Grab war in Vergessenheit geraten, bis sich Jugendliche im Rahmen der Jugendbegegnung 1998 der Sache annahmen. Auf allen Friedhöfen wurde Unkraut und Müll entfernt, Namenstafeln ausgemalt sowie Hecken geschnitten.

Wanderung auf dem Friedenspfad

Gewandert wurde auf dem von der Jörg-Zürn-Schule im Jahr 2000 angelegten internationalen Friedenspfad im Piringebirge, für den Holzschilder hergestellt wurden. Auch fertigten die Jugendlichen ein Plakat anlässlich 100 Jahre VDK an, welches in der Gewerbeschule ausgestellt werden wird. Ergänzt wurde die Arbeit durch verschiedene Workshops. Zudem wurde ein bulgarischer Volkstanz erlernt. „Von diesem Reigen waren alle sehr angetan“, erinnert sich Gobs.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Gruppe besuchte die griechische Gedenkstätte Kerdyllia, wo die SS im Zweiten Weltkrieg Männer im Alter zwischen 15 und 65 Jahren erschießen ließ. Besonders angetan waren die Jugendlichen hier von einer Begegnung mit dem 92-jährigen Zeitzeugen Panajotis Ziangas, der sich an die Ereignisse im Oktober 1941 erinnerte. Nach Darstellung der Schüler Lukas Haas und Nikolas Jasper erlebte der damals 14-Jährige, wie deutsche Soldaten sein Heimatdorf umzingelten, die Dorfbewohner zusammentrieben und Frauen und kleine Kinder von den Männern trennten.

Bericht eines Zeitzeugen

Er sei aufgrund seines Alters weggeschickt worden. Anderntags habe er 140 erschossene Männer und das niedergebrannte Dorf erleben müssen. „Das zu hören war sehr ergreifend“, so Gobs. Abschließend habe Panajotis allen noch ein beeindruckendes Zitat mit auf den Weg gegeben: „Wenn du etwas von jemanden anderen bekommst, dann sind deine Hände voll, aber wenn du etwas gibst, dann ist dein Herz voll.“

Der restaurierte Flugzeugflügel mit den aufgeklebten Zetteln, mit denen die Jugendlichen ihre Eindrücke der Begegnung fixierten.
Der restaurierte Flugzeugflügel mit den aufgeklebten Zetteln, mit denen die Jugendlichen ihre Eindrücke der Begegnung fixierten. | Bild: Schule

Den Abschluss bildete eine Feier auf dem Friedhof in Sandanski, bei dem ein Flugzeugflügel des 1941 abgestürzten Bombers einbezogen wurde. „Der 2,50 Meter lange und einen halben Meter breite Flügel war erst vor kurzem gefunden und akribisch gesäubert worden“, sagte Gobs. Auf den Flügel klebten die Jugendlichen Zettel mit ihren Eindrücken der Begegnung. Dort hieß es: „Die Soldaten sind sehr jung gestorben. Es ist traurig, dass sie ihre Träume nicht mehr verwirklichen konnten.“ Oder: „Warum gibt es immer noch Krieg, obwohl man aus den Kriegen der Vergangenheit bemerkt haben sollte, wie grausam Krieg ist?“