Die Resonanz auf das Angebot des Vereins war verhalten: Lediglich vier private Brunnen- und Quellenbesitzer aus Überlingen und benachbarten Gemeinden kamen am Montagnachmittag an den Mantelhafen zur Wasserprobenanalyse. Wenig überrascht zeigte sich Physiker Harald Gülzow vom Umweltschutzverein VSR-Gewässerschutz. Seiner Erfahrung nach steigt die Zahl der Interessenten, die wissen wollen, wie es um die Qualität ihrer heimischen Brunnenwasser bestellt ist, mit der intensiveren Nutzung des Brunnenwassers. Und die erfolgt in den Sommermonaten. Der Gewässerschutzexperte und seine Mitarbeiterin Lina Remme vom Bundesfreiwilligendienst haben dieses Jahr zum ersten Mal mit ihrem Labormobil im Bodenseekreis Station gemacht.

Diplom-Physiker Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz sagt: „Jeder Bürger ist eigentlich dafür verantwortlich, dass mit dem von ihm geförderten Brunnenwasser niemand gefährdet wird.“
Diplom-Physiker Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz sagt: „Jeder Bürger ist eigentlich dafür verantwortlich, dass mit dem von ihm geförderten Brunnenwasser niemand gefährdet wird.“ | Bild: Silvia Raich

Nährstoffgehalt wichtig fürs Düngen

Der Verein VSR-Gewässerschutz hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität des Grundwassers zu verbessern und auf Gefahren hinzuweisen. Ein Problem stellt die Nitratbelastung des Grundwassers durch Düngemittel dar. Der Gesetzgeber sehe vor, dass im Trinkwasser nicht mehr als 50 Milligramm Nitrat pro Liter enthalten sein dürfen, erklärt Harald Gülzow. Das Ziel von VSR-Gewässerschutz bestehe darin, „diesen Grenzwert auch für das Grundwasser zu erreichen“. Für die Brunnenbesitzer sei es von Nutzen, den Nitratgehalt ihres Gießwassers zu kennen, um ihn in die Düngeberechnung beispielsweise für Gemüse aufnehmen zu können. So ließen sich unnötige Nitratanreicherungen in den Pflanzen und im Boden verhindern.

Untersuchung erfolgt direkt im rollenden Labor

100 bis 120 Aktionen zur Brunnenwasseranalyse bewerkstelligen die Umweltschützer pro Jahr. Pro Aktion werden durchschnittlich 40 Proben analysiert. Die Brunnenbesitzer haben dabei die Möglichkeit, ihre Proben direkt im mobilen Labor im Rahmen einer Grunduntersuchung auf deren Nitrat-, Säure- und Salzgehalt hin testen zu lassen. „Diese Grunduntersuchung ist eine reine Gießwasseranalyse“, sagt Harald Gülzow. Entscheidend sei, wofür das Wasser benötigt wird. Wenn es in Bereichen genutzt werde, in denen die Hygiene wichtig ist, wie zum Bewässern von Gemüse, zum Befüllen von Planschbecken, zum Duschen, Kochen oder gar als Trinkwasser für Mensch und Tier, sind umfangreichere Untersuchungen erforderlich. Bei diesen Analysen, die im Labor der Umweltschutzorganisation in Geldern stattfinden, werden die Proben unter anderem auf ihren Eisen- und Phosphatgehalt sowie Bakterien untersucht.

Lina Remme und Harald Gülzow bei der Analyse einer Wasserprobe im Labormobil.
Lina Remme und Harald Gülzow bei der Analyse einer Wasserprobe im Labormobil. | Bild: Silvia Raich

Dieter Joos will es ganz genau wissen

Neben zwei weiteren Brunnenbesitzern hat sich Dieter Joos für eine umfassendere Untersuchung seiner Wasserprobe entschieden. „Ich komme, weil ich schon längst wissen wollte, ob das Wasser nicht kontaminiert ist“, sagt er. Der Überlinger verfügt über eine Quelle auf seinem Grundstück, die bei einem Erdaushub entdeckt wurde. Bislang nutzte er deren Wasser zum Bewässern des Rasens und der Blumen. Jetzt möchte er es zudem für den Gemüseanbau verwenden. In etwa drei Wochen werden ihm die Umweltschützer in einem Gutachten mitteilen, ob er sein Quellwasser auch für diesen Zweck ohne Bedenken gebrauchen kann.

Dieter Joos aus Überlingen hat eine Probe Quellwasser aus seinem Garten zur Untersuchung mitgebracht.
Dieter Joos aus Überlingen hat eine Probe Quellwasser aus seinem Garten zur Untersuchung mitgebracht. | Bild: Silvia Raich

Kleine Stichprobe reicht für generelle Aussage nicht aus

Gegen Ende der zweistündigen Aktion lagen erste Ergebnisse über den Nitratwert der Wasserproben vor. Alle waren laut Auskunft der Umweltschützer „mit unter 25 mg/l Nitratgehalt völlig in Ordnung“. Auf der Basis von lediglich vier eingereichten Proben sei dieses Resultat allerdings von geringer Aussagekraft für die Qualität der Brunnengewässer in Überlingen und Umgebung.

Dieter Joos (rechts) lässt das Wasser aus einer Quelle in seinem Garten von Experte Harald Gülzow prüfen. Die Werte sind in Ordnung, mit dem Wasser kann Dieter Joos auch das Gemüse im Garten gießen.
Dieter Joos (rechts) lässt das Wasser aus einer Quelle in seinem Garten von Experte Harald Gülzow prüfen. Die Werte sind in Ordnung, mit dem Wasser kann Dieter Joos auch das Gemüse im Garten gießen. | Bild: Silvia Raich

 

Der Verein VSR-Gewässerschutz

Der Anfang der 80er Jahre gegründete gemeinnützige „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“, heute kurz VSR-Gewässerschutz, mit Sitz im nordrheinwestfälischen Geldern hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität des Grundwassers zu verbessern. Neben der Beprobung von Flussgewässern im Einzugsgebiet von Nord- und Ostsee bildet die Analyse privater Brunnenwasser einen weiteren Schwerpunkt seiner Arbeit. Vom Frühjahr bis in den Herbst fahren die Umweltschützer mit ihrem Labormobil quer durch Deutschland in die Städte – hin zu den Brunnenbesitzern. Sie informieren vor Ort über Belastungen des Grundwassers sowie deren Ursachen, untersuchen Wasserproben und bieten individuelle Beratungen für private Brunnenbesitzer.