Wer gerne Fußball schaut, weiß, dass die Spieler nicht immer zuhören, wenn der Schiedsrichter ihnen etwas zu sagen hat. Ganz anders am Freitagabend in der Klinik Buchinger-Wilhelmi: Rund 80 Zuhörer, darunter auch die gesamte erste Mannschaft und der Vorstand des FC 09 Überlingen lauschten gebannt, als Schiedsrichter-Legende Herbert Fandel von seiner Zeit auf dem Feld erzählte. Fandel war viele Jahre auf höchstem internationalem Niveau tätig, leitete unter anderem ein Champions-League-Finale, mehrere DFB-Pokal-Endspiele und war der deutsche Schiedsrichtervertreter bei der Europameisterschaft 2008.

Im Gespräch mit Klinik-Chef Raimund Wilhelmi und dessen Sohn Leonard berichtete Fandel vom Druck, der auf Schiedsrichtern lastet, von der eigenen Enttäuschung nach Fehlentscheidungen aber auch von erfreulichen Begegnungen. Immer wieder zog der Pianist Parallelen zwischen Sport und Musik und betonte deren Bedeutung für die Gesellschaft: "Fußball und Musik brauchen keinen Nachhilfeunterricht, was die Integration betrifft."

Herbert Fandel hat nach seiner Schiedsrichterlaufbahn die Leitung des Kulturamtes im Eifelkreis Bitburg-Prüm übernommen. Über diese Funktion kam auch der Kontakt nach Überlingen zustande. Der Überlinger Dirigent Georg Mais, Mitglied des FC 09 und stellvertretender Vorsitzender des neu gegründeten Fördervereins, arbeitet seit vielen Jahren mit Fandel zusammen und überzeugte ihn, für einen Vortag an den Bodensee zu kommen. Ziel der Veranstaltung war es schließlich auch, den Förderverein bekannter zu machen und zusätzliche Unterstützer zu werben. Da Fandel laut eigener Aussage der Amateurfußball besonders am Herzen liegt, sagte er zu: "Hätte Köln, Dortmund oder München angefragt, hätte ich vielleicht weniger Zeit gehabt."

Oberbürgermeister Jan Zeitler, Vorsitzender des Fördervereins, und Günter Hornstein, stellvertretender Vorsitzender des Fußballvereins, zeigten sich nach der Veranstaltung zufrieden. Der Vortrag sei ein guter Auftakt für eine Marketingaktion gewesen, mit der die Fußballer um Spenden werben möchten. Diese brauche es, da der Verein nach wie vor verschuldet sei, wie Hornstein erklärte: "Um unser Niveau halten zu können, brauchen wir die Unterstützung des Fördervereins." Auch Leonard Wilhemi freute sich über die gelungene Veranstaltung und darüber, dass viele Überlinger gekommen waren, die man ansonsten nicht in der Fastenklinik antreffe: "Es gibt immer noch gewisse Berührungsängste von der Bevölkerung. Der Abend heute hat aber gezeigt, wie integrierend der Fußball ist."