Das Corona-Virus ist vor allem für die älteren und schwächeren Mitglieder unserer Gesellschaft gefährlich. Deshalb entstehen immer mehr Nachbarschaftshilfen und andere Hilfsangebote, um dafür zu sorgen, dass die Risikopatienten zu Hause bleiben können. Auch wenn wir alle auf Distanz gehen sollen, rücken wir so ein Stück näher zusammen.

Viel Zulauf für „SKverbindet“

Dafür sorgt zum Beispiel Julia Rüping. Sie hat sich bei bei der Plattform des SÜDKURIER „SKverbindet“ angemeldet, um die Menschen zu unterstützen. Sie wurde am Montag, 23. März, zum ersten Mal von einer älteren Dame angefragt, ob sie ihr frisches Brot und Kartoffeln vom Einkaufen mitbringen könne. „Das habe ich dann direkt erledigt. Voraussichtlich bringe ich ihr Ende der Woche wieder etwas. Wenn ich dann wieder einkaufen gehe, sage ich ihr Bescheid“, sagt Julia Rüping. Sie geht davon aus, dass dies ab jetzt eine feststehende Institution bleiben wird, solange die Situation so bleibt, wie sie momentan ist. Die Dame gab ihr auch gleich einen Geldbeutel mit Geld mit, um die Waren zu bezahlen.

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„Ich habe drei Kinder und einen Mann zu Hause. Da muss ich öfter einkaufen, und dann kann ich die Besorgungen gleich mitmachen. Wir gehören nicht zur Risikogruppe“, sagt Rüping. Sie fragt sich lediglich, was passiert, wenn die Supermärkte bestimmte Waren nur noch rationiert herausgeben. Ihr Vorschlag: Eine Art Berechtigungsschein, der von der Person ausgefüllt wird, die einen Helfer beauftragt hat. Die Pressestelle der Stadt Überlingen setzt laut eigenen Angaben „darauf, dass bei dem Verdacht, ein Helfer würde Hamsterkäufe tätigen, der Hinweis auf die Versorgung von Personen der Risikogruppe genügt, um entsprechendes Verständnis hervorzurufen“. Bislang seien solche Fälle der Stadt auch nicht bekannt. Ein eigener Einkaufsservice, wie von anderen Gemeinden initiiert, sei derzeit nicht geplant.

Auch der Ruderclub ist dabei

Bernd Kuhn wiederum hat als Ehrenvorsitzender des Überlinger Ruderclubs Bodan die jungen Ruderer motiviert, bei „SKverbindet“ ihre Hilfe anzubieten. Nun koordiniert er die jungen Sportler, schaut beispielsweise, wer am nächsten beim Hilfesuchenden wohnt. „Alle haben sofort zugesagt“, sagt er. „Aber bisher hat nur eine Person angefragt und hat sich dann nicht wieder gemeldet.“ Er vermutet, viele würden den Einkauf weiterhin selbst machen, und wenn sie es nicht mehr könnten, wahrscheinlich die Verwandtschaft oder die Nachbarn fragen.

Auch bei Andrea Kuhnen hat sich bisher niemand gemeldet. Sie versucht der Corona-Krise etwas Positives abzugewinnen. Sie sagt: „Ich wünsche mir, dass sich diese gegenseitige Untersützung noch lange weiterzieht. Das ist mal wieder ein positiver Impuls, dass Menschen wieder aufeinander zugehen. Diese Wertschätzung sollte bleiben. Das ist ganz wichtig, dass dieser Egoismus mal wieder vom Tablett kommt.“

Es gibt in dieser Zeit auch Trittbrettfahrer

Bei der Nachbarschaftshilfe Meersburg ist laut Anja Adam bisher ebenfalls noch alles relativ ruhig. Lediglich ein paar Einkäufe seien getätigt worden. Die Hilfsbedürftigen bestellten selbst beispielsweise bei Bäckereien vor, um es dem Helfer leichter zu machen. Sie bekämen die Einkaufszettel per Anruf oder E-Mail, veröffentlichen diese auf Facebook, ein Mitglied oder mehrere melden sich und danach bekommt der Hilfesuchende direkt Bescheid, wann und von wem sein Einkauf erledigt wird. „Ich habe auch das Gefühl, dass die Leute uns vertrauen“, sagt Adam. Es gebe auch viele Trittbrettfahrer, die diese Not ausnutzen. Die Meersburger Gruppe bestehe mittlerweile aus 150 Mitgliedern. „Wir haben bisher sehr gute Erfahrung gesammelt und lernen auch noch viel dazu.“

Die Gemeinde Owingen hat einen eigenen Versorgungsservice

Die Gemeinde Owingen hat ebenfalls einen Versorgungsservice „Bleib zu Hause“ gegründet. Regina Holzhofer sagt: „Helfer haben sich schon ganz viele gemeldet, die stehen in den Startlöchern. Die Hilfsbereitschaft ist in Owingen und seinen Ortsteilen wie erwartet riesengroß.“ Die Hilfe jedoch anzunehmen, sei für die Hilfsbedürftigen bestimmt ein großer Schritt. Und wenn sich nicht viele Menschen melden würden, heiße das vielleicht auch, dass sie schon vorher gut vernetzt waren und dass die nachbarschaftliche Hilfe auch ohne Zutun der Gemeinde funktioniert.

Gewappnet für den Ernstfall

Carmen Kindler, Rektorin der Grundschule Lippertsreute-Deisendorf, bietet die technische Infrastruktur, sowie eine feste Adresse und eine Telefon-Nummer für die Initiative „ÜB hilft“, die von Felix Görlach initiiert wurde. Sie sagt: „Die Initiative „ÜB hilft“ trifft nach wie vor auf positive Resonanz. Nach einem Praxistest von „Anruf bei der Hotline“ und „Eingabe in der Plattform“ sei keine Minute vergangen, bis sich unter „Ergebnis mittels Helfer“ jemand meldete.

Das stimmt sie zuversichtlich für den Ernstfall. Der bestehe aus einer Fülle an Anrufen, sei jedoch bisher nicht eingetreten, was Kindler auf die Vielzahl an Angeboten zurückführt, die zwischenzeitlich in Überlingen und seinen Teilorten entstanden sind.

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