Als der 49-jährige Mann auf seinen Porsche blickte, erschrak er: Tiefe Kratzer, unentzifferbare Schriftzeichen, ein Phallussymbol, gleich an drei Stellen seines Autos, auf der Motorhaube, in der Fahrertüre und der Hintertüre.

Ein Zufallsopfer

Der Schaden am Porsche, Modell Macan, ist noch nicht geschätzt, dürfte aber in die Tausende gehen. Der Überlinger, der als Maschinenbauingenieur im Entwicklungszentrum von Porsche arbeitet, fragte sich zunächst besorgt: "Hat da jemand etwas gegen mich?" Nein, der 49-Jährige ist ganz offensichtlich ein Zufallsopfer.

Serienstart im Juni

Die Polizei zählt mittlerweile mehr als 40 Fälle von zerkratzten Autos, vorwiegend in der Überlinger Altstadt. Die Serie begann um den 23. Juni herum, sagt Andreas Rieß vom Führungsstab der Polizei. Der jüngst bekannt gewordene Fall geschah zwischen 30. Juli und 1. August. Den Gesamtschäden beziffert die Polizei auf annähernd 100 000 Euro.

Täter Hans?

Vielleicht heißt der Täter Hans, vielleicht auch ganz anders. Auffallend ist jedenfalls, dass er mehrfach das Wort Hans in den Lack kratzte, auch andere, mehrfach verwendete Begriffe, die die Polizei vorläufig aber nicht nennen möchte.

Mit dieser Aufnahme einer Videokamera eines Privatparkplatzes sucht die Polizei nach einem unbekannten Täter, der Autos zerkratzte. Ob dieser Mann für alle 40 Fälle einer Serie verantwortlich ist, ist noch unbekannt. Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 07 55 1/8 04-0 entgegen. Bilder: Polizeipräsidium Konstanz
Mit dieser Aufnahme einer Videokamera eines Privatparkplatzes sucht die Polizei nach einem unbekannten Täter, der Autos zerkratzte. Ob dieser Mann für alle 40 Fälle einer Serie verantwortlich ist, ist noch unbekannt. Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 07 55 1/8 04-0 entgegen. Bilder: Polizeipräsidium Konstanz | Bild: Polizeipräsidium Konstanz

Auffallend an dem Wort "Hans" ist die ausgeprägte Handschrift, der Buchstabe H, der auf eine besondere Weise geschwungen wurde, von links unten nach links oben. Nun hofft die Polizei darauf, dass jemand die Schrift erkennt oder andere Beobachtungen schildern kann.

Einzelnes Opfer mit drei zerkratzten Autos

Eines der ersten Opfer war ein Unternehmer aus Überlingen, der seine Fahrzeugflotte für Autofahrten am Montagmorgen, 24. Juni, vorbereitet hatte. In gleich drei seiner Fahrzeuge wurde geritzt. "Das kostet mich Zeit, Ärger und Geld." Als er damals zur Polizei fuhr, entdeckte er in der Nachbarschaft weitere Fälle und vermutete, dass Fußballfans nach dem am 23. Juni gewonnenen Fußball-WM-Spiel gegen Schweden im Überschwang die Taten begingen.

Ermittlungsgruppe "Hans"

Ob sich alle Taten nur einer Person zuordnen lassen, sei genauso unbekannt wie das Motiv, das Geschlecht oder die Herkunft. Den Beamten, die sich in der fünfköpfigen Ermittlungsgruppe "Hans" konzentrieren, liegt mittlerweile das Video aus einer Überwachungskamera an einem Privatparkplatz vor. Sie zeigt eine männliche Person beim Zerkratzen eines Autos. Eine gewisse Auffälligkeit im Gang sei wahrnehmbar.

Spur der Verwüstung in der Altstadt

Die Tatorte lägen im kompletten Stadtgebiet, Bahnhofstraße, Amtsgericht, Christophstraße, Felderhausparkplatz, Gartenstraße, Münsterplatz, Krummebergstraße, Nußdorfer Straße, bis hoch an den Burgberg und ein Fall wohl auch im Oberriedweg. "Wir wissen nicht, ob die Taten alle an den Orten, wo sie gemeldet wurden, passierten. Vielleicht haben die Geschädigten die Kratzer ja auch erst später bemerkt, nachdem sie ihr Auto schon wieder bewegt haben."

Den Gesamtschaden an den beschädigten Autos schätzt die Polizei auf 140.000 Euro.
Den Gesamtschaden an den beschädigten Autos schätzt die Polizei auf 140.000 Euro. | Bild: Polizeirevier Überlingen

Der Unbekannte habe es hauptsächlich auf teure Autos abgesehen, mindestens Mittelklasse, eher gehobene bis obere Klasse: Porsche, Audi, Mercedes und andere. Das Tatwerkzeug ist bislang unbekannt. "Irgend ein unbekannter spitzer Gegenstand, mit dem man in der Lage ist, teilweise sehr tief in den Lack zu kratzen." Bevorzugt wird in die Motorhaube oder den Kofferraumdeckel gekratzt, da lässt es sich in gebückter Haltung leichter schreiben. Rieß: "Wir behaupten, dass der Täter schon etwas Zeit an den Autos verbringt, das ist keine Sache von wenigen Sekunden, teilweise sind zwei bis drei Wörter dabei. Und da besteht schon ein gewisses Entdeckungsrisiko."