Überlingen – „Du bist doch Noah Aghas und hast ‚mal beim BC Überlingen gespielt, gibst du mir ein Autogramm?“ Das Überlinger Basketballtalent Noah Aghas ist völlig überrascht, aber er gibt wie selbstverständlich sein erstes Autogramm in Überlingen. Der unbekannte Fan verschwindet mit dem unterschriebenen Basketball so schnell wie er aufgetaucht war. Noah Aghas, 20 Jahre alt, Abiturient und Basketballspieler, ist in Überlingen groß geworden. Das kann man wörtlich nehmen: 2,08 Meter.

Im nordhessischen Kassel geboren, kam Noah mit fünfeinhalb Jahren mit seiner Mutter nach Überlingen. Sein nigerianischer Vater lebt jetzt in England. „Ich hatte eine sehr sehr schöne Kindheit: viel erlebt, viel gesehen, viel gemacht“, so Noah. Im neunten Lebensjahr hat er mit Basketball angefangen. Mit 14 ging er in den Verein. Im BC Überlingen hat er sich sportlich entwickelt, spielte zusätzlich bei den Baskets Konstanz in der U18 Oberliga. Schon damals ein Ausnahmeathlet.

Ostern 2013 fiel er bei einem Spiel in Urspring auf und wurde angefragt. Im darauf folgendem Winter wechselte er ins Internat Urspring, die Talentschmiede des deutschen Basketballs. Selbst Basketball-Star Dirk Nowitzki erwähnte mehrfach lobend die Leistungen der Schule. 1998 wurde das Basketball-Projekt zur Talentförderung eingerichtet. Heute ist es ein Stützpunkt des Deutschen Basketball Bundes. 2001 fusionierte die Urspringer Basketball-Abteilung mit der TSG Ehingen aus dem 24¦000-Einwohner-Städtchen 15 Kilometer vom Internat entfernt.

So konnte Noah in seinem ersten Jahr mit Ehingen/Urspring schon in der Regionalliga spielen, zusätzlich zu seinen Einsätzen in der Nachwuchs Basketball Bundesliga und in der Oberliga. Die Intensität und die Physiologie kann man nicht mit seinen vorherigen Stationen vergleichen. „Mit Nettigkeiten kommt man da nicht weiter“, hat er gleich gemerkt. In seinem zweiten Jahr wurde er auch schon in der 2. Bundesliga eingesetzt. Damals im Schnitt fünf Minuten pro Spiel. In der abgelaufenen Saison kam er auf durchschnittlich 17 Spielminuten, zusätzlich zu seinen Einsätzen in der Regionalliga.

Um seine Leistung aufrecht erhalten zu können, musste er ein straffes Wochenprogramm diszipliniert absolvieren: viermal Teamtraining und zusätzlich je dreimal Einzel- und Krafttraining. Erst jetzt nach dem Aufstieg in die zweite Profi-Basketballbundesliga ProA und während der Abiturvorbereitung tritt er etwas kürzer.

Das Schriftliche hat er schon hinter sich, fehlen noch die mündlichen Prüfungen. Englisch und Geschichte mache ihm Spaß, darin sei er gut, hingegen in Mathematik hätte er nicht seine beste Leistung abgeliefert. So rechnet er mit einer Abiturnote zwischen 2,5 und 3. In sechs Wochen ist die Schule abgeschlossen. Was dann kommt, ist noch nicht sicher. Ein sofortiger Wechsel in den Profisport ist für ihn keine Option. „Man sagt mir zwar nach, ich sei ein Basketballtalent, aber Studium oder Ausbildung hat für mich Vorrang“, und fügt hinzu: „Eventuell mit Basketball finanziert.“

Denn wenn er Basketball spielt, macht er das mit Leidenschaft. Im Spiel denkt er an nichts anderes, er ist im Tunnel, oder wie man heute sagt: im Flow. „Auf dem Feld gibt‘s nichts drumherum, nur den Ball und das Spiel“, so Noah Aghas über das Glücksgefühl beim Basketballspiel. Seit er in der Ferne lebt, ist ihm aufgefallen, wie wenig wahre Freunde übrig geblieben sind, zu denen er eine umso intensivere Beziehung pflegt. Auch hat er das Gemeinschaftsgefühl und die Kameradschaft, die er in Überlingen erlebt hat, woanders nicht mehr gefunden. Und noch etwas ist für ihn wichtig. Sein Stammverein in Ehingen/Urspring wird als Baskets Konstanz ausgewiesen. Das stimme so nicht. Er sei vom Basketballclub Überlingen.

Zur Person

Noah Aghas wurde 1996 in Kassel geboren. Mit seiner Mutter kam er mit fünfeinhalb Jahren nach Überlingen. Seit 11 Jahren spielt er Basketball. Mit 14 ging er zum BC Überlingen, spielte zusätzlich für die Baskets Konstanz. 2013 entdeckt, wechselte er ins Sportinternat Urspring. Durch die Umstellung von G9 auf G8 kam er von der 11. Klasse Waldorfschule in die 10. Klasse des Sportgymnasiums. Zur Zeit lernt er für seine mündlichen Abiturprüfungen. Sein sportliches Vorbild ist der ehemalige NBA-Star Hakeem Olajuwon, der wie Noah auf der Center-Position spielte. Noahs letzter großer sportlicher Erfolg war der Aufstieg in die zweite Basketballbundesliga ProA vor vier Wochen. (mt)