Mit der attraktiven Umgestaltung des Landungsplatzes sollen auch der Busverkehr, insbesondere die Haltestellen für Reisebusse, weitgehend ausgedünnt werden. Noch unklar in der Planung und strittig in den Gremien ist es, ob es hier künftig gar keine Gelegenheit mehr geben soll, Gästegruppen aussteigen zu lassen. Dass die Abteilung Stadtplanung und die untere Verkehrsbehörde bei der Abteilung öffentliche Ordnung in diesem Zusammenhang prüfen, im Bereich östlich des Mantelhafens eine Wendemöglichkeit für Reisebusse einzurichten, um einen bequemen Fußweg an der Promenade entlang anzubieten, rief nun verschiedene Anwohner und Hauseigentümer der Seestraße auf den Plan.

Schiffsunternehmer pochen auf Ausstiegsmöglichkeit

Dazu gehört auch Jutta Patzel, Witwe des früheren Oberbürgermeisters Klaus Patzel (1993-2000), die in einem Brief an Oberbürgermeisterin Sabine Becker ihre Bedenken gegen eine Haltestelle in ihrer Nähe formulierte. Die Schiffsunternehmer hätten die besorgten Anwohner des Mantelhafens schon mal auf ihrer Seite: Sie würden den Busstopp für Touristen am Landungsplatz liebend gerne behalten und pochen auf eine Ausstiegsmöglichkeit. Dass es dabei vor allem um Gäste gehe, die Überlingen auf dem schnellsten Weg wieder in Richtung Mainau verlassen, war im Ausschuss ein Argument dagegen. Aus Sicht der Befürworter sind Komfort und Service für Besucher dennoch wichtiger.

Indessen kennzeichnet ein scharfer Ton den Brief von Helga und Richard Meyer, die Eigentümer eines Hauses in der Seestraße sind. Der Verkehrsausschuss habe nach ihren Informationen „in einer nicht öffentlichen Sitzung beschlossen, den Bus-Stopp für Touristenbusse in die Seestraße zu verlegen“. Gegen diese „Entscheidung“ legten sie Widerspruch ein, erklären sie in dem Schreiben an Baubürgermeister Matthias Längin, das sie auch Oberbürgermeisterin Sabine Becker zur Kenntnis gegeben hatten. „Sollte es sich lediglich um Beratungsgespräche gehandelt haben, gilt der Widerspruch sinngemäß.“

Gleich mit dem 1. April als Frist bitten sie um Informationen, ob es für das Vorhaben ein Verkehrsgutachten gebe, in welcher Form die Interessen der Anwohner berücksichtigt würden und welche Maßnahmen eine „bürgerfreundliche Öffentlichkeitsarbeit“ sicherten. Schon einen drohenden Unterton hat die abschließende Feststellung. „Wir gehen davon aus, dass Gespräche produktiver sind als öffentlich-rechtliche Auseinandersetzungen.“

Schon zuvor Bedenken

Schon zuvor hatte Jutta Patzel ihre Bedenken gegenüber eine Bushaltestelle im Bereich Seestraße/Mühlenstraße gegenüber Oberbürgermeisterin Sabine Becker formuliert. In der Tat werde „im Zuge der Umsetzung des vom Gemeinderat beschlossenen Verkehrskonzepts ... derzeit die Umlegung der bisherigen Haltestelle für Reisebusse am Landungsplatz geprüft“, bestätigte Becker in ihrer Antwort. Allerdings würden dabei „verschiedene Möglichkeiten durchdacht“.

Eine davon sei die „Einrichtung einer Haltestelle im Bereich Seestraße“. Derzeit befinde sich die Verwaltung jedoch noch im Prüfungsverfahren. Doch würden die verschiedenen Lösungsansätze noch in den Gremien diskutiert, die Interessierte bei den öffentlichen Sitzungen gerne als Zuhörer verfolgen könnten. Weitere Aussagen, so Becker, könnten aufgrund der aktuell laufenden Planungsphase nicht getroffen werden.

Mehr und mehr in Frage gestellt scheint in diesem Zusammenhang auch die vorgesehene Fahrradstraße in der Hafenstraße, gegen die es bei genauerer Betrachtung Sicherheitsbedenken geben könnte. Die Einmündung aus Osten könnte vor dem Hintergrund des Buslinienverkehrs bei der Umsetzung eines Radverkehrs in beide Richtungen ebenso Schwierigkeiten bereiten wie die eine oder andere Engstelle.

Kritische Punkte

Neben der Einführung von Tempo 20 in der Altstadt gehört unter anderem auch die Umgestaltung von Landungsplatz und Hofstatt zu einem fußgängerfreundlichen Bereich sowie der Hafenstraße zu einer Fahrradstraße zu dem im Juli 2015 beschlossenen Konzept zur Verkehrsberuhigung. Wie die Platzgestaltung aussieht und wie restriktiv sie für den Busverkehr sein wird, wurde hier noch nicht festgelegt. Dies wird jetzt wieder kontrovers diskutiert.

Nicht nur Befürworter hat die geplante Fahrradstraße in der Hafenstraße, insbesondere da sie in der Kessenringstraße aufgrund des Querschnitts keine Fortsetzung finden kann und Radler durch die Marktstraße wieder hinauf in die Christophstraße geführt werden sollen. Manchem Kritiker scheint eine durchgängige Radspur durch die Münsterstraße plausibler und realistischer.