Mit Einführung der Doppik in den kommunalen Haushalten soll mehr Wahrheit und Klarheit, sprich mehr Ehrlichkeit Einzug halten, was wirtschaftlich vertretbare Handlungs- und Entwicklungsmöglichkeiten angeht. Dazu gehört schon seit 2013 die Einführung von Produktgruppen bei Baumaßnahmen, Dienstleistungen und Verwaltungsaufgaben, insbesondere die Verpflichtung, die Abschreibungen auszuweisen, zu erwirtschaften und so den Werterhalt von Immobilien zu sichern. Was diese Werterhaltung anbelangt, steht Überlingen mit der abgerissenen Sporthalle oder dem maroden Bau des Gymnasiums in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen finanzieller Art.

Rückwirkend zum Stichtag der Umstellung am 1. Januar 2013 hat die Kämmerei um Fachbereichsleiter Stefan Krause eine Eröffnungsbilanz mit allen Vermögenswerten und Verpflichtungen der Kommune erstellt, die der Gemeinderat jetzt einstimmig verabschiedete.

Revisor Frank Göller prüfte Zahlen mehrere Monate

Zuvor war sie von Revisor Frank Göller mehrere Monate lang überprüft worden. Göller ist der einzige Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der nicht Oberbürgermeister Jan Zeitler weisungsgebunden ist. Heraus kam am Ende eine Bilanzsumme von 178 Millionen Euro, die allein allerdings noch relativ wenig aussagt. Auf Grundlage der Eröffnungsbilanz müssen die Zahlen nun fortgeschrieben und sukzessive aktualisierte Jahresrechnungen nach dem neuen Haushaltrecht erstellt werden. "Wichtig für das neue Rechnungswesen ist, dass die Eingangswerte stimmen", betonte Oberbürgermeister Jan Zeitler.

Historische Immobilien mit symbolischem Wert

"Wir dürfen uns nicht reich rechnen", erklärte Revisor Frank Göller ausdrücklich. Spätestens bei den historischen Immobilien spiele dies eine wichtige Rolle. Für die Erstellung der Eröffnungsbilanz mussten unter anderem die Werte für sämtliche Grundstücke und Immobilien der Stadt, aber auch für die Straßen oder die Wälder fundiert festgeschrieben werden.

Prozess der Erfassung nahm zwei Jahre in Anspruch

Daher nahm der ganze Prozess rund zwei Jahre in Anspruch. Zum einen mussten unter anderem Flurstücke in Denkingen oder in Hohentengen am Hochrhein berücksichtigt werden. Zum anderen gehören alle Straßen dazu, die zwar instandgehalten, aber in der Regel nicht verkauft werden können. Auch wenn in Gebäude investiert wird, heißt das noch nicht, dass ihr Wert steigt.

Städtische Grundstücke als größte Vermögenswerte

Die größten Vermögenswerte sind vor allem die städtischen Grundstücke. Sie gehen mit den Bodenrichtwerten in die Bilanz ein: Diese reichen von 110 Euro im Dorfgebiet von Bonndorf bis 2200 Euro bei Seeufergrundstücken. Mit der begrenzten Aussicht auf Seesicht erlöste die Stadt beziehungsweise das Spital in der Schreibersbildstraße zuletzt 1100 Euro.

Stadtmauer ließe sich nicht verkaufen

Mit einem sogenannten Erinnerungswert von 1 Euro ist die historische Stadtbefestigung in die Eröffnungsbilanz eingegangen. Die Stadt hat in Erhalt und Sanierung in den vergangenen Jahren jedoch einiges mehr investiert.
Mit einem sogenannten Erinnerungswert von 1 Euro ist die historische Stadtbefestigung in die Eröffnungsbilanz eingegangen. Die Stadt hat in Erhalt und Sanierung in den vergangenen Jahren jedoch einiges mehr investiert. | Bild: Hanspeter Walter

Historische Gebäude fallen kaum ins Gewicht. So hat die Stadt zum Beispiel in die geschichtsträchtige Stadtmauer zwar stets reichlich Geld investiert. Doch weder steigt deren Wert damit an noch könnte man sie verkaufen. Deshalb wurde sie mit dem Erinnerungswert von 1 Euro in die Bilanz aufgenommen, ebenso wie Straßen und Brücken, Buswartehäuschen, Sport- und Spielanlagen oder Parkscheinautomaten.

Große finanzielle Belastungen bereits absehbar

Vor diesem Hintergrund zog der Revisor summa summarum ein positives Fazit. "Die Stadt steht im Moment finanziell recht gut da." Der wiederkehrende Hinweis auf die hohe Liquidität der Stadt sei aber einfach nicht zielführend, erklärt Frank Göller. Schließlich stehe die Kommune vor riesigen Herausforderungen und große finanzielle Belastungen seien schon absehbar. "Das ist, wie wenn Sie 100 000 Euro auf dem Konto haben und wissen, dass Sie in zwei Jahren ein Haus für 400 000 Euro kaufen wollen", zog Göller einen Vergleich: "Dann werden Sie das Geld trotz guter Liquidität nicht einfach auf den Kopf hauen."

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