15 Prozent der kalkulierten Baukosten hatten die Planer im Dezember 2017 vorsichtshalber als Risikoreserve im Budget für den Sporthallenneubau ausgewiesen. Das waren in absoluten Zahlen rund 3,6 Millionen Euro innerhalb des Gesamtbudgets von 24,3 Millionen, zu dem auch der Bau einer Heizzentrale und die Verlegung der Trafostation gehören. Von dieser Reserve ist aktuell nicht mehr viel übrig. Die Verwaltung stellte den Gemeinderat in der jüngsten Sitzung vor die Wahl, die Reserve entsprechend der Kostenentwicklung auf 1 Million Euro einzudampfen oder ganz aufzugeben und den verbleibenden Puffer von 820 000 Euro gleich mit freizugeben. Das Gremium entschied sich für die zweite Alternative.

Das könnte Sie auch interessieren

38 Stellplätze statt Parkdeck

Im Vertrauen darauf, dass inzwischen ein Volumen von gut 78 Prozent der Gewerke vergeben ist, erkannte das Gremium offensichtlich ein überschaubares Restrisiko bei den Kosten. Allerdings gelingt die Einhaltung des Budgets nur durch den Verzicht auf das Parkdeck mit zwei Ebenen an der Johann-Kraus-Straße, wo mit 38 ebenerdigen Stellplätzen nur noch das baurechtlich geforderte Minimum erstellt wird. Stattdessen soll es deutlich mehr Plätze für Fahrräder geben.

Verwaltung hofft auf Abmachungen mit Einkaufszentren

Dass Kosten von rund 50 000 Euro pro Stellplatz in dieser Situation doch zu viel des Guten seien, hatte Oberbürgermeister Jan Zeitler mehrfach betont. Für große Veranstaltungen an Wochenenden wolle man versuchen, Abmachungen für die Nutzung der Parkplätze bei den Einkaufszentren zu treffen, erklärte die Verwaltung.

Blendschutz teurer als geplant

Bei der Optik des Sichtbetons hat die Stadt ebenfalls gewisse Abstriche gemacht und spart dadurch 280 000 Euro. Für bisher nicht vorhergesehene Mehrkosten in Höhe von 95 795 Euro sorgt dagegen ein zusätzlicher Blendschutz. Auf ihn glaubten die Planer aufgrund der vorgebauten Holzfassade und der zurückgesetzten Fensterflächen verzichten zu können. „Aufgrund von Wünschen der künftigen Nutzer verbauen wir nun doch teureres Spezialglas“, sagte Baubürgermeister Matthias Längin.

„Ich bin sehr froh, dass wir zumindest mit dem Verzicht auf das Parkdeck im Moment innerhalb des Budgets liegen und dass der Zeitplan nahezu vollständig eingehalten ist“, resümierte der Baubürgermeister nach einem Gang über die Baustelle: „Von den Kosten her ist der Sporthallenneubau immerhin die größte kommunale Baustelle Überlingens.“

Das könnte Sie auch interessieren

Rohbau der ersten Ebene ist fast fertig

Unterdessen wächst die Mehrfachhalle unaufhaltsam in die Höhe. Der Rohbau für die erste Ebene mit der Dreifeld-Sporthalle und einem Geräteraum ist weitgehend fertig. Derzeit werden die Träger für die Zwischendecke betoniert. Zwölf Querstreben von 1,80 Metern Höhe und 50 Zentimetern Breite sind erforderlich. In einer Metallhülle werden dabei Stahlarmierungen eingebaut, verspannt und mit Zement verfüllt, um die Zugbelastungen der Träger aufzunehmen.

Die zweigeschossige Sporthalle wird am Ende etwa die Höhe des Gymnasiums erreichen.
Die zweigeschossige Sporthalle wird am Ende etwa die Höhe des Gymnasiums erreichen. | Bild: Hanspeter Walter

Die künftige Tribüne ist schon erkennbar, demnächst folgt das Treppenhaus, das die beide Ebenen miteinander verbindet. Für Polier Jürgen Wernz von der Firma Wolfer und Goebel ist es schon die vierte Sporthalle, deren Bau er verantwortlich betreut. „Doch das ist absolut die größte bisher und die erste mit zwei Etagen“, sagte er. Über der Dreifeld-Sporthalle werden noch zwei Hallen für Basketball und Geräteturnen entstehen. Auch Baubürgermeister Matthias Längin betonte: „Das gibt es nicht so häufig.“ Er rechne daher schon mit dem Einzug des Projekts in die Architekturzeitschriften.

Unter den Stützen der Verschalung ist die Tribüne für die Dreifeld-Sporthalle schon zu erkennen.
Unter den Stützen der Verschalung ist die Tribüne für die Dreifeld-Sporthalle schon zu erkennen. | Bild: Hanspeter Walter

Boom der Baubranche als Grund für Teuerungseffekt

Mehrere Aspekte sind nach Ansicht des Baubürgermeisters für den Teuerungseffekt verantwortlich. Zum einen lägen die Kostenberechnungen für die Genehmigungsplanung inzwischen schon 16 Monate zurück, zum anderen sei der Bauboom in der ganzen Region nicht zu übersehen und die Auftragslage bei allen Betrieben bestens. Darüber hinaus liege Überlingen nicht unbedingt verkehrsgünstig. Den Rohbau erstellt die Stuttgarter Firma Wolfer und Goebel, die eng mit der Ed. Züblin AG kooperiert, und von einer Filiale in Rottweil aus agiert. Doch auch eine beteiligte Überlinger Baufirma habe schon in der Anfangsphase mit ihrem Angebot rund 50 Prozent über dem Kostenplan gelegen, gab Längin zu bedenken.

Das könnte Sie auch interessieren

Zu denken gegeben hatte Stadtrat Ingo Wörner (FDP) in der Geimeideratssitzung, dass bei der Ausschreibung der Rohrleitungen für die Nahwärmeversorgung immerhin 46 Firmen die Unterlagen angefordert und damit Interesse gezeigt hätten. Am Ende seien jedoch nur zwei Angebote eingegangen. „Vielleicht lag es ja an der Ausschreibung“, sagte Wörner. „Man sollte auch mal nach eigenen Fehlern suchen.“ Seiner eigenen Firma sei die Ausschreibung „zu schwierig gewesen“.