Martin Deck spricht sich für das Doppelfest aus: Noch lange nach 2020 wird man über jenes Jahr reden, in dem Überlingen in einem einzigen Freudentaumel war: Im Winter der große Narrentag mit den befreundeten Zünften aus Rottweil, Elzach und Oberndorf, im Sommer das Stadtjubiläum und von April bis Oktober die Landesgartenschau. Dabei wird das Stadtjubiläum keineswegs im Veranstaltungsreigen untergehen, sondern vielmehr von der Gesamtkomposition profitieren. Überlingen und seine Historie fände durch die LGS weit über die Stadtgrenzen hinweg Beachtung, der Rahmen für die Präsentation der Stadtgeschichte wäre ein ganz anderer und auch die Bürger kämen nicht zu kurz: Während die LGS hauptsächlich Gäste von außerhalb anziehen wird, könnten die Überlinger beim Jubiläum sich und ihre Stadt feiern. Und ganz nebenbei würde die klamme Stadtkasse durch die Nutzung der bereits vorhandenen strukturellen Ressourcen entlastet. Historisch, soviel ist sicher, würde man keinen unentschuldbaren Frevel begehen: Zwar gilt es inzwischen als wahrscheinlich, dass die Urkunde mit der Ersterwähnung Überlingens erst im Jahr 773 ausgestellt wurde. Dennoch ist unstrittig, dass die Siedlung "Iburinga" auch schon 770 existierte.

Stefan Hilser spricht sich gegen das Doppelfest aus: Man fühlt sich an eine Hochzeit erinnert, bei der zugleich der runde Geburtstag der Schwiegermutter gefeiert werden sollte. Erst fanden die Idee alle gut. Als dann aber die Gästeliste geschrieben wurde, gab es den ersten Familienkrach, und am Hochzeitstag selbst war die Schwiegermutter beleidigt, weil sie sich nicht genügend gewürdigt fühlte. Diesen (konstruierten) Fall möge man sich vor Augen führen, wenn man ein Doppelfest aus Landesgartenschau und Stadtjubiläum zu einem fragwürdigen Datum plant. Die Frage ist doch, warum Überlingen Geburtstag feiert. Ja doch wohl, weil man sich seiner reichen und faszinierenden Geschichte bewusst werden möchte, weil man den Stolz der Überlinger und ihr Gemeinschaftsgefühl stärken möchte. Und nicht, weil das Fest Zugpferd sein soll, mit dem man Gartenschau-Besucher vom Westpark in die Altstadt zieht, während die in die LGS eingespannten Überlinger wenig Zeit zum Mitfeiern finden. Die Altstadt, ist sie denn nicht für sich genommen reizvoll genug als Begleitprogramm zur Gartenschau? Es besteht die Gefahr einer Überforderung. Und man vergibt die Chance für ein Fest von Überlingern für Überlinger – das ihnen mit drei Jahren Abstand zu einer rauschenden Landesgartenschau und mit etwas Zeit zum Luftholen gut tun würde.