Hinsetzen, entspannen, umschlossen von der Ruhe des Waldes mit Blick auf äsendes Wild: Auf der Bank, die der „Verein zur Erhaltung des Rehgeheges“ dem Verschönerungsverein Überlingen (VVÜ) und damit der Öffentlichkeit gespendet hat, ist das möglich. Bei der offiziellen Übergabe am Rehgehege erinnerten sich die Akteure und Mitstreiter an bewegte Zeiten, in denen um den Bestand des kleinen Wildparks gekämpft wurde.

Der Verein zur Erhaltung des Rehgeheges spendierte dem Verschönerungsverein für die Öffentlichkeit eine Bank. Wegewart Thomas Vogler (links) bringt im Beisein der Vorsitzenden Bernadette Siemensmeyer (Mitte) und ihrem Stellvertreter Michael Wilkendorf (rechts) das Spenderschild an. Darüber freuen sich der Vorsitzende des Rehgeheges, Michael Röther (hinten rechts), und dessen Stellvertreter Raimund Wilhelmi (Sechster von links).
Der Verein zur Erhaltung des Rehgeheges spendierte dem Verschönerungsverein für die Öffentlichkeit eine Bank. Wegewart Thomas Vogler (links) bringt im Beisein der Vorsitzenden Bernadette Siemensmeyer (Mitte) und ihrem Stellvertreter Michael Wilkendorf (rechts) das Spenderschild an. Darüber freuen sich der Vorsitzende des Rehgeheges, Michael Röther (hinten rechts), und dessen Stellvertreter Raimund Wilhelmi (Sechster von links). | Bild: Christiane Keutner

Vor einem Dutzend Jahren wollte die Stadt das Rehgehege aus Kostengründen aufgeben. Zudem wurde gemunkelt, dass das Naherholungs- und Ausflugsziel einem Hotel weichen sollte. Das rief einen Mann auf den Plan, dessen Name Programm ist: „Rehmund heiße ich schon mit Vornamen“, scherzt Stadtrat Raimund Wilhelmi, dessen Schulweg am Rehgehege vorbeiführte und der sagt: „Es ist für viele Überlinger identitätsstiftend.“

Familie Rexhepi wohnt in der Nähe des Rehgeheges und schaut öfters bei den Tieren vorbei.
Familie Rexhepi wohnt in der Nähe des Rehgeheges und schaut öfters bei den Tieren vorbei. | Bild: Christiane Keutner

Der FDP-Angehörige warb überparteilich und sammelte auf dem Wochenmarkt auf der Hofstatt Unterschriften. 300 Bürger unterschrieben. „Ein achtjähriger Junge kam vorbei, der hat sein Taschengeld gestiftet“, erinnert sich Wilhelmi an die rührende Szene und an Geschäftsleute, die „4000 Euro und mehr“ gespendet hatten. Anrufer bestätigten ihn in seinem Vorgehen, das Rehgehege zu erhalten. Unterschriften und Geld wurden an den damaligen OB Volkmar Weber übergeben. Im Gegenzug wurde der Erhalt des kleinen Wildparks zugesichert.

Die berühmten „Rehaugen“ hat auch das Damwild. Die hübschen Tiere sind ein begehrtes Fotomotiv.
Die berühmten „Rehaugen“ hat auch das Damwild. Die hübschen Tiere sind ein begehrtes Fotomotiv. | Bild: Christiane Keutner

Vier Jahre später, im April 2011, drohte das erneute Aus. Der Gemeinderat hatte dem Haushaltsplan zugestimmt, der null Euro für das Rehgehege vorsah. Stadtrat Wilhelmi stimmte dem Haushaltsplan zwar zu, lehnte aber das Aus fürs Rehgehege ab. Er wiederholte sein Angebot, 4000 Euro aus eigener Tasche zu bezahlen. Aber: „Ich fand keinen Widerhall im Gemeinderat.“

Rund ums Rehgehege

Widerhall fanden jedoch der Bericht im SÜDKURIER und Wilhelmis erneute Aktion. Er hatte engagierte Bürger zusammengetrommelt, die mit festen Spendenzusagen und der Einrichtung eines Spendenkontos den Erhalt sichern wollen. Am 20. Juli 2012 wurde aus dem lockeren Zusammenschluss von Bürgern der „Verein zur Erhaltung des Rehgeheges“. Er soll die Interessen der Schützer gegenüber der Stadt vertreten. Raimund Wilhelmi wurde zum Vorsitzenden gewählt. Im November 2015 wurde Michael Röther sein Nachfolger, Wilhelmi sein Stellvertreter. Aktuell zählt der Verein 40 Mitglieder.

Wildfutter gibt‘s für wenig Geld

Mit ihren Jahresbeiträgen sichern sie den weiteren Bestand. Zur Finanzierung trägt auch ein Futterautomat bei. Für niederschwellige 50 Cent gibt es eine Schachtel Wildfutter-Presslinge. Die Schachteln bestückt der Verein. Rund 5000 werden jährlich gezogen. „Daran sieht man, dass das Rehgehege ein Magnet geworden ist. Viele Familien kommen mit ihren Kindern“, so Röther.

Nicht alle beachten Futterhinweise

Etliche Bürger bringen auch Kastanien, Möhren und Äpfel mit. Die meisten wissen, dass man weder Brot noch Küchenabfälle verfüttern darf. Nicht alle. Vergangenen Sonntag lagen wieder Salatblätter im Gehege. „Die schimmeln und das ist schlecht für die Gesundheit der Tiere“, so Michael Brantner vom Grünflächenamt. Dreimal wöchentlich füttern die Mitarbeiter die Rehe mit Möhren, Heu, Äpfeln und Wildfutter, erneuern regelmäßig das Stroh im Liegehäuschen und erledigen bei Bedarf Arbeiten am Zaun.

Hunde bitte an der Leine lassen

Ein Problem sind freilaufende Hunde: Kleinere graben sich unter dem Zaun durch und wühlen die Tiere auf. „Leider halten sich nicht alle an die Vorschrift, Hunde im Stadtgarten an der Leine zu halten“, so Brantner.

Der Verein beteiligt sich auch am Ferienprogramm der Stadt. Dann gibt es Führungen, die Kinder dürfen aus dem abgeworfenen Geweih Ketten basteln und die Futterschachteln füllen. „Die Kinder sind immer hellauf begeistert“, berichtet Röther, der bei der Organisation des Rehgeheges von Annette Bogen unterstützt wird. Und er erzählt von der Anteilnahme der Bürger, als Platzhirsch „Hansi“ verlegt wurde. Ein weiteres Zeichen für das Interesse der Überlinger an „ihrem“ Rehgehege.

Patin betreut die neue Bank

„Es gibt nichts Entschleunigerendes, als in der Natur, im Wald zu sein und Tieren zuzuschauen“, sagte VVÜ-Vorsitzende Bernadette Siemensmeyer bei der Übergabe der Bank. Sie freute sich über den hervorragenden Standort mit Blick ins Gehege und sicherte die Pflege, derzeit in Verantwortung von Wegewart Thomas Vogler, für die nächsten zehn Jahre zu; bei einem neuen Spender weitere zehn Jahre.

Das Rehgehege wird auch bei der Landesgartenschau eine Rolle spielen und für örtliche Entzerrung sorgen.