Begeistert packt Lola Blau ihre Koffer – die aufstrebende Schauspielerin will sich auf den Weg machen zu ihrem ersten Engagement nach Linz. Aber es ist das Jahr 1938, und Lola Blau ist Jüdin. Sie muss fliehen, zunächst in die Schweiz, dann in die Vereinigten Staaten.

Die Handlung des Musicals "Heute Abend: Lola Blau" erinnert an die Geschichte des Autors: Georg Kreisler, österreichischer Komponist, floh im Jahr des österreichischen Anschlusses an Deutschland vor dem NS-Regime mit seiner Familie in die USA. Dort begann später seine Karriere, bevor er 1955 wieder nach Europa zurückkehrte.

Regisseur Peter Raffalt zeigte das Stück nun zum ersten Mal im ausverkauften Glaspavillon an der Kapuzinerkirche. Als einzige Schauspielerin und Sängerin auf der Bühne verkörpert Selina Ströbele Lola Blau und wird sporadisch durch Pianist und Sprecher Rafael Wagner unterstützt. Ihre Reise führt die zunächst naiv-optimistisch wirkende Lola quer durch die USA, wo ihre Karriere zwar an Fahrt aufnimmt. Der Preis dafür ist aber eine zunehmende Einsamkeit der Künstlerin: "I don't wanna see anybody", ich will niemanden sehen, sagt sie, nachdem ihr ein Strauß Blumen gebracht wird.

Ernüchterung nach dem Krieg

Als der Krieg vorbei ist, erreicht sie der Anruf ihrer großen Liebe: Leo wurde 1938 deportiert, hat die Zeit aber überlebt. Lola reist zurück nach Wien, wo sie ernüchtert feststellen muss, dass die Vorurteile gegenüber Menschen jüdischer Herkunft nicht verschwunden sind. Auch hier zeigen sich Parallelen zu Kreisler, der stets mit dem Umgang der Österreicher und der Kriegszeit haderte.

Selina Ströbele zeigt die Gefühlswelten Lola Blaus routiniert und greifbar, die Lieder singt sie fröhlich-schmetternd und am Ende zweifelnd mit brüchiger Stimme. Rafael Wagner unterhält das Publikum nicht zuletzt durch verschiedene Dialekte. Die beiden kommen am Ende noch etliche Male zurück auf die Bühne, um sich beim pausenlos klatschenden Publikum zu bedanken.

Am Mittwoch, 12. September, wird "Heute Abend: Lola Blau" noch einmal am Kapuziner gezeigt.