Pop Art zieht auch mehr als 60 Jahre nach ihrer Entstehung Kunstfreunde magisch an, vor allem, wenn einer ihrer letzten noch lebenden Erfinder, James Francis Gill, zu einer Ausstellungseröffnung kommt. So geschehen bei der gut besuchten Vernissage der Galerie Schumacher, die unter dem Titel „Legends“ 34 Werke von Gill zeigt, zu besichtigen bis zum 27. April.

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Texaner besticht mit Freundlichkeit

Gill, der ein Faible für schöne Autos hat, kommt mit einer AC Cobra angefahren, gesteuert von Besitzer Michael Bietenholz, der im Singener MAC-Museum arbeitet, wo Gill 2017/18 ausstellte. Der Texaner setzt seinen weißen Stetson auf, steigt aus, betritt die Galerie und besticht die Gäste mit seiner Freundlichkeit.

Er ist für alle ansprechbar, posiert für Fotos, signiert Kataloge und Werke. Zwei „Micks“ und zwei „Marilyns“, Serigrafien des Rockstars Jagger und der Filmlegende Monroe, hat Heike Schumacher schon verkauft, bevor der Künstler ihre Galerie überhaupt betreten hat.

Gill malte Marilyn Monroe vor Andy Warhol

Die Preise reichen von 500 Euro für eine „Mini-Audrey“-Serigrafie bis zu 28 000 Euro für das Acryl-Gemälde „My little Marilyn1“, ein Unikat. Gill malte Marilyn Monroe übrigens, bevor Andy Warhol dies tat. Bereits 1962, kurz nach ihrem Tod, nahm das New Yorker Museum of Modern Art Gills Marilyn-Triptychon in seine ständige Sammlung auf.

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Viele Ausstellungen in Deutschland

Oberbürgermeister Jan Zeitler hatte sich bei der Vernissage auch in eine Marilyn verguckt, ein Unikat für 17 000 Euro, aber so viel gebe das Stadtsäckel wohl kaum her, scherzte er. Der OB sagte, er sei stolz, dass Schumacher diese Ausstellung ermögliche und in ihrer Galerie eine Vielfalt biete, „die für uns als Stadt wichtig ist“.

Gill, der sich 30 Jahre lang zurückgezogen hatte und 1997 wiederentdeckt wurde, stellte in den vergangenen Jahren hauptsächlich im deutschsprachigen Raum aus. Warum? „Warum nicht?“, antwortete mit einer Gegenfrage. Er betonte: „Die Leute in Deutschland lieben Kunst.“

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Und Gill liebt Autos, die er genauso gerne zu malen scheint wie Stars, von denen er viele, wie etwa John Wayne und Marlon Brando, persönlich gut kannte. Bei Schumacher hängen etwa ein Porsche 356 Speedster oder ein türkisfarbener VW-Käfer. Gill erzählte, dass er derzeit drei Autos fahre.

Der 84-jährige wirkte entspannt trotz seines strammen Zeitplans: Kurz nach der Vernissage reiste er schon zur nächsten Ausstellungseröffnung nach England weiter.