„Das Verzieren macht am meisten Spaß!“, sind sich Maram, Rama und Rahaf einig. Die Drillinge sind mit ihren Eltern und Geschwistern 2015 aus Syrien geflohen und leben mittlerweile in Überlingen. Heute sind sie mit ihrer Mutter bei Bettina Bueb zu Gast, um gemeinsam Weihnachtsplätzchen zu backen. Die Kinder dekorieren die Herzen oder Sterne und freuen sich, wenn alle Kekse schön bunt werden.

Sanaa Alhamwi, ihre Mutter, spült inzwischen die Förmchen, denn das letzte Blech kommt gleich in den Ofen. „Ich habe den Aufruf im Mitteilungsblatt gelesen und mich gleich gemeldet“, sagt die Überlingerin Bettina Bueb. Die urdeutsche Tradition des Plätzchenbackens in der Vorweihnachtszeit weiterzugeben an Kinder, die neu in unserem Land sind, fand sie direkt eine gute Idee.

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Solche Ideen sind typisch für Roland Hipper. Der Ingenieur im Ruhestand organisiert Schwimmkurse für Flüchtlingskinder, hat einen Arabischkurs organisiert und kümmert sich als ehrenamtlicher Unterstützer um eine Familie. Dazu kommen spontane Eingebungen, wie jetzt etwa das Plätzchenbacken. „Menschen helfen gerne, wenn die Aktion unkompliziert sowie zeitlich überschaubar ist und nicht zu längerfristigen Verpflichtungen führt“, weiß Roland Hipper aus seiner Vereinstätigkeit. „Das Plätzchenbacken erfüllt diese Kriterien ideal.“

Das Dekorieren machte den Drillingen Rama, Rahaf und Maram (von vorne) am meisten Spaß. Gastgeberin Bettina Bueb (vorne) und Sanaa Alhamwi schauen zu.
Das Dekorieren machte den Drillingen Rama, Rahaf und Maram (von vorne) am meisten Spaß. Gastgeberin Bettina Bueb (vorne) und Sanaa Alhamwi schauen zu. | Bild: Sabine Busse

Er hat sich mit einigen Mitstreitern beraten, einen Flyer entworfen und die Idee publik gemacht. Kinder und Familien, die als Flüchtlinge hierher kamen, kennt er genug. Er versichert, dass die Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren schon gut Deutsch sprechen und eventuell zusammen mit einem Elternteil kommen. „Die Eltern habe ich per WhatsApp informiert, was mit dem Backen von Weihnachtsplätzchen gemeint ist“, fügt er noch hinzu. Die komplette Organisation übernimmt er, stimmt die Termine ab und sorgt bei Bedarf für einen Fahrdienst.

Jetzt fehlt nur noch die Schokoglasur

In der Küche von Bettina Bueb duftet es mittlerweile herrlich nach Plätzchen. Die Überlingerin engagiert sich schon lange ehrenamtlich. Sie unterstützt regelmäßig an der Wiestor- und der Franz-Sales-Wocheler-Schule Kinder zum Beispiel beim Lesen lernen und kennt die Drillinge bereits. Sanaa Alhamwi nimmt mit ihren Töchtern das letzte Blech aus dem Ofen. Rahaf bestreicht einige mit Schokoladenglasur und die anderen räumen die Förmchen zusammen. „Dann kommt mal mit nach drüben. Ich will euch etwas zeigen“, sagt die Gastgeberin. Nebenan brennen Kerzen und eine Sammlung von Weihnachtsengeln ist auf dem Tisch aufgebaut, die von allen bestaunt werden.

Nach dem Backen zeigte Bettina Bueb ihren Gästen aus Syrien, Sanaa Alhamwi und Rama (von links), ihre Engelsammlung.
Nach dem Backen zeigte Bettina Bueb ihren Gästen aus Syrien, Sanaa Alhamwi und Rama (von links), ihre Engelsammlung. | Bild: Sabine Busse

Während die Kinder dann mit Hummel, dem quirligen Familienhund, spielen, kommen die beiden Frauen ins Gespräch über weihnachtliche Bräuche und wo es schöne Krippen zu sehen gibt. Im Islam sind das Fastenbrechen am Ende des Ramadan und das Opferfest die wichtigsten Feiertage, wie Sanaa Alhamwi berichtet. An beiden Terminen kämen die Familien zusammen und es würde im Vorfeld viel gekocht und gebacken. Allerdings keine Plätzchen, sondern Baklava.

„Zu Ostern können wir wieder backen“

Zum Schluss bekommen die Gäste noch ein Schälchen mit den selbst gebackenen Keksen mit. „Zu Ostern können wir ja wieder backen“, schlägt Bettina Bueb vor. Das trifft sich gut, denn das Hasen-Förmchen hatte Rahaf am besten gefallen.

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