Die Wildfischbestände gehen weltweit drastisch zurück. Zum großen Teil ist daran auch die industrielle Fischzucht schuld. So lautet die Botschaft des Dokumentarfilms „Artifishal“, den das „Kammer“-Kino aufgrund der privaten Initiative von Marietta Mügge vor rund 80 Besuchern zeigte.

Elke Dilger: „Wir wollen weiter Wildfisch fangen“

Vorab hatte Elke Dilger, Vorsitzende des Verbands Badischer Berufsfischer, über die aktuelle Lage am Bodensee referiert und für ihren Stand ein klares Bekenntnis abgelegt: „Wir wollen Fischer bleiben und weiter Wildfisch fangen.“ Einer Fischzucht in Netzgehegen, wie sie das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium vorschlug und die eine 2017 gegründete Genossenschaft verwirklichen möchte, erteilte Dilger eine Abfuhr: „Netzgehege brauchen wir hier nicht.“ Vielmehr sollten Behörden und Wissenschaftler ihrer Ansicht nach „die natürliche Produktion mehr fördern“.

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„Artifishal“ zeigt eindrucksvoll, was passieren kann, wenn Menschen meinen, sie müssten der Natur nachhelfen, die sie zuvor zerstört haben. Nachdem man den Fluss Klamath in Kalifornien und Oregon mit Dämmen versehen und somit dem Wildlachs buchstäblich seinen Lebensweg abgeschnitten hatte, sollten die Lachsbestände dank Fischaufzuchtbetrieben wieder aufgestockt werden. Das Resultat: Der Zuchtfisch ist weniger widerstandsfähig und überträgt seine Krankheiten und Gene an Wildfische, was diese weiter dezimiert.

Film zeigt Negativ-Beispiele aus aller Welt

In vielen Gewässern Nordamerikas, etwa in Montana, setzt man auch zusätzlich Zuchtfische ein, um die Bestände zu erhöhen und so attraktiv für Touristen zu machen. Doch die Zahl der Fische ging zurück. Das krasse Gegenteil zeigte sich nach dem Ausbruch des Vulkans Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington 1980, der auch den Fluss Toutle schwer beeinträchtigt hatte. Daraufhin stoppte man das Einsetzen von Fischen. Nur wenige Jahre später jedoch erholten sich zum Erstaunen aller die Wildfischbestände.

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Ein Thema des Films ist auch der Kollaps einer Netzgehege-Anlage vor Cypruss Island 2017, wobei Hundertausende Atlantik-Lachse in den Pazifik entkamen – ein ökologischer Super-GAU, der den US-Bundesstaat Washington veranlasste, die Zucht von Atlantik-Lachs künftig zu verbieten.

Berufsfischerin warnt vor Netzgehegen im Bodensee

Auch, was den Bodensee angeht, warnte Dilger eindringlich vor dem Einsatz von Netzgehegen. Neben den ökologischen Gründen, die dagegen sprächen, wie dem Eintrag von Fremdstoffen in den See und die Gefährdung der Wildfische, dienten diese weder dem viel propagierten „Tierwohl“ noch der traditionellen Bodenseefischerei. „Den Profit hat der Handel“, so Dilger. Sie ist überzeugt: „Der Bodensee kann die Region mit Wildfisch versorgen.“ Letzterer, vor allem der seltene Blaufelchen, sei ein Alleinstellungsmerkmal für die Region. „Zuchtfisch hingegen kann man überall essen“, unterstrich die Fischerin.

Fischerei ist „ein erhaltenswertes Naturgut“

Mit der Fischerei betreibe man ja immer noch gerne Tourismuswerbung, und tatsächlich, betonte Dilger, „ist sie ein erhaltenswertes Kulturgut“. Doch auf den Rückgang der Bestände im See reagiere die Politik lediglich mit einer Reduzierung der Fischer, statt die Hebel auch anderswo anzusetzen, etwa in puncto „Kormoran-Management“, wie es Österreich vormache. Denn der Vogel, der sich am Bodensee in den vergangenen Jahrzehnten enorm vermehrte und pro Tag etwa ein Pfund Fisch verzehrt, macht den Fischern starke Konkurrenz. Auch mehr Nährstoffe im See könnten den Beständen wieder auf die Sprünge helfen, glaubt Dilger.