Den traditionsreichen, seit 1954 bestehenden Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen, der alle zwei Jahre vergeben wird, erhält dieses Jahr der Lyriker, Prosaist, Essayist, Literaturkritiker und Übersetzer Peter Salomon für sein bisheriges Gesamtwerk, teilt Kulturreferent Michael Brunner mit. Peter Salomon, der seine Kindheit und Jugend in Berlin verbracht hat, aber seit 1972 in Konstanz lebt und bis 1999 als Rechtsanwalt tätig war, sei in erster Linie Lyriker. Lese man seine Gedichte, so komme einem unweigerlich Rolf Dieter Brinkmanns bekanntes Wort, „dass schlechthin alles […] ein Gedicht werden kann“, in den Sinn.

Salomon verfüge denn auch, für eine Lyrik in der Tradition der Neuen Subjektivität bezeichnend, über einen Reichtum an alltäglichen Themen sondergleichen: von Kindheitserlebnissen in Berlin über Begegnungen mit berühmten Boxern und Dichtern und über Naturbilder bis hin zum Einkaufsrummel in der Konstanzer Innenstadt. Dazu geselle sich ein gewaltiger Formenreichtum, schreibt Brunner: Da fänden sich Prosagedichte und freie Rhythmen neben metrisch gebundenen Texten, kurze, epigrammatische Gedichte neben längeren Erzählgedichten, japanische Haiku neben Gedichtformen aus der abendländischen Lyriktradition.

Neben der Lyrik sei Salomons Kurzprosa bemerkenswert, die stark an Johann Peter Hebels und Bertolt Brechts „Kalendergeschichten“ erinnere und die sich stellenweise der experimentellen Prosa eines Heimito von Doderer annähere. "Nicht unerwähnt bleiben dürfen Salomons zahlreiche Essays zur Gegenwartsliteratur, vor allem aber auch zum literarischen Expressionismus, als dessen Experte er geradezu gelten kann", so Brunner. Salomon sei 1974 Mitbegründer und Mitherausgeber der Konstanzer Literaturzeitschrift Univers gewesen, die bis 1981 bestand, und ist seit 1992 Herausgeber der Reihe Replik, in der er vorwiegend Expressionisten „aus dem Abseits der Moderne“ porträtiert. Peter Salomon wird den Literaturpreis am 9. Oktober im Kursaal von Oberbürgermeisterin Sabine Becker entgegennehmen. Die Laudatio hält der St. Galler Literaturwissenschaftler und Dozent Mario Andreotti.