Ostern ist das Fest der Auferstehung. Doch die evangelische Kirchengemeinde kann das Osterfest ausgerechnet im Luther-Jahr nicht in ihrer Auferstehungskirche feiern. Das 150 Jahre alte Gotteshaus wird derzeit grundlegend saniert.

Dabei läuft nicht immer alles rund, wie Bauleiter Knut Hütz auf SÜDKURIER-Nachfrage erklärte. So sah der Baukran vor zwei Wochen eher wie ein skurril-futuristisches Kunstwerk als wie ein Arbeitsgerät aus. "Es ist nichts Spektakuläres", sagte Hütz, es sei nur ein kleines technisches Problem gewesen. Die Laufkatze auf dem Ausleger des Krans war defekt. Um die Laufkatze für die Reparatur vom Ausleger herunternehmen zu können, wurde der Kran halb abgebaut. "Es macht keinen Sinn, den nicht funktionsbereiten Kran wieder aufzubauen." Daher blieb der Kran in seiner halb abgebauten Position, bis die reparierte Laufkatze wieder eingebaut worden war. "Das ist nervig", erklärte Hütz, "wir haben schönstes Wetter und wir stehen gerade. Dabei wollen wir bauen. Aber so ist es." Hütz erklärte, dass die Verzögerung keinen Einfluss auf die Fertigstellung haben werde. Bereits zwei Tage später funktionierte der Baukran wieder und auf der Baustelle konnte weiter gearbeitet werden.

Der defekte Baukran vor der Auferstehungskirche konnte innerhalb von zwei Tagen repariert werden. Der Zeitplan für die Fertigstellung kann eingehalten werden.
Der defekte Baukran vor der Auferstehungskirche konnte innerhalb von zwei Tagen repariert werden. Der Zeitplan für die Fertigstellung kann eingehalten werden. | Bild: Dieter Leder

Auch Architekt Wolfgang Lorch, der kürzlich über den Zwischenstand der Bauarbeiten berichtete, ging kurz auf den defekten Baukran ein: "Der wird uns nicht ewig aufhalten können." Dabei hatte Lorch eigentlich schon zu Beginn seiner Ausführungen mit einem Satz für Aufmerksamkeit gesorgt: "Zeitpläne sind nur Papier." Doch die Befürchtung einer nicht termingerechten Fertigstellung relativierte er später wieder: Lorch sprach von einem komfortablen Puffer. Dann kam der Satz, auf den wohl alle gewartet haben: "Der Zeitplan wird weitgehend eingehalten, Ende Oktober sind wir fertig." Zum ersten Advent soll wie geplant die Einweihung der neuen Kirche gefeiert werden.

Architekt Wolfgang Lorch (vorn) mit Zuhörern im Garten des Pfarrhauses bei der Präsentation des Baumusters der Fassade.
Architekt Wolfgang Lorch (vorn) mit Zuhörern im Garten des Pfarrhauses bei der Präsentation des Baumusters der Fassade. | Bild: Dieter Leder

Doch wer glaubte, dass auf der Baustelle alles nach Plan läuft, der wurde von Lorch eines Besseren belehrt. Denn sowohl die Heizung als auch das Dach machten mehr Probleme als gedacht. Die Heizung muss komplett ausgebaut werden und "im Dach ist der Wurm drin", erklärte Lorch: "Der Holzwurm hat nicht gut getan." Ursprünglich war geplant, nur einzelne Balken auszutauschen, aber "als man es aufgemacht hat, sah es nicht gut aus." Das gesamte Dach muss nun neu gebaut werden.

Doch es geht bei Dach und Heizung nicht nur um den Zeitplan. Auch der Finanzplan muss eingehalten werden. Und Heizung und Dach verursachen eine Überschreitung der Baukosten von 20 000 und 60 000 Euro, erklärte Lorch. Die Landeskirche übernehme glücklicherweise die Kosten. Im Gegenzug sagte Lorch zu, noch Geld einzusparen.

Doch der Architekt gab auch einen freudigen Ausblick auf die neue Kirche. "Ab jetzt bauen wir auf!" Er zeigte nochmals auf, wie die neue Kirche aussehen wird, mit all den Neuerungen: Der Zugang wird barrierefrei werden und assistenzbedürftige Menschen werden inklusionsgerecht als Teil der Gemeinde in der Mitte aufgenommen werden. Dank modernster Induktionsanlage werden auch schwerhörige Menschen in den vollen Genuss von Musik und Predigt kommen. Und mit der im Boden versenkbaren Projektionswand können auch neue Medien genutzt werden, wie Lorch ausführte.

"Die Kirche hat Geschichte", erklärte Lorch. Darauf müsse auch er als Architekt "ruhig und angemessen reagieren". Die alte Kanzel könne hergerichtet werden, aber die Seitenempore werde abgerissen. Lorch spricht von neuen Sehlinien und einer neue, hellen Kirche mit einer neuen Bestuhlung. Es wird keine Stühle geben, sondern Bänke, das konnte er schon zusagen. "Die Bank hat den Vorteil, dass wir zusammenrücken können."

Im Garten stellte er noch einen Entwurf für die Fassade vor, denn die Kirche sei das Gesicht der Gemeinde. Er freue sich schon darauf, später einmal in die "neue alte Kirche" gehen zu können.

Auferstehungskirche

Die Kirche wurde als evangelische Stadtkirche in den Jahren 1866/67 in einschiffiger Form und im neugotischen Stil fertiggestellt. Die Umgestaltung passt daher nicht nur zum 150-jährigen Bestehen des Gotteshauses, sondern mit der geplanten Fertigstellung im Herbst auch zum 500. Jubiläum der Reformation. Durch den Anbau eines Seitenschiffs wurde die Kirche 1903 erweitert. Der Innenraum war zuletzt Anfang der 1980er Jahre umgestaltet worden. Zentrale Punkte des neuen Konzepts sind die Verlängerung und Stärkung des Hauptschiffs, ein Vorraum mit behindertengerechtem WC und ein barrierefreier Zugang. Eine neu strukturierte Fassade soll der Kirche ein neues Gesicht geben. (hpw)