Bei der Osternachtfeier wurde vor dem Münster die große Osterkerze mit den Buchstaben Alpha und Omega – Christus Anfang und Ende – und der Jahreszahl 2019 am Osterfeuer entzündet, das die Pfadfinder vorbereitet hatten und auch bis vor Mitternacht überwachten. Diakon Matthias Hoppe trug die Kerze unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ – Christus das Licht – in das nachtdunkle Münster, wo die große Schar der Ministranten das Licht an die Gläubigen weiterreichte.

Vier Kinder empfangen im Münster die Taufe

Kantorin Melanie Jäger-Waldau sang das feierliche Osterlob „Exsultet“. Die Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament begleiteten Cornelia Lenhardt und Gerold Jäger-Waldau mit Zwischengesängen. Die Tauffeier ist ein zentrales Geschehen in der Osternacht. Die Gläubigen erneuern ihr Taufversprechen und das Taufwasser für das kommende Jahr wird geweiht. In diesem Jahr empfingen vier Kinder die Taufe. Luzia Reutlinger, Florian Holzer und die Brüder Samuel und Luis Baloco-Nunez. Mit ihren Eltern und Taufpaten standen sie der Gemeinde zugewandt vor dem Altar im weißen Taufgewand und mit ihren Taufkerzen.

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In seiner Predigt setzte sich Pfarrer Bernd Walter mit dem Thema Tod und Ewigkeit auseinander. Umfragen stellten fest, dass für die meisten Menschen die Vorstellung von Ewigkeit eher unattraktiv sei als Fortsetzung des immer Gleichen. Daher die Gier und Hektik, so viel wie möglich in dieser Welt zu erleben. Diesem Zeitgeist hielt Pfarrer Walter entgegen: “Wer an die Ewigkeit glaubt, hat eine neue Einstellung zur Zeit. Ostern heißt für uns, es gibt ein Leben nach dem Tod, das wiederum unser Leben in dieser Welt verwandelt. Dieses Lebensziel prägt dann unseren Lebensstil."

Überlinger Kirchenmusik überzeugt Besucher

Am Ostersonntag wurde das festliche Hochamt von der Osanna-Glocke eingeläutet. Im voll besetzten Münster konnten sich die Gottesdienstbesucher aus nah und fern von der hohen Qualität der Kirchenmusik in Überlingen überzeugen. Die „Krönungsmesse“ von Wolfgang Amadeus Mozart ist eines seiner populärsten Werke. Sie wurde unter der Leitung von Melanie Jäger-Waldau perfekt gestaltet im Zusammenspiel von Münster- und Kammerchor, dem Münsterorchester, den vier Solisten Larisa Malikova (Sopran), Nicole Fazler (Alt), Martin Hähnlein (Tenor), Sebastian Walser (Bass) und Gerhard Breinlinger an der Orgel. Für viele Besucher ein musikalischer Kunstgenuss mit religiösem Tiefgang.

Pfarrer Walter sagt, die Welt brauche Christen

Mit Georg Friedrichs Händels „Halleluja“ aus dem „Messias“ setzten die Musizierenden einen krönenden Schlusspunkt, der mit großem Beifall bedacht wurde. In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Walter an das Jesus-Wort: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt." Deshalb brauche die Welt Christen, die von Ostern her und auf Ostern hin leben und von der Auferstehung Jesu Christi überzeugt sind. An die Gottesdienstbesucher appellierte er: „Und Sie sind unsere Multiplikatoren."

Vor Sonnenaufgang versammelten sich am Sonntag Gemeindemitglieder der evangelischen Kirchengemeinde am Osterfeuer auf der Promenade. Die Flammen waren, wie Dekanin Regine Klusmann betonte, am Osterfeuer der katholischen Geschwister entzündet worden.
Vor Sonnenaufgang versammelten sich am Sonntag Gemeindemitglieder der evangelischen Kirchengemeinde am Osterfeuer auf der Promenade. Die Flammen waren, wie Dekanin Regine Klusmann betonte, am Osterfeuer der katholischen Geschwister entzündet worden. | Bild: Christopher Rieck

Dekanin Klusmann: "Jesus begegnet uns – und wir stehen auf zu neuem Leben"

Vor der Helligkeit befindet sich immer die Dunkelheit, so zeichnete Dekanin Regine Klusmann in ihrer Osterpredigt die Analogie zwischen alttestamentlicher Schöpfungsgeschichte und dem Evangelium nach Johannes. Erst durch die Dunkelheit wird Helligkeit überhaupt möglich. Zu Beginn der Schöpfung, so führte Regine Klusmann aus, stehe nach der Dunkelheit die Begegnung zwischen zwei Menschen, Adam und Eva, was die Bibel als Beginn allen menschlichen Lebens markiere. So verhalte es sich auch mit der Ostergeschichte: Maria von Magdala trauernd in den frühen Morgenstunden vor dem Grab. "Maria: wir alle, an den Gräbern unserer Hoffnungen, unserer Träume, unserer Lebensfreude, unseres Gottvertrauens." Dann schildert Johannes die Begegnung zwischen der Trauernden und Jesus als ein unspektakuläres Ereignis, wie Regine Klusmann betonte: "Keine großartige Demonstration seiner Macht, keine Gewalt, kein erzwungener Glaube, kein gleißendes Licht", erst durch das Aussprechen des Namens folge das Erkennen. "Beim Namen gerufen werden. Im Innersten erkannt werden: Das ist das Ende der Nacht, die Sonne geht auf, Ostermorgen, Schöpfung des neuen Lebens." Und damit entsteht, so Regine Klusmann, neuer Glauben, neues Vertrauen und neue Hoffnung. "Das ist der Beginn der neuen Schöpfung. Gott ruft uns beim Namen. Er begegnet uns. Und Leben kann entstehen. Leben, das sich nicht kleinkriegen lässt, Leben, das den Tod überdauert." Ostern bedeute nicht, wie sie erklärte, die Wiederherstellung vergangener Wahrheiten, so wenig wie Jesus nach seiner Auferstehung sein irdisches Leben weiterführte. Ostern, so Regine Klusmann, bedeute Veränderung. Es gehe auch nicht primär um die Auferstehung eines Toten, sondern vielmehr auch um die Begegnung des Menschen mit Gott. "Jesus begegnet uns – und wir stehen auf zu neuem Leben. Das ist Ostern", sagte Klusmann.